Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

Ethikrat: Künstliche Intelligenz darf den Menschen nicht ersetzen

Expertengremium legt umfassende multidisziplinäre Stellungnahme vor.
Deutscher Ethikrat legt Stellungnahme zu Künstlicher Intelligenz vor
Foto: IMAGO/Christian-Ditsch.de (www.imago-images.de) | Der Deutsche Ethikrat hat am Montag in Berlin seine Stellungnahme "Mensch und Maschine - Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz" vorgestellt. Im Bild: Julian Nida-Rümelin, Judith Simon und Alena Buyx.

Der Deutsche Ethikrat hat gestern in Berlin eine neue Stellungnahme zur Künstlichen Intelligenz vorgestellt. Die 288 Seiten umfassende multidisziplinäre Expertise trägt den Titel „Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz“. Mit ihr schreibt der Rat seine Stellungnahmen zu Big Data und Gesundheit (2017) sowie Robotik und Pflege (2019) fort.

Gegliedert ist die jüngste Stellungnahme in drei Teile. Der erste Teil behandelt technische, philosophische und methodischen Grundlage. Im zweiten Teil werden die zuvor angestellten Überlegungen auf den Feldern Medizin, schulische Bildung, Öffentliche Kommunikation und Meinungsbildung sowie Öffentlicher Verwaltung exemplarisch konkretisiert. Ein dritter Teil entfaltet relevante Querschnittsthemen und gibt übergreifende Empfehlungen.

Menschliche Entfaltung muss gefördert, statt behindert werden

Nach Ansicht des Rates reicht es für die ethische Bewertung digitaler Technologien nicht aus, sie bloß zu verstehen. In den Blick genommen gehörten auch die Wechselwirkungen mit den Personen, die sie verwendeten oder von ihrer Anwendung betroffen seien. Zentral sei dabei die Frage, welche Auswirkungen es habe, wenn Tätigkeiten, die zuvor Menschen vorbehalten waren, an Maschinen delegiert würden.

Lesen Sie auch:

„Der Einsatz von KI muss menschliche Entfaltung erweitern und darf sie nicht vermindern. KI darf den Menschen nicht ersetzen. Das sind grundlegende Regeln für die ethische Bewertung“, erklärte die Vorsitzende des Ethikrates, die Münchner Medizinethikerin Alena Buyx, bei der Vorstellung der Stellungnahme auf einer Pressekonferenz.

Menschliche Intelligenz und die Übernahme Verantwortung bleiben unersetzbar

 „Wenn menschliche Tätigkeiten an Maschinen delegiert werden, kann dies für verschiedene Personengruppen, Akteure und Betroffene ganz unterschiedliche Auswirkungen haben“, erklärte die Sprecherin der Arbeitsgruppe, Judith Simon. Die Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Universität Hamburg betonte: „Daher ist es wichtig, genau hinzuschauen, für wen dies mit erweiterten Handlungsspielräumen verbunden ist und wessen Handlungsmöglichkeiten eher vermindert werden.“

„KI-Anwendungen können menschliche Intelligenz, Verantwortung und Bewertung nicht ersetzen“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Expertengremiums und stellvertretende Sprecher der zuständigen Arbeitsgruppe, Julian Nida-Rümelin. Dieser Schluss ergebe sich aus der Betrachtung zentraler philosophischer und anthropologischer Begriffe, die für das Verhältnis von Mensch und Maschine bedeutsam seien. Als da wären: „Intelligenz, Vernunft, Handlung und Verantwortung“, so der Philosoph, der auch Direktoriumsmitglied des Bayerischen Forschungsinstituts für digitale Transformation (BIDT) ist.  DT/reh

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Ethikrat Julian Nida-Rümelin Künstliche Intelligenz Nationaler Ethikrat

Weitere Artikel

Welche Chancen und Herausforderungen entstehen durch die fortschreitende Digitalisierung? Und wie können traditionelle gesellschaftliche Werte mit den Anforderungen einer digitalen Zukunft in ...
27.10.2025, 13 Uhr
Redaktion
Die digitale Transformation hat in den vergangenen Jahren alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfasst und macht auch vor den kommunalen Verwaltungen in Bielefeld nicht halt.
10.10.2025, 10 Uhr

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting