Urteil

Johnny Depp gewinnt Prozess gegen seine Ex-Frau

Eine siebenköpfige Geschworenenjury in Virginia hat entschieden, dass Amber Heard den Ruf ihres Ex-Mannes mit einem Meinungsartikel geschädigt hatte, als sie sich als „öffentliche Person, die Opfer häuslicher Gewalt repräsentiert“ bezeichnete.
Jonny Depp gestikuliert vor Gericht nach den Schlussplädoyer
Foto: Steve Helber (AP Pool) | Johnny Depp, Schauspieler aus den USA, gestikuliert vor Gericht nach den Schlussplädoyers im Fairfax County Circuit Courthouse in Fairfax.

Am Mittwoch ging ein sechswöchiges Gerichtsverfahren zu Ende, das Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus übers Fernsehen und Internet verfolgt haben. Der berühmte Hollywood-Darsteller Johnny Depp und seine Ex-Frau, die Schauspielerin Amber Heard, hatte sich gegenseitig der körperlichen Misshandlung beschuldigt.

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Trittbrettfahrerinnen 

Besondere Brisanz besaß der Prozess in der sogenannten „Nach-#MeToo-Ära“: Im Zuge des Skandals um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, gegen den 2017 schwere Vorwürfe sexueller Belästigung am Arbeitsplatz erhoben wurden, berichteten viele Frauen, „auch ich“ (me too) sei(en) Opfer solcher Belästigungen geworden. Die Bewegung schärfte das Bewusstsein für sexuelle Gewalt in der Gesellschaft. Die Schattenseite von #MeToo: Trittbrettfahrerinnen, die unberechtigte Vorwürfe erhoben, sowie die Umkehrung der Unschuldsvermutung: Männer müssen in solchen Fällen ihre Unschuld beweisen.

Die sieben Geschworenen in Fairfax im US-Bundesstaat Virginia sahen offensichtlich im Verfahren Depp gegen Heard einen Fall unberechtigter Vorwürfe: Sie sprachen Johnny Depp 15 Millionen Dollar an Schadenersatz und Strafschadenersatz zu, wobei der Richter den Betrag auf insgesamt 10,35 Millionen Dollar begrenzte. Allerdings stellten sie ebenfalls fest, dass Amber Heard von einem der Anwälte Johnny Depps verleumdet worden sei, weswegen ihr zwei Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen wurden.

Vorwürfe bestritten

Der Prozess geht auf einen Zeitungsartikel von Amber Heard in der Meinungsseite von „The Washington Post“ vom 18. Dezember 2018 zurück. Ohne Johnny Depp namentlich zu erwähnen, war eindeutig zu verstehen, dass sich die Vorwürfe auf ihn – mit dem Heard vom Februar 2015 bis Januar 2017 verheiratet war – bezogen. Der Schauspieler verklagte sie 2019 wegen Verleumdung im Zusammenhang mit dem Artikel. 

Im Laufe des Verfahrens sagte Heard aus, dass Depp sie sexuell missbraucht und ein „Muster“ von Gewalt angewendet habe. Der Schauspieler bestritt die Anschuldigungen, er habe seine Frau wiederholt körperlich misshandelt, unter anderem durch Schläge und Kopfstöße, sowie mehrere sexuelle Übergriffe verübt.“

Berufung angekündigt

Nun haben die Geschworenen am Gericht in Fairfax folgende drei Aussagen in dem Washington-Post-Artikel als Falschaussagen festgestellt: „Ich habe mich gegen sexuelle Gewalt ausgesprochen – und den Zorn unserer Kultur auf mich gezogen“. „Ich wurde vor zwei Jahren zu einer öffentlichen Person, die Opfer häuslicher Gewalt repräsentiert“ sowie „Ich hatte die seltene Gelegenheit, in Echtzeit zu sehen, wie Institutionen Männer schützen, die des Missbrauchs beschuldigt werden.“

In einer Erklärung nach dem Urteilsspruch bedankte sich Johnny Depp bei den Geschworenen und sagte, dass sie „mir mein Leben zurückgegeben haben“. Amber Heard erklärte, sie sei „über alle Maßen“ vom Urteil enttäuscht. Eine Sprecherin kündigte an, sie wolle Berufung einlegen.

Überraschte Reaktionen

Laut Julia Jacobs und Adam Bedna in der „New York Times“ hätten mehrere Beobachter auf das Urteil mit Überraschung reagiert, auch deshalb, weil 2020 ein britisches Gericht entschieden hatte, es gebe Beweise dafür, dass Johnny Depp Amber Heard wiederholt angegriffen habe. Damals hatte der Schauspieler die britische Boulevardzeitung „The Sun“ verklagt, die ihn in einer Schlagzeile als „Frauenschläger“ bezeichnet hatte. Die Richter fanden, die Beklagten hätten nachgewiesen, dass das, was sie veröffentlicht hatten, „im Wesentlichen wahr“ gewesen sei.

Auch deshalb sowie wegen der Berufungsankündigung ist der Fall „Depp gegen Heard“ mit dem Urteil aus Fairfax noch lange nicht zu Ende.  DT/jga

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