Die alte Bundeshauptstadt, die weiter stolz den Titel „Bundesstadt“ führt, hat Probleme. Genauer gesagt: Bonn ist bankrott. In einer solchen Lage sieht das Gemeinderecht den Einstieg in ein „Haushaltssicherungskonzept“ vor. Es verlangt, dass die Stadt binnen zehn Jahren wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegt, wie auch immer das geschehen soll.
Damit steht die geschichtsträchtige Rheinmetropole nicht allein da. In diesem Jahr schaffen nur sieben von 396 Städten und Gemeinden noch einen strukturellen Haushaltsausgleich. 89 befinden sich bereits in der Haushaltssicherung.
Sind die Millionen für die Sanierung der Opernhäuser okay?
Schaut man von außen ohne falschen Eifer auf die Lage von „Bonna Perl“, dann fällt als freiwillige Leistung die Kultur ins Auge. Und die Frage muss erlaubt sein: Ist es wirklich okay, dass nach der Kostenexplosion bei der Sanierung der Beethovenhalle nun das Bonner Theater für die Oper in ähnlicher Größenordnung von etwa 250 Millionen Euro wieder auf Vordermann gebracht wird? Und dass jährlich geschätzt 30 Millionen für den Betrieb des Hauses aufgewendet werden, wo der gesamte Kulturhaushalt bei gerade mal 45 Millionen liegen soll?
Verzichtet Bonn auf ein Opernhaus samt Ensemble, könnte nebenbei auch das Beethovenorchester um ein Drittel reduziert werden: Ohnehin hat der Lokalheilige Beethoven mit „Fidelio“ nur eine Oper geschrieben. Für die Aufführung der 9. stehen genug fähige Solisten und Chöre bereit, die sich über eine Gelegenheits-Verpflichtung freuen würden.
Alle Bonner Operngänger könnte man für 1,2 bis 1,5 Millionen bequem in luxuriösen Reisebussen ins nahe Köln kutschieren, wo große Oper im für 1,4 Milliarden Euro aufwändig sanierten Haus stattfindet.
Bonn muss nicht opernfrei bleiben
Das heißt dann keinesfalls, dass Bonn opernfrei bleiben muss, im Gegenteil. Ein Beispiel: In München führt der renommierte Regisseur Dominik Wilgenbus an vier unterschiedlichen Spielstätten immer wieder originelle Opernproduktionen auf, daneben inszeniert er an bedeutenden Häusern wie in Mainz, wo gerade seine umjubelte Zauberflöte läuft.
Humperdincks „Hänsel und Gretel“ bringt er zu Weihnachten im feinen Münchner Cuvilliés-Theater auf die Bühne. Auch in Bonn sind zahlreiche originelle Spielstätten denkbar, wo mit Fantasie und in ungewöhnlicher Umgebung Oper entstehen kann, vom Schloss bis zur Fabrik, vom Stadion bis zur Kirche.
Gerade hat in Berlin der gefeierte Regisseur Barrie Kosky im alten Flughafen Tempelhof einen denkwürdigen „König Lear“ von Aribert Reimann aufgeführt. Manche Zuschauer sind nur gekommen, um in einem ehemaligen Hangar das Spektakel zu verfolgen. Auf Seebühnen, in Zelten, auf Sportplätzen und in Industriegebäuden findet Oper statt, perfekte Eventtechnik, die überall gebucht werden kann, macht‘s möglich.
Oper wird es künftig noch schwerer haben
Deutschland hat die meisten Opernhäuser weltweit. Das würde selbst dann so bleiben, wenn einige Pleitestädte einsehen, dass sie sich diese Kunstform nicht mehr leisten können oder – mit Blick auf zwingendere Aufgaben – nicht mehr leisten wollen. Die verbleibenden Opernhäuser mit festen Ensembles würden gestärkt.
Oper wird es angesichts der prognostizierten Publikumsentwicklung künftig noch schwerer haben. Fantasie und Mut aber können die Zukunft dieser wichtigen Kultursparte sichern. Wenn manche Häuser schließen müssen, ist das kein Weltuntergang. Es stärkt die verbleibenden Spielstätten und erzeugt eine Begehrlichkeit, die vielerorts längst fehlt. Ein hungriges Publikum muss wieder nach der Oper rufen – nicht die Oper nach dem fehlenden Publikum.
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