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Frischer Wind für die Gebetsstätte "Maria vom Sieg"

Ab September wird die westallgäuer Gebetsstätte "Maria vom Sieg" von der geistlichen Gemeinschaft "Familie Mariens" geleitet.
Gebetsstätte "Maria vom Sieg" in Wigratzbad

Mit der „Familie Mariens“ übernimmt ab September erstmals eine geistliche Gemeinschaft die Leitung der bekannten Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ in Wigratzbad. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe, weil ich das erste Mal hauptamtlich in einer Gebetsstätte tätig bin“, sagt Pater Florian Kerschbaumer, der künftige Direktor der Gebetsstätte Wigratzbad, gegenüber der „Tagespost“. Der 46-Jährige war bisher stellvertretender Direktor, sowie Formungsleiter des Seminars der priesterlichen Vereinigung in der „Familie Mariens“, „Werk Jesu des hohen Priesters“, in Rom. Seit 2015 leitete er außerdem Exerzitien in Deutschland, Österreich, der Schweiz, sowie in Frankreich und Spanien für Paare, Männer, Frauen und Jugendliche.

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Ein Priester und fünf Schwestern für Wigratzbad

Wigratzbad kenne er selbst erst seit kurzem: Vor acht Monaten sei er das erste Mal zu der Gebetsstätte gekommen, davor habe er den Ort nur vom Hörensagen gekannt.
Mit Pater Kerschbaumer kommen außerdem ein Kaplan und fünf apostolische Schwestern von verschiedenen Standorten der Familie Mariens nach „Maria vom Sieg“.
Eine von ihnen ist die 37-jährige Schwester Camilla. Für sie bedeutet der Umzug aus dem niederösterreichischen Hürm nach Wigratzbad eine Rückkehr in ihre Heimat. „Seit meiner Kindheit verbindet mich eine tiefe Liebe mit der Gebetstätte Wigratzbad. Da ich nicht weit von Wigratzbad zuhause war, ging ich als Kind mit meiner Familie immer wieder gern dorthin zur heiligen Messe“, erzählt sie. Ihre Aufgaben und die der anderen Schwestern würden nun den Mesnerdienst, das Schmücken der Kirche, die musikalische Gestaltung der heiligen Messen, sowie die Betreuung der Pilger umfassen. In Österreich war Schwester Camilla, die 2008 den apostolischen Schwestern beigetreten ist, mit ihren Mitschwestern in die Pfarrarbeit eingebunden.

Auch eine Schweizer Schwester zieht nun an den westallgäuer Ort. Die 43-jährige Schwester Maria Conchita ist bereits seit über 23 Jahren apostolische Schwester. In Wigratzbad war sie bisher erst einmal als Kind, doch auch ohne persönliche Verbindung blickt sie der neuen Aufgabe positiv entgegen: „In Wigratzbad wird Maria verehrt mit dem Titel ,Unbefleckte Mutter vom Sieg‘. Das freut mich, denn ich glaube an den Sieg der Gottesmutter. Mit meiner neuen Aufgabe möchte ich einfach mithelfen, dass sich dieser Sieg bald verwirklichen kann“, meint die Schwester gegenüber dieser Zeitung.

Ursprünglich eine Laienbewegung aus der Slowakei

Die Familie Mariens wurde 1968 vom slowakischen Bischof Paul Maria Hnilica ursprünglich als Laienbewegung unter dem Namen „Pro fratribus“ gegründet. Ziel des Bischofs sei es gewesen, die verfolgte Kirche in Osteuropa geistig und materiell zu unterstützen, wie es auf der Webseite der Gemeinschaft heißt. Als einige Männer und Frauen der Gemeinschaft mit dem Wunsch nach einem gottgeweihten Leben beitraten, kam es zu einer Neuausrichtung der Gemeinschaft. Heute gehören der „Familie Mariens“ Priester, Ordensschwestern und Missionsbrüder an. Heute ist die Gemeinschaft in elf Ländern weltweit tätig. Mit dem Einzug in Wigratzbad entsteht für die Gemeinschaft die zweite Missionsstätte in Deutschland. Die erste Niederlassung besteht seit 2006 in Zankenhausen im Landkreis Fürstenfeldbruck.

"Missionarisch und Ökumenisch"

Die „Familie Mariens“ bezeichnet sich selbst als „missionarisch und ökumenisch“. Alle Mitglieder der Gemeinschaft verbindet die intensive Verehrung der unbefleckten Empfängnis und die tägliche eucharistische Anbetung. Pater Kerschbaumer unterstreicht, man lege viel Wert auf das Zusammenwirken von Priestern und Schwestern nach dem Vorbild Jesu und Mariens. „Unsere Schwestern verstehen sich auch als Priestermütter, die ihr Leben und ihr Wirken ganz den Priestern zur Verfügung stellen, um für die Heiligung der Priester da zu sein und sie als Mutter zu stützen.“

Obwohl Pater Kerschbaumer sich auf seine neuen Aufgaben in der Kirchenverwaltung und Pastoral freut, stellten sie doch auch eine Herausforderung dar: „Durch die Pandemie und die Auflagen ist hier kaum noch Personal da. Man muss quasi von vorne beginnen.“ Kerschbaumer sagt zwar, dass er selbst den Ort nicht ausgewählt hätte, „aber ich möchte der Bitte des Bischofs entsprechen und alles tun, damit das geistliche Leben dieses Ortes weitergehen kann“. Das ist auch seine Vision für die Gebetsstätte: „Das ist das Hauptaugenmerk: Dass die Menschen in der aktuellen Zeit, in der so viel drunter und drüber geht und in der so viele Ängste zunehmen, in dieser Gebetsstätte ,Maria vom Sieg‘ inneren Halt finden – durch eine lebendige Gottesbeziehung und durch großes Vertrauen der Gottesmutter gegenüber.“ Ob es in Zukunft auch wieder Exerzitien gäbe, müsse erst mit dem Bischof abgesprochen werden. „Wir wollen zuerst einmal ankommen, der Nachfrage zur Spendung der Sakramente gerecht werden, und die Gebetsatmosphäre des Ortes wieder aufnehmen und vertiefen. Die eine oder andere Erneuerung wird es dann auch geben, aber dazu kann ich jetzt noch nichts sagen“, so Kerschbaumer.

Die Zeltkirche wird von der Petrusbruderschaft mitbenutzt

In Wigratzbad befindet sich neben der Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ außerdem ein Priesterseminar der Petrusbruderschaft, die die Zeltkirche mitbenutzt und dort die „alte Messe“ feiert. Das soll nun auch weiter so bleiben. „Unser Mess- und Seelsorgeangebot wird in Absprache mit dem zuständigen Bischof bis auf weiteres aufrecht erhalten“, so der Pressesprecher der Petrusbruderschaft, Markus Reiner, gegenüber der „Tagespost“. Das scheint auch im Sinne des neuen Direktors zu sein: „Ich schätze die Petrusbruderschaft und möchte auch überhaupt keine Konkurrenz in ihr sehen.“

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