Maria Vesperbild

Umbau mit Hindernissen in Maria Vesperbild

Die Renovierung der Wallfahrtskirche „Maria Vesperbild“ sollte bis zum 15. August abgeschlossen sein. Doch ein Krankheitsfall und ein Stoppsignal der Diözese verhinderten das. Eine Reportage.
Maria Vesperbild: Renovierungen verzögern sich
Foto: Veronika Wetzel | Pilgeramt am 25. Juli 2021 in Maria Vesperbild. Die Renovierungen der Wallfahrtskirche verzögern sich bis Oktober 2022.

Die Pilger tummeln sich vor der Kirche, Kinder huschen immer wieder zwischen den Besuchern durch, die Familien genießen den größeren Bewegungsfreiraum, den sie draußen haben. Trotz angekündigtem Regen haben sich gut 130 Leute vor der Wallfahrtskirche Maria Vesperbild versammelt, um das Pilgeramt per Livestream auf den Bildschirmen mitzuverfolgen. Auch die Kirche ist gut besucht – so gut es mit Gerüsten und Abstandsregelungen eben geht. Keiner der belegbaren Plätze in der Bank bleibt leer, einige Pilger stehen an der hinteren Wand. Feierliche Blasmusik tönt durch die Kirche und unterstreicht das Gefühl von neuem Aufleben.

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Die Renovierungsarbeiten laufen seit 2019

Neu aufleben soll auch die Kirche Maria Vesperbild selbst: seit 2019 laufen Renovierungsarbeiten an der Kirche. Die ersten Verschönerungen sieht man auch bereits: Die Kirche leuchtet in einem frischen Gelb, das Dach ist mit neuen Ziegeln gedeckt, das Blech des Zwiebelturmdachs schimmert in neuem Braun-violett, ein neues Kreuz blitzt von dem Turm herunter. Auch im Innenraum sind die ersten Veränderungen schon durchgeführt: Wo früher Dunkelheit über dem Hochaltar herrschte, brechen jetzt die Sonnenstrahlen durch ein weißes Ostfenster. Auch auf der Empore lassen nun rechts und links zwei große Fenster das Licht einströmen. Doch an der Wand rund um die Fenster fehlt noch der Putz, man sieht, dass das Glas erst vor kurzem eingesetzt wurde. An der hinteren Kirchenwand kommen teils die nackigen Ziegelsteine heraus. Wo später das Westportal eingesetzt werden soll, ist bisher nur ein brauner Holzkasten zu sehen. Nachdem die Türe 63 Jahre lang wegen einer Hauptstraße, die direkt an der Kirche vorbeigeführt hat, verschlossen war, sollen durch diesen Eingang nun wieder feierliche Einzüge möglich sein.

Nur eine von elf Firmen hatte Interesse, sich am Umbau zu beteiligen

Die Mutter Gottes, die rechts vor dem Altar wacht, soll prominenter platziert werden. Wo ist allerdings noch nicht klar. „Das ist alles ein Prozess und da gibt es natürlich auch verschiedene Meinungen“, stellt der Kirchenverwalter Josef Maier, der als Schreinermeister selbst an den Renovierungsarbeiten in der Kirche beteiligt ist, gegenüber der „Tagespost“ fest.
Die wohl größte Veränderung, die für den Innenraum der schwäbischen Kirche geplant ist: Der Hintergrund des Hochaltars, der bisher in jungfräulichem Weiß erstrahlt, soll eine plastische Verzierung bekommen. Rechts und links sollen Säulen den Altar umrahmen, schräg darüber werden schwebende Engel ein Tuch hinter dem Altar ausbreiten, darüber ein Kreis aus goldenen Strahlen, der das Ostfenster umrahmt.

Dabei ist es den Verantwortlichen wichtig, dass alles zusammenpasst: „Es soll alles wie aus einem Guss aussehen. Deswegen finden sich die Farben aus dem Altar dann zum Beispiel auch in der neuen Verzierung. Gleichzeitig soll der Altar nicht von dem Gnadenbild ablenken“, betont Kirchenpfleger Armin Ritter gegenüber der „Tagespost“. Ursprünglich war geplant, dass die Renovierungsarbeiten feierlich mit Mariä Himmelfahrt am 15. August abgeschlossen werden, doch dem kam einiges dazwischen: Der Auftrag für die Elektroarbeiten muss neu vergeben werden, da der Chef der ursprünglich beauftragten Firma schwer erkrankt sei, erklärt der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Erwin Reichart, gegenüber der „Tagespost“. Das stellt die Wallfahrtsdirektion vor eine Herausforderung, denn „diese Firma war die einzige von elf angeschriebenen Firmen, die Interesse hatte!“

Weniger Einnahmen durch Corona

Der zweite Grund: „Die Diözese hat die Renovierungen gebremst, weil durch Corona Einnahmen weggebrochen sind. Deswegen wurde erstmal abgewartet, wie die finanzielle Situation sich entwickelt. Hier war quasi ein halbes Jahr Stillstand. Und das hat uns natürlich total zurückgeworfen“, so Maier. Mit der Einführung von Bischof Bertram Meier als neuer Augsburger Bischof sei aber wieder Schwung in die Renovierung gekommen.

Die Finanzierung ist jedoch nach wie vor ein schwieriges Thema: Die Diözese übernimmt zwar den Großteil der angepeilten 2,7 Millionen Euro, die die Verbesserungen in etwa kosten werden, allerdings muss der Wallfahrtsort mindestens 500 000 Euro selbst tragen. Um das bewältigen zu können, hofft die Wallfahrtsdirektion auf „großzügige Spenden“. Es sind aber auch schon beachtliche Summen eingegangen: „Wir haben mehrere Spenden im fünfstelligen Bereich bekommen. Einmal auch einen Goldbarren im Wert von über 11 000 Euro“, berichtet Reichart. Außerdem seien durch Bazare schon etliche Tausend Euro zusammengekommen, der Wallfahrtschor spende seine Einnahmen seit Jahren für die Kirchenrenovierung, so Maier. Zugleich ist aber ein finanzielles Loch durch die einbrechenden Pilgerzahlen entstanden, zur Zeit des Lockdowns seien weniger als die Hälfte der Besucher zum Pilgeramt gekommen, so der Wallfahrtsdirektor. Die meisten Pilgergruppen seien ausgeblieben. Das zeigten auch die Opfergelder: „Dadurch, dass wir weniger Pilger hatten und das Opferkörbchen nicht mehr durch die Bank gewandert ist, ist gut die Hälfte der Kollektengelder weggebrochen“, ergänzt Ritter.

Keine Modernisierung geplant

Andererseits habe die Pandemie auch gewisse Vorteile mit sich gebracht: „Dadurch, dass keine Veranstaltungen mehr stattgefunden haben, sind weniger Kosten für zum Beispiel Verpflegung entstanden.“ Zusätzlich werde an jedem Rädchen gedreht, an dem sich etwas einsparen ließe: „Es wird weniger geheizt, Strom gespart und gegebenenfalls auch die Personalkosten reduziert. Also wenn wir zum Beispiel zwei Mesner haben, dann wird eine Stelle gestrichen“, so Maier. „Man spart, wo es geht.“

Ziel der Renovierung ist, dass nicht zu viel verändert wird, sondern eher einiges zu seinem ursprünglichen Zustand zurückkehrt. „Optisch haben wir uns so profiliert, dass es keine zu starken Veränderungen geben wird. Bestimmtes erhalten wir, weil es beliebt ist und viele Leute deswegen auch von weit her zu uns kommen“, betont Ritter. Darauf legt die Wallfahrtsdirektion anscheinend besonderen Wert, denn auf der Webseite von Maria Vesperbild wird explizit betont, dass es sich bei den laufenden Arbeiten um eine Renovierung, keine Modernisierung handelt. „Einzelne Pilger machten sich Sorgen über eine eventuelle „Modernisierung“ wegen der Renovierung an anderen Orten“, begründet der Wallfahrtsdirektor die Herausstellung.

Das Ende des Umbaus ist für die Kirchweih im Oktober 2022 geplant

Bei vielen Besuchern, die am Pilgeramt teilnehmen, bestehen aber keine Bedenken, dass die Kirche ihren altcharmanten Charakter verlieren könnte: „Wir sind für alles offen“, sagt eine ältere Frau lachend, die ebenso wie ihr Ehemann schon seit ihrer Jugend nach Maria Vesperbild kommt. „Wir sind sehr gläubig und die Spiritualität des Ortes gibt uns Halt. Außerdem ist die Mutter Gottes für mich sehr wichtig.“ Für die beiden hat der Wallfahrtsort eine besondere Bedeutung: „Auf die Bitte an der Mariengrotte hin, hab i meinen Schatz kennenglernt“, sagt der Mann dankbar lachend und nimmt seine Frau bei der Hand.

Auch für Jugendliche hat der Ort eine besondere Bedeutung. Die 23-jährige Maria Kling, die mit ihrer Pfadfindergruppe in der Pfarrei aktiv ist, kommt fast täglich nach Maria Vesperbild, um die heilige Messe zu besuchen. „Für mich ist das ein Ort, um aufzutanken, um Gott meine Sorgen anzuvertrauen.“ Weil die Jugendliche in der Kirche außerdem oft Orgel spiele, freue sie sich auf die Renovierung, mit der zugleich die Orgel gesäubert und gestimmt werden soll. Auch Besucher, die von weiter her kommen, freuen sich an der Renovierung. „Ich finde das gut, wenn die Kirchen renoviert werden. Wir haben so schöne Kirchen und die muss man auch in Stand halten“, meint Inge aus dem Allgäu, die den Wallfahrtsort zum dritten Mal besucht. Bis die Kirche aber wieder in vollem Glanz erstrahlt, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Trotzdem soll das geplante Fest, mit dem ursprünglich der Abschluss der Renovierung gefeiert werden sollte, zu Mariä Himmelfahrt stattfinden. Das endgültige Ende der Arbeiten wird dann aber wohl zur Kirchweih am 16. Oktober 2022 eingeläutet.

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