Chur

Bischofswahl: Churer Kapitel lehnt Liste des Papstes ab

Streit um Ausrichtung: Domherren verzichten auf Wahlrecht und spielen Ball damit zurück an Papst Franziskus.
Die Kathedrale St. Maria Himmelfahrt in Chur
Foto: Wikicommons/Christoph Wagener | Die Kathedrale St. Maria Himmelfahrt in Chur. Das Bistum wird seit Jahrzehnten von schweren internen Richtungskämpfen geprägt.

In einem präzedenzlosen Schritt hat das Churer Domkapitel heute (23. November) per Mehrheitsbeschluss die Dreierliste des Papstes abgelehnt, aus der es den künftigen Bischof der Schweizer Diözese zu wählen gehabt hätte. Damit hat das 22-köpfige Gremium erstmalig auf sein jahrhundertealtes Privileg der Bischofswahl verzichtet und dieses an Papst Franziskus zurückgegeben. Das wurde der „Tagespost“ aus gut unterrichteten Quellen bestätigt. Der Sprecher des Bistums lehnt derweil jeglichen Kommentar zu den Vorgängen ab. 

Sprecher des Bistums lehnt Kommentar ab

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Schweizer Medien zufolge war das Domkapitel mehrheitlich empört über die vom Papst vorgelegten "moderaten" Kandidaten. Dem Portal kath.ch zufolge sollen der Churer Offizial Joseph Bonnemain, der Abt von Disentis, Vigeli Monn, und der Tessiner Mauro Giuseppe Lepori, der frühere Abt von Hauterive und derzeitige Generalabt der Zisterzienser in Rom, auf der Dreierliste aus Rom gestanden haben. „Die aufgelisteten Kandidaten sollten offensichtlich dazu dienen, die bisher vom gesellschaftlichen Mainstream abweichende Stimme des Bistums Chur zum Schweigen zu bringen“, so Stimmen aus Chur gegenüber der „Tagespost“.

Anders als in den beiden anderen Deutschschweizer Bistümern Basel und Sankt Gallen hat Rom in Chur durch die Terna genannte Dreierliste nennenswerten Einfluss auf die Bischofsbestellung und damit auf die Ausrichtung des Bistums und der Schweizer Bischofskonferenz. Chur wird seit Jahrzehnten von schweren internen Richtungskämpfen zwischen weltkirchlich ausgerichteten und um Anpassung an die Gesellschaft bemühten Kräften geprägt. 

Bischofsstuhl seit Mai 2019 vakant

Der Churer Bischofsstuhl ist seit dem Rücktritt von Vitus Huonder im Mai 2019 vakant. Papst Franziskus hatte Huonders altersbedingten Rücktritt 2017 nicht angenommen sondern seine Amtszeit um zwei Jahre verlängert. Huonder verbringt seinen Ruhestand in einer Einrichtung der von Rom getrennten Piusbruderschaft, zu der er mit Wissen und im Auftrag des Papstes Kontakt halten soll. Derzeit wird die Diözese von Bischof Peter Bürcher als Apostolischem Administrator geleitet. Der Schweizer Bürcher war zuvor Bischof der isländischen Diözese Rejkjavik. 

 

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“ mehr über die kirchenpolitischen Hintergründe des Churer Bischofbebens.

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Oliver Maksan

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