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Leo XIV.: Der Löwe aus Amerika

Von wegen Richtungsstreit – Die Wahl von Leo XIV. zeigt, dass die katholische Kirche auch Einheit und Gemeinschaft kann.
Robert Francis Prevost ist Papst Leo XIV.
Foto: IMAGO/Maria Grazia Picciarella / SOPA Images (www.imago-images.de) | Über den in Chicago geborenen Amerikaner mit seinen 69 Jahren, der als Missionar und Bischof in Perus wirkte, wird sich in den kommenden Tagen viel sagen lassen.

Die Gruppen junger froher Leute, die am Donnerstagabend schließlich mit lauten „Papa Leone! – Papa Leone“-Sprechchören die Via della Conciliazione hinabzogen, nachdem sie zuvor den neuen Papst der katholischen Kirche mit Begeisterung empfangen hatten, gaben einer Freude Ausdruck, die jedes Mal die Menge auf dem Petersplatz erfasst, wenn sich „der Neue“ auf dem Stuhl Petri zeigt. Das war bei Karol Wojtyla so, bei Joseph Ratzinger, bei Jorge Mario Bergoglio – und gestern bei Robert Prevost, der sich den Namen Leo XIV. gab.

Über den in Chicago geborenen Amerikaner mit seinen 69 Jahren, der als Missionar und Bischof in Peru wirkte, wird sich in den kommenden Tagen viel sagen lassen. Schon gestern Abend waren die Gesten und Signale sehr vielsprechend – allein schon der Name! – und im Laufe des Tages wird er weitere Duftmarken setzen, etwa bei der Messe, die er mit den Kardinälen feiert.

Ein Blitz-Konklave

Aber bevor Leo XIV. uns ab jetzt sehr viel beschäftigen wird, sei eines festgehalten. Die ach so gespaltene Kirche, die oft so gescholtene Hierarchie, der nicht von Skandalen verschonte Vatikan – sie waren in der Lage, den Gläubigen und der ganzen Welt in nicht einmal 24 Stunden einen neuen Papst zu geben. Zwei Mal schwarzer Rauch – und das hat gereicht.

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Waren diese 133 Papstwähler Ausdruck einer Kirchenführung, die in sich gespalten nicht weiß, in welche Richtung es mit dem Schiffchen Petri weitergehen soll? Nein. Sie haben gezeigt, dass der Heilige Geist wirkt, dass die politische Welt zerstritten sein mag und von einem Krieg in die nächste Krise taumelt – die katholische Kirche aber auf einem Fels gegründet ist, an dem sich die Wogen brechen.

Im Zeichen der Rosenkranz-Madonna

Am Donnerstagvormittag hatte Kardinal Giovanni Battista Re, der als Kardinaldekan das Vorkonklave orchestriert hatte, im neapolitanischen Marienheiligtum Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz nach einer Freiluftmesse mit 6.000 Gläubigen noch im Messgewand und mit heftig gestikulierenden Armen einem Kamerateam ins Mikrophon diktiert, dass sich bereits „heute“ – also gestern – der neue Papst zeigen könnte. Tatsächlich. Es wurde eines der kürzesten Konklave der Kirchengeschichte. Und es begann im Zeichen des Friedens, des Friedens für alle, den Leo XIV. mit den ersten Worten seines Pontifikats auf alle herabrufen wollte.

„Gott liebt euch alle“

In diesen historischen Augenblicken des 8. Mai vor der Petrusbasilika in Rom, als „papa Leone“ vor die Masse trat, war vieles schon Programm: Der Name – Leo, der Löwe –, Mozzetta und Stola, die kluge Ansprache, die bescheidene Würde des Auftritts, der Dank an Franziskus, die Rede von der Mission, allein schon der Satz: „Gott liebt uns, Gott liebt euch alle, und das Böse wird nicht siegen! Wir sind alle in Gottes Hand“ – alles das wird in den kommenden Tagen seine Ausdeutungen finden.

Aber bevor das geschieht, ist festzuhalten: Allen Bedenkenträgern zum Trotz hat sich jetzt schon die in ihren vornehmsten Repräsentanten versammelte Kirchenführung als Gemeinschaft in Einheit erwiesen. Ein starkes Zeichen. Möge sich die Welt und manche andere christliche Konfession daran ein Beispiel nehmen.

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