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Glaubensdikasterium: „Fiducia supplicans“ vertritt klassische Lehre zu Ehe und Sexualität

In einer Klarstellung bekräftigt das Glaubensdikasterium den Inhalt von „Fiducia supplicans“ und weist Kritik zurück.
Papst Franziskus erhebt Fernández zum Kardinal.
Foto: IMAGO/Vandeville Eric/ABACA (www.imago-images.de)

Nachdem mehrere Bischofskonferenzen weltweit sich kritisch zu der Erklärung des Glaubensdikasteriums zur Segnung irregulärer Paare, „Fiducia supplicans“, geäußert und Grenzen für die eigene Seelsorge gezogen haben, hat die Vatikanbehörde unter der Leitung von Kardinal Victor Manuel Fernández am Donnerstag eine Pressemitteilung zur Rezeption des Dokuments herausgegeben.

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Darin betont das Dikasterium, dass die Kritik der Bischofskonferenzen nicht in „lehrmäßiger Opposition“ zu „Fiducia supplicans“ stehe. Das Dokument sei „klar und drückt sich in klassischer Weise zu Ehe und Sexualität aus“. Die Erklärung biete, so das Dikasterium, keinen Rahmen, um sie als „häretisch, der kirchlichen Tradition zuwiderlaufend oder blasphemisch“ zu betrachten. Laut der Pressemitteilung enthalte die Erklärung den Vorschlag einer kurzen Segnung „im Sinne pastoraler Annahme (weder liturgisch noch rituell) von Paaren in irregulären Situation (sic!) (nicht Verbindungen)“. Dabei werde betont, dass diese Segnungen die Situation an sich weder billigen noch gutheißen. Was der Unterschied zwischen Paaren in irregulärer Situation und Paaren in irregulären Verbindungen ist, geht aus dem Dokument allerdings nicht hervor. 

Segnungen, die liturgischen Feiern ähneln, weiter ausgeschlossen

Das Innovative an der Erklärung sei, so das Dikasterium, nicht die Möglichkeit der Segnung von Paaren in irregulären Beziehungen, sondern die Unterscheidung zwischen „liturgischen oder rituellen“ und „spontanen oder seelsorgerisch motivierten“ Segnungen. Dies sei ein neuer Beitrag zur pastoralen Bedeutung von Segnungen, die das klassische Verständnis erweitere. Diese „theologische Reflexion“, die sich auf die pastorale Vision von Franziskus stütze, beinhalte eine Weiterentwicklung über das hinaus, was die Kirche über Segnungen lehre. „Fiducia supplicans“ sei deshalb gewichtiger als ein „Responsum“ oder ein päpstliches Schreiben. Alle Christen müssten in der Überzeugung wachsen, dass nicht ritualisierte Segnungen keine Weihe der sie empfangenden Personen oder des Paares seien und keine Rechtfertigung für ihr Leben oder ihr Handeln darstellten.

Download: Pressemitteilung des Glaubensdikasteriums über die Rezipierung der Erklärung Fiducia supplicans.

Zum konkreten Aussehen der Segnungen erklärte das Dikasterium, dass diese sehr kurz, ohne Ritual, ohne Benediktionale und nicht in einem „wichtigen Platz im Kirchengebäude“ oder vor dem Altar stattfinden sollten. „Wenn zwei Personen gemeinsam herantreten, um einen Segen zu erbitten, bittet man einfach den Herrn um Frieden, Gesundheit und andere Güter für diese beiden Personen“, heißt es in der Mitteilung. Gleichzeitig bitte man darum, dass die Personen den Willen Gottes tun mögen. „Diese nicht ritualisierte Form der Segnung erhebt in ihrer Einfachheit und Kürze nicht den Anspruch, das zu rechtfertigen, was moralisch nicht vertretbar ist“, so das Dikasterium. Keinesfalls aber sei ein Bischof befugt, Segnungen vorzuschlagen oder zu erteilen, die einer liturgischen Feier ähneln könnten.

„Fiducia supplicans“ ist „Lehre aller Zeiten“

Das Dikasterium räumt in der Pressemitteilung ein, dass praktische Aspekte Bischöfe dazu bewegen können, mehr oder weniger Zeit für die Anwendung des Dokumentes zu nehmen. „Umsicht und Aufmerksamkeit für den kirchlichen Kontext und die örtliche Kultur können verschiedene Wege der Anwendung erlauben, aber nicht eine totale oder endgültige Verweigerung“, so das Dikasterium. An Orten, wo Homosexualität mit Gefängnis, Folter oder dem Tod geahndet wird, „versteht es sich von selbst, dass eine Segnung nicht angezeigt wäre“. Bischöfe wollten homosexuelle Menschen selbstverständlich nicht der Gewalt aussetzen. Dennoch sei es wichtig, dass die betroffenen Bischofskonferenzen für „Fiducia supplicans“ eintreten, „da diese die Lehre aller Zeiten ist.“ Darüber hinaus habe die Kirche in diesen Gebieten den pastoralen Auftrag, die Menschenwürde und die Soziallehre der Kirche zu verteidigen.

Das Dikasterium diagnostiziert, dass es an einigen Orten eine Katechese brauche, die verdeutliche, dass die Segnungen irreguläre Lebensführung nicht gutheißen, oder eine Absolution darstellen. „Wir können dem Volk Gottes helfen zu entdecken, dass diese Art von Segnungen nur einfache pastorale Mittel sind, die den Menschen helfen, ihren Glauben zu manifestieren“, so das Dikasterium. 

Das Dokument ist unterzeichnet von Glaubenspräfekt Kardinal Víctor Manuel Fernández und dem Sekretär für die doktrinäre Sektion, Monsignore Armando Matteo. DT/sdu

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