Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung In Nigeria und Pakistan

Europaparlament bringt Christenverfolgung zur Sprache

Das Europäische Parlament übt deutliche Kritik an der systematischen Diskriminierung und Gewalt gegen Christen in Nigeria und in Pakistan.
Demonstration in London gegen Christenverfolgung in Pakistan im Jahr 2023
Foto: IMAGO/Tayfun Salci (www.imago-images.de) | Demonstration in London gegen Christenverfolgung in Pakistan im Jahr 2023.

Deutliche Kritik an der systematischen Diskriminierung und Gewalt gegen Christen in Nigeria und in Pakistan hat das Europäische Parlament in der Vorwoche geäußert. Im Juni waren im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau Dutzende Christen bei einem bewaffneten Überfall auf das Dorf Kawel ermordet und weitere schwer verletzt worden. Das Europäische Parlament kritisiert nun, „dass die nigerianischen Staatsorgane trotz wiederholter Warnungen von Gemeinschaften vor Ort, Kirchen, Menschenrechtsorganisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft nicht in der Lage sind, solche Angriffe zu verhindern“ oder gefährdete christliche Gruppen zu schützen.

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Es gebe zudem keine gründlichen Untersuchungen und Strafverfolgungsmaßnahmen. Der Angriff auf das christliche Dorf Kawel folge „einem umfassenderen Gewaltmuster im Bundesstaat Plateau …, das Angriffe auf überwiegend christliche landwirtschaftliche Gemeinschaften, traditionelle Anführer, Geistliche, Schulen, medizinische Einrichtungen und Gotteshäuser einschließt“. Das Europaparlament nennt in seiner Resolution zu Nigeria zwar die vielfältigen Spannungen zwischen Viehhirten (Fulani) und Landwirten, ebenso wie die organisierte Kriminalität und die ethnischen Konflikte, verkennt aber nicht, dass sich die Lage der Christen im Norden Nigerias wie in Zentralnigeria laufend verschlechtert.

Christen weltweit die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft

Ausdrücklich heißt es in dem verabschiedeten Text, „dass Christen weltweit die am stärksten verfolgte Religionsgemeinschaft sind und dass die Tatsache, dass nicht gegen diese Verfolgung vorgegangen wird, den Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit aushöhlt“. Alarmiert zeigt sich das Europäische Parlament von der wachsenden Zahl gezielter Entführungen und Verschleppungen von Frauen und Mädchen in Nigeria. Die Regierung müsse der bestehenden „Kultur der Straflosigkeit“ ein Ende setzen, Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung ausweiten und den Zivilschutz stärken.

Auch mit der bedrängten Lage der religiösen Minderheiten in Pakistan hat sich das Europäische Parlament in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause befasst. Christen gehörten „in Pakistan zu den am stärksten verfolgten Religionsgemeinschaften“, heißt es in einer Resolution, die sich gegen die Entführung, Zwangskonvertierung und Kinderehe von unmündigen Mädchen wendet. Anlass war der Fall der 13-jährigen Christin Maria Shahbaz aus Lahore, die zunächst entführt und gezwungen wurde, zum Islam zu konvertieren, um dann ihren Entführer zu heiraten. Es gebe, so kritisiert das Europaparlament, „in Pakistan ein anhaltendes und gut dokumentiertes Muster der Entführung, Zwangskonvertierung und Zwangsheirat minderjähriger Mädchen, die hinduistischen, christlichen und anderen religiösen Minderheiten angehören“.

Zudem seien religiöse Minderheiten willkürlichen Inhaftierungen, Schikanen, Entführungen und dem Missbrauch von Gesetzen über Blasphemie und Terrorismusbekämpfung ausgesetzt. Das Europaparlament fordert die Regierung von Pakistan auf, dafür zu sorgen, „dass alle Fälle, die Minderjährige betreffen oder in denen Vorwürfe der Ausübung von Zwang erhoben werden, transparent und unabhängig untersucht werden“. Täter müssten wirksam verfolgt und entführte Mädchen zu ihren Familien zurückgebracht werden. Ausdrücklich verurteilt das Europäische Parlament „die systematische Verfolgung von Christen in Pakistan“. Die christliche Gemeinschaft sei mit Diskriminierung, Gewalt und Einschüchterung konfrontiert. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssten die Themen Zwangskonvertierung und Zwangsheirat sowie den Schutz von religiösen Minderheiten in ihren Dialogen mit Pakistan zur Sprache bringen.

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