Vier Tage zu Fuß, rund 120 Kilometer, drei Rosenkränze am Tag, die Heilige Messe im überlieferten Römischen Ritus und schließlich das Ziel: Kevelaer. Was zunächst wie eine große körperliche Herausforderung klingt, wurde für die Pilger zu weit mehr als einer Wanderung. Es wurde zu einem Weg des Glaubens, des Gebetes und der Gemeinschaft – und für viele auch zu einem Weg, der tief ins eigene Herz führte. Begleitet von der Priesterbruderschaft St. Petrus machten sich die Pilger von Köln auf den Weg zur Gottesmutter nach Kevelaer. Menschen unterschiedlichen Alters und mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten gingen gemeinsam dieselbe Strecke. Sie trugen persönliche Sorgen, Hoffnungen, Bitten und ihren Dank mit sich. Jeder hatte seine eigenen Gründe, diese Wallfahrt anzutreten. Doch alle waren auf dasselbe Ziel ausgerichtet: auf Christus.
Einfachheit wurde zu einem Teil der gemeinsamen Erfahrung. Man teilte Mahlzeiten, Pausen, Gespräche und die Müdigkeit miteinander. Menschen, die sich am Anfang noch fremd waren, kamen ins Gespräch. Freundschaften entstanden. Jugendliche, junge Erwachsene, Familien und ältere Menschen gingen Seite an Seite. Mit jedem Tag wurde deutlicher: Aus einer Gruppe einzelner Pilger war eine Gemeinschaft geworden. Jeder trug seine eigene Geschichte. Manche gingen mit einer Sorge im Herzen, andere mit einer konkreten Bitte oder einem besonderen Dank. Doch auf dem Weg rückten diese persönlichen Geschichten näher zusammen. Die Pilger erlebten, dass sie ihre Lasten nicht allein tragen mussten. Zum festen geistlichen Rhythmus gehörten täglich drei Rosenkränze. Während die Füße weitergingen, wurden die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachtet und Maria um ihre Fürsprache angerufen.
Keine künstliche Freude
Denn das eigentliche Ziel der Wallfahrt war nicht nur Kevelaer. Das eigentliche Ziel war Christus. Besonders beeindruckend waren die Pfadfinder, die aus verschiedenen Teilen Deutschlands an der Wallfahrt teilnahmen. Ihre Energie und Lebensfreude waren auffällig. Gitarren wurden gespielt, geistliche Lieder gesungen und Gespräche geführt. Gerade in den Abendstunden, wenn viele Pilger nach einem langen Tag erschöpft waren, schienen die Jugendlichen noch einmal neue Kraft zu bekommen. Für mich wurde das zu einem besonderen Zeugnis. Wenn die letzten Kilometer eines Tages begannen und die eigenen Füße kaum noch weitergehen wollten, genügte manchmal ein Blick zu ihnen. Während man selbst jeden Schritt spürte, sprangen sie, sangen und lachten, als hätte die Wallfahrt gerade erst begonnen.
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort in der Freude, die entsteht, wenn junge Menschen ihren Glauben gemeinsam leben. Es war keine künstliche oder aufgesetzte Freude. Sie wirkte echt und war ansteckend. Gerade in einer Zeit, in der junge Menschen ihren katholischen Glauben nicht immer selbstverständlich öffentlich zeigen, war es beeindruckend zu erleben, wie selbstverständlich diese Jugendlichen beteten, sangen und Gemeinschaft lebten. Sie machten sichtbar: Der katholische Glaube kann jung sein. Er kann Freude schenken. Er kann Menschen verbinden. Und er kann eine Kraft entwickeln, die andere mitnimmt.
Doch nicht nur die Jugend hinterließ einen bleibenden Eindruck. Auch eine ältere Pilgerin wurde für mich zu einem starken Zeugnis. Sie befand sich bereits im Rentenalter und begleitete die Wallfahrt dennoch mit ihren Wanderstöcken. Schritt für Schritt ging sie gemeinsam mit den jungen Pilgern.
Ihr Anblick brachte mich zum Nachdenken. Man konnte etwas von einer tiefen Liebe zu Jesus Christus erkennen. Sie ging diesen Weg nicht, weil er bequem war. Sie ging ihn aus Liebe.
Der Autor, 20 Jahre alt, arbeitet als Medizinischer Fachangestellter. Er engagiert sich im Pfarrgemeinderat in Jossgrund.
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