Vor Kurzem besuchte ich mein zehnjähriges Abiturtreffen. Wir alle waren Schüler eines katholischen Gymnasiums. Im Laufe des Abends kam die Frage auf, wer denn eigentlich noch Mitglied in der Kirche sei. Es waren nicht viele. Nicht wenige sind in den letzten Jahren ausgetreten: Die Zahlung von Kirchensteuern dürfte dafür oft der Anlass gewesen sein, aber womöglich nicht die tiefer liegende Ursache. Als entschuldigendes Argument wurde dann oft die Begründung angeführt, man könne christliche Werte ja auch vertreten und leben, ohne Mitglied der Kirche zu sein. Ist das möglich und konsequent?
Auf das Christusbekenntnis des Petrus gegenüber Jesus antwortet Jesus mit den Worten: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein.“ (Mt 16,18f.). Dies steht im Zusammenhang mit dem Auftrag Jesu an Petrus, seine Schafe beziehungsweise seine Lämmer zu weiden (Joh 21,15 ff.).Das Wirken der Kirche in der Nachfolge Christi zeigt sich darüber hinaus in den Sakramenten, die sich aus dem Handeln und Auftrag Jesu ableiten.
Nur dann bleibt der Glaube lebendig
Nur wenn man selbst regelmäßig die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung empfängt, bleibt der persönliche Glaube lebendig. Das folgt bereits aus dem sonntäglichen Messbesuch, wodurch der Glaube eine gewisse Ordnung und Form erhält. Auch für das Erziehen der Kinder sind Sakramente relevant. Nur durch konkrete Berührungspunkte mit der Kirche wie durch Taufe, Erstkommunion und Firmung besteht eine gewisse Chance, dass die Kinder den Glauben auch für sich annehmen.
Die Notwendigkeit der kirchlichen Gemeinschaft zeigt sich auch durch einen Vergleich mit dem Protestantismus oder anderen Religionen. Es zeichnet uns als Katholiken aus, dass wir mit dem Bischof von Rom verbunden sind, welcher die Heilige Schrift und den Glauben für uns verbindlich auslegt.
Das Lehramt soll das Gewissen jedes Gläubigen mitprägen
Das kirchliche Lehramt stellt somit eine Instanz dar, welche das Gewissen jedes Gläubigen mitprägen und vor allzu beliebigen, falschen und individuellen Interpretationen des christlichen Glaubens bewahren sollte. Ohne die Mitgliedschaft in der Kirche läuft ein Mensch Gefahr, den Glauben für sich subjektiv in einer Art und Weise auszulegen, wie es ihm gerade günstig erscheint. Die Kirche hingegen sollte ein Ort sein, an dem auch einmal unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden, die einen intellektuell herausfordern.
Schließlich ist die Kirche und jede Kirchengemeinde ein besonderer Ort des sozialen und gesellschaftlichen Zusammenlebens. Gerade in einer Gesellschaft, die immer weniger verbindende Orte über die verschiedenen sozioökonomischen Hintergründe hinweg aufweist, ist die Kirchengemeinde ein Ort, der Menschen unterschiedlicher Couleur mit einem Ziel verbindet: Christus nachfolgen.
Der Autor, 28 Jahre alt, ist Rechtsreferendar in München
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