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Weihbischof Andreas Laun: Der Streitbare schweigt nicht zu den Tabus der Zeit

Als Heiligenkreuzer Professor und Salzburger Weihbischof emeritiert, macht Andreas Laun als Lebensschützer weiter. Von Stephan Baier
Weihbischof Andreas Laun

Andreas Laun ist ein streitbarer Bischof. Aber nicht, weil er den Streit sucht, sondern weil er ihm nicht ausweicht. Insbesondere dann, wenn die Tabus unserer Zeit einen Mangel an belastbaren Argumenten zu überdecken versuchen.

Die Abtreibung, die Gender-Ideologie, die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe und der demografische Niedergang Europas sind die exponiertesten Beispiele dafür: In all diesen Fragen gehört der Salzburger Weihbischof, der am Freitag in Fatima seinen 75. Geburtstag feierte, während der Papst in Rom seinen altersbedingten Rücktritt annahm, nicht zu jenen, denen es opportun scheint, vorsichtig zu schweigen oder vorsichtig zu formulieren. Lieber bezieht er klar und deutlich, auch laut und vernehmbar Position – und wartet dann, ob die Gegenseite Argumente beibringen kann, die Gewicht haben. Schrille Polemik allein hat ihn noch nie beeindruckt.

Wider den anhaltenden Sturm der Empörung, den die Enzyklika „Humanae vitae“ von Papst Paul VI. einst auslöste, verteidigte der Moraltheologe und spätere Weihbischof Laun das päpstliche Nein zur Verhütung: „Der Eingriff in das Zeugungsgeschehen wird nicht abgelehnt, weil er künstlich ist, sondern weil er das, was zusammengehört, künstlich auseinanderreißt, nämlich die wunderbare Einheit von Liebe und Zeugung“, schrieb er in seinem Buch „Liebe und Partnerschaft“, das zum Bestseller wurde.

„Wenn man die Sprache des Leibes wirklich ernst nimmt, dann muss man zugeben: die Verhütungstechniken sind nicht nur ein Nein zur Möglichkeit einer Zeugung, sondern sie stehen auch im Widerspruch zur körperlichen Liebe, die sie angeblich erst ermöglichen.“

Der Protest gegen Abtreibung wurde fürWeihbischof Andreas Laun zum Lebensthema

Zum Lebensthema wurde für Andreas Laun der Protest gegen die Abtreibung. Für den Schutz des ungeborenen Lebens verfasste er nicht nur zahlreiche Schriften und hielt unzählige Vorträge. Er reihte sich auch in Demonstrationen der „Jugend für das Leben“ ein, vor allem dann, wenn mit Gegendemonstrationen und Übergriffen radikaler Abtreibungsbefürworter zu rechnen war. Laun wurde nicht müde, zu betonen, dass es die Aufgabe des Staates ist, das Leben aller Menschen unter den Schutz des Rechts zu stellen, und dass die Ungeborenen davon nicht willkürlich ausgenommen werden dürfen. Die Rolle der Kirche beschrieb er in diesem Kontext so:

„Auch wenn sich die Gegner vorläufig immer nur die Ohren zuhalten, wie die Leute bei der Steinigung des Stephanus, die Kirche muss, gelegen oder ungelegen, die Wahrheit sagen.“

Doch die Gegner hielten sich nicht nur die Ohren zu, sondern attackierten Laun – zwar nicht lebensbedrohlich, wie bei der Steinigung des Stephanus, jedoch mit der Bereitschaft zum Rufmord. Abtreibungsbefürworter, hauptberufliche Homosexuellen-Lobbyisten, Gender-Ideologen und Linkskatholiken gerieten über Laun immer wieder in Rage, wussten mediale Attacken gegen ihn zu reiten und ihn öffentlich zu diffamieren. Zuletzt wollten drei SPD-Abgeordnete sogar strafrechtlich gegen Launs Wortmeldungen vorgehen. Irritiert und frustriert hat Bischof Laun anderes, wie er jüngst im Salzburger „Rupertusblatt“ bekannte: „Wirklich traurig bin ich über jene Niederlagen, die mir Leute der eigenen Kirche beigebracht haben.“ Selbst mit seiner Kritik an der Fristenregelung sei er auf Widerspruch in Kirchenkreisen gestoßen.

Starker Gegenwind

Gegenwind blies Laun auch bei Positionierungen zur Homosexualität ins Gesicht: „Ein gewisser Prozentsatz von Homosexuellen kann, wenn sie selbst wollen, geheilt werden“, formulierte der Weihbischof unerschrocken. Und weiter: „Die Neigung ist ein Faktum, das als solches außerhalb der Verantwortung des Betroffenen liegt und daher keine Sünde sein kann, aber homosexuelle Akte sind objektiv eine Sünde.“ Eine Fachtagung in Salzburg, die Laun in diesem Sinn organisierte, genügte, um ihn in der medialen Öffentlichkeit zu brandmarken.

Zu einem Herzensprojekt wurde für den emsigen Arbeiter eine Religionsbuchreihe, zunächst wohl entstanden aus Ärger über das bestehende Sortiment, dann aber zu einer profunden katechetischen Reihe gereift. Laun wollte Religionsbücher, in denen „die Lehre Christi ohne Zutaten und ohne Abstriche des Kleinglaubens dargelegt wird“, wie er im Vorwort zum ersten Band schreibt. Seine Religionsbücher wurden vielfach übersetzt und mit Preisen ausgezeichnet, doch in die Klassenzimmer Österreichs drangen sie ob des binnenkirchlichen Widerstands nicht vor. Weniger bekannt ist Launs stetes Eintreten für das jüdisch-christliche Gespräch und sein Engagement für Glaubens- und Gewissensfreiheit.

„Der Bischof soll mit der Mitra auf dem Kopf niemals Privatmeinungen von sich geben, sondern spüren lassen, dass er sich dem Wort Gottes unterordnet“

 

Der Werdegang

Andreas Laun wurde am 13. Oktober 1942 in Wien geboren, wuchs allerdings in Salzburg auf. Dort besuchte er die Volksschule, das katholische Gymnasium und schließlich ab 1960 als Philosophie-Student die Philosophisch-Theologische Hochschule. 1962 trat er bei den Oblaten des heiligen Franz von Sales ein, absolvierte Noviziat und Studium in Eichstätt, setzte dann seine Studien der Theologie parallel zu einem Französisch-Studium im schweizerischen Fribourg fort. 1967 zum Priester geweiht, wirkte er einige Jahre als Kaplan und Religionslehrer in Wien. 1973 reichte er in Fribourg seine Dissertation über die „naturrechtliche Begründung der Ethik in der neueren katholischen Moraltheologie“ ein.

Die Zeit als Professor

1981 habilitierte sich Laun als Dozent für Moraltheologie an der Universität Wien mit einer Arbeit über den „Liebesbegriff des heiligen Franz von Sales und sein Verständnis der zwischenmenschlichen Beziehungen“. Ab dem gleichen Jahr lehrte er Moraltheologie an der damals noch beschaulich kleinen, heute auf mehr als 300 Hörer angewachsenen Hochschule in Heiligenkreuz – eine Lehrtätigkeit, die er zwar einige Jahre unterbrach, aber final erst in diesem Jahr aufgab.

Fünf Jahre war Laun Professor für Moraltheologie an der Ordenshochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern. Parallel dazu einige Jahre Rektor des Salesianums in Eichstätt. 1987 kehrte er nach Wien zurück: als Seelsorger, Professor und Generalsekretär der Wiener Katholischen Akademie. 1993 vertrat er die Österreichische Bischofskonferenz bei der Weltbevölkerungskonferenz in Kairo.

1995 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn auf Wunsch von Erzbischof Georg Eder zum Weihbischof in Salzburg. „Scio cui credidi“ (ich weiß, wem ich geglaubt habe) wählte er sich zum bischöflichen Leitwort. Damals schrieb er, der Bischof solle mit der Mitra auf dem Kopf „niemals Privatmeinungen von sich geben, sondern spüren lassen, dass er sich dem Wort Gottes unterordnet, und zwar ohne etwas wegzulassen und ohne etwas hinzuzufügen“.

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Kirche

Wie in vielen Pfarreien der Alltag die Sphäre des Sakralen absorbiert. Ein Spottwort von vor 30 Jahren wird heute von der Wirklichkeit überholt. 
16.04.2024, 19 Uhr
Gerd Neuhaus