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Katholische Theologie: Papst fordert mehr Islamkenntnis

Papst Franziskus fordert mehr jüdische und islamische Elemente im katholischen Theologiestudium.
Papst Franziskus bei Generalaudienz
Foto: Andrew Medichini (AP) | Papst Franziskus bei seiner Generalaudienz am 19.06.2019 auf dem Petersplatz.

Studentinnen und Studenten der katholischen Theologie müssten zum Dialog mit den anderen Religionen erzogen werden, um eine Gesellschaft aufbauen zu können, die Verschiedenheit wertschätze, sagte er am Freitag in Neapel. Namentlich in den Muslimen gelte es, „Partner für den Aufbau eines friedlichen Zusammenlebens“ zu sehen. Allgemein mahnte Franziskus zu einer „Theologie der Offenheit und des Dialogs“. er sprach bei einer Tagung der Päpstlichen Theologischen Fakultät für Süditalien.

Kursangebote in arabischer und jüdischer Sprache

Der Papst ermutigte katholische Hochschulen zu Kursangeboten in arabischer und jüdischer Sprache und Kultur sowie zur Förderung des Kennenlernens von christlichen, jüdischen und muslimischen Studenten. Angehende katholische Theologen müssten gemeinsame Wurzeln und Unterschiede der religiösen Identitäten verstehen lernen. Der Ruf zu Partnerschaft mit Muslimen gelte auch, „wenn sich aufgrund fanatischer und dialogfeindlicher Gruppen bestürzende Vorfälle ereignen“, sagte er mit Verweis auf die Anschläge in Sri Lanka an Ostern.

Dialog der Kulturen und Religionen

Dialog mit anderen Kulturen und Religionen sei „vor allem eine Methode der Unterscheidung und der Verkündigung des Wortes der Liebe, die an jeden Menschen gerichtet ist“, so der Papst. Einem Geist der Eroberung, der Abwerbung Andersgläubiger und einer aggressiven Widerlegung erteilte er eine Absage. Eine evangeliumsgemäße Haltung schließe selbst die Bereitschaft zur Lebenshingabe ein. Franziskus erinnerte an die in Algerien ermordeten Trappistenmönche von Tibhirine und an den US-Bürgerrechtler Martin Luther King.

Papst Franziskus: Kritik an Zwangstaufen

Kritisch äußerte sich der Papst über die frühere Praxis von Zwangstaufen. „Völker, die sich christlich nannten“, hätten aggressive und kriegerische Haltungen an den Tag gelegt. Dabei erinnerte er auch an Kolonialismus und an „Verfolgungen, die im Namen der Religion oder einer angeblichen Reinheit von Rasse oder Lehre verübt wurden“. Der Mittelmeerraum sei von seinen naturräumlichen Gegebenheiten her „offen für Begegnung, Dialog und gegenseitige Inkulturation“, so Franziskus. Die theologischen Fakultäten warnte er vor Selbstbezogenheit und Betriebsblindheit. Theologen müssten „Männer und Frauen des Mitleids“ sein, die sich von sozialer Not und Ungerechtigkeit anrühren lassen müssten. Ohne dies verlöre die Theologie „nicht nur die Seele, sondern auch das Erkenntnisvermögen und die Fähigkeit, die Wirklichkeit christlich zu deuten“, so der Papst.

Tagung zur Theologie im Mittelmeerraum

Thema der zweitägigen Veranstaltung am Donnerstag und Freitag war die Theologie im Mittelmeerraum nach der Reform der katholischen Universitäten und Fakultäten durch den Erlass „Veritatis gaudium“ im Januar 2018. Die Päpstliche Theologische Fakultät für Süditalien in Neapel wurde 1969 gegründet. Sie wird betrieben vom Erzbistum Neapel und dem Jesuitenorden. Angeschlossen sind Studieneinrichtungen im kalabrischen Catanzaro sowie in Potenza, Salerno, Reggio Calabria und Cosenza.

KNA / DT (jobo)

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