Münster

Universität Münster stärkt Lebensschützer Cullen den Rücken

Die Positionen des Mediziners seien von der Meinungsfreiheit gedeckt, erklärt die Medizinische Fakultät. Paul Cullen zeigt sich erleichtert, denn zwei studentische Gruppierungen forderten seinen Rauswurf. Andere Studenten sehen mit der Entscheidung die Wissenschaftsfreiheit gestärkt.
Prof. Paul Cullen
Foto: privat | Studenten der Universität Münster forderten die Entlassung des Mediziners und Lebensschützers Paul Cullen.

Die Medizinische Fakultät der Universität Münster hat mit Verweis auf die Meinungsäußerungsfreiheit und die freiheitlich-demokratische Grundordnung die Forderung nach Aberkennung des Lehrauftrags des Mediziners Paul Cullen als „Außerplanmäßigem Professor“ zurückgewiesen.

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Cullen, der auch Vorsitzender der „Ärzte für das Leben“ ist, wurde vom „Allgemeinen Studentenausschuss“ (AStA) und der Gruppe „Kritischer Mediziner Münster“ vorgeworfen außerhalb seiner Lehrveranstaltungen an der Fakultät zum Thema Schwangerschaftsabbruch, Corona-Impfung oder zur Positionierung des Vereins „Ärzte für das Leben“ Positionen zu vertreten, die mit seinem Lehrauftrag an der Westfälischen Wilhelmsuniversität unvereinbar seien.

Streit der Meinungen statt rechtlicher Sanktion

Die Fakultät hält nun fest, dass die Argumentationsweisen und Positionen Cullens von der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit gedeckt seien. Demnach sei das „von der Rechtsordnung vorgesehene Mittel der Reaktion auf kontroverse Meinungen“ das des „gesellschaftlichen Diskurses und des Streits der Meinungen und nicht die rechtliche Sanktion“, so die Medizinische Fakultät heute in einer Stellungnahme. Dieser Grundsatz gelte auch für eine „große Bandbreite von Äußerungen einschließlich solcher Beiträge, die sich einer tendenziösen Gedankenführung und fragwürdigen Wortwahl bedienten“.

Voraussetzung für eine Aberkennung des Lehrauftrags sei wissenschaftliches Fehlverhalten, „zum Beispiel eine erhebliche, fahrlässige oder vorsätzliche Falschdarstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse“. Dies sei jedoch im Fall Cullens ist nicht gegeben. Ebenso lasse Cullen seine privaten Ansichten nicht in unzulässiger Weise in seine Lehre einfließen. Damit seien die Meinungen und Argumente von Prof. Cullen Gegenstand kritischer Diskurse in Fachkreisen und Gesellschaft. Dennoch begrüße die Fakultät die „kritische Auseinandersetzung mit den Äußerungen von Prof. Cullen“, wie es weiter hieß.

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Cullen: 'Cancel Culture' klar widersprochen

Der „Tagespost“ sagte Cullen, dass es ihn sehr freue, dass die Fakultät die Prinzipien von „Vielfalt, Offenheit, Meinungsfreiheit, freiheitlich-demokratische Grundordnung“ heranziehe, „um der Forderung des AStA nach meiner Entlassung und damit der an Universitäten grassierenden ‚Cancel Culture‘ klar zu widersprechen.“ Er stehe weiter jedem für einen wissenschaftlichen Diskurs über seine Meinungen zur Verfügung, so auch dem AStA, „der gar nicht diskutieren, sondern andere Meinungen lieber von der Uni verbannen“ wolle. In seinen Vorlesung werde es „allerdings auch weiterhin nicht um Lebensrechtsfragen gehen, sondern wie bisher um Diabetes mellitus und Fettstoffwechsel“, sagte Cullen weiter. 

RCDS-Vertreter zeigt sich erleichtert

Unterdessen äußerte sich auch Matthias Lehmann vom Münsteraner Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) gegenüber der „Tagespost“. Lehmann zeigt sich erleichtert, dass die Universität klar gestellt habe, dass sie ein „Ort des offenen Diskurses und der freien Meinungsäußerung“ bleibe. Die Professoren und Dozenten müssten damit nicht fürchten „außerhalb der Universität ihre Meinung zu äußern und gleichzeitig berufliche Konsequenzen zu erfahren.“

Der AStA solle "zukünftig zweimal nachdenken, wenn er Toleranz und Vielfalt fordert, aber selber Menschen diese nicht einräumen will, die nicht auf der selben politischen Linie sind. Nicht jede Meinungsäußerung kann verboten werden, nur weil es nicht in das Weltbild des linken AStA’s passt", so der Vertreter des RCDS im Studentenparlament weiter.  Wissenschaftlicher Diskurs funktioniere eben nicht durch Entlassungen von Professoren, sondern durch Diskussionen: "Von angehenden Akademikern kann man erwarten einen solchen offenen Diskurs zu führen", sagte Lehmann weiter.  DT/ska

 

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José García
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