Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Tillschneider hatte beim Gedenken nichts verloren

Hans Thomas Tillschneider hat den politischen Charakter des Anschlags von Halle bestritten. Dass jüdische Studenten ihn nicht in der Synagoge dulden wollten, ist nur konsequent.
AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider
Foto: IMAGO / Steffen Schellhorn | Dem Landtagvizepräsidenten in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider (AfD), wird der Zutritt zur Synagoge in Halle versperrt .

Vertreter der jüdischen Studierendenunion haben den AfD-Politiker Hans Thomas Tillschneider daran gehindert, an einer Gedenkveranstaltung in der Synagoge von Halle teilzunehmen. Tillschneider hatte an der Veranstaltung als Vertreter von Landtagspräsident Tobias Rausch teilnehmen wollen, der ebenfalls der AfD angehört. Ihr Protest war gut begründet.

Lesen Sie auch:

Tillschneider hat im Oktober 2020 in einer Rede im Landtag von Sachsen-Anhalt den Anschlag als Tat eines isolierten, geistig verwirrten Einzeltäters bezeichnet. Tillschneider sagte wörtlich: „Ich lege darum Wert auf die Feststellung, dass seine Tat keine politische Tat war.“ Der AfD-Politiker beklagte stattdessen, dass auf den „Amoklauf“ des Täters ein „Amoklauf der politisch-medialen Meute“ gefolgt sei, die alles darangesetzt habe, das Ereignis „gegen die patriotische Opposition in diesem Land zu verwenden“. 

Tillschneider hat seine Einschätzung der Tat nicht revidiert

Zu einer völlig anderen Einschätzung kam der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Naumburg. Im Strafprozess gegen den Täter bezeichnete das Gericht die rechtsextremistische Gesinnung des Täters als Motivation für den Anschlag: Kern dieser Gesinnung sei sein Hass auf Juden, Muslime, Ausländer und politisch Andersdenkende sowie seine Verschwörungsvorstellungen vom „Großen Austausch“ und einer „jüdischen Weltverschwörung“. Mit seiner Tat habe er die Juden treffen wollen, die er als „Wurzel allen Übels“ angesehen habe. 

Tillschneider hat seine Einschätzung der Tat nicht revidiert. Dass es Juden unerträglich finden, dass ein Politiker, der den politischen – rechtsextremen und antisemitischen – Charakter der Tat leugnet, bei einer Gedenkveranstaltung als offizieller Repräsentant des Landtags auftritt, ist mehr als nachvollziehbar.

Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.

Themen & Autoren
Benjamin Leven Alternative für Deutschland Antisemitismus Synagogen

Weitere Artikel

Die Hauptstadt Niedersachsens gilt nicht als Touristenmagnet. Dennoch gibt es in der Stadt Schönes zu entdecken, etwa die „Blaue Synagoge“.
30.08.2026, 19 Uhr
Julian Marius Plutz
Die Linkspartei strebt professionell Regierungsmacht an. Fünf Köpfe, die für die Linke wichtig sind.
08.10.2026, 15 Uhr
Sebastian Sasse
Die SPD will mit der Linkspartei in Berlin verhandeln. Das könnte Folgen für das Verhalten der CDU gegenüber der AfD haben.
30.09.2026, 17 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Das Bischofstreffen in Rom zur Familienpastoral stößt auf wenig Interesse bei den Medien. Grund ist die Art und Weise, wie die Versammlung gelenkt und gesteuert wird.
10.10.2026, 12 Uhr
Guido Horst
Papstjubel und Protestwut: Hunderttausende Franzosen gingen zuletzt aus verschiedenen Gründen auf die Straßen. Eins hat sie dennoch vereint.
09.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer
Johannes Zehe, früher Geiger und seit 2023 Regens für die Priesterausbildung im Erzbistum, wird an diesem Samstag im Mariendom zum Bischof geweiht.
09.10.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt