Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Friedensimpulse des Papstes (18)

„Brecht nicht die Brücken ab“

Leo XIV. bittet darum, nicht auf Vorwürfen zu beharren, sondern zuzuhören und sich mit den Argumenten anderer auseinanderzusetzen. Wir veröffentlichen eine Reihe seiner deutlichsten Appelle.
Papst Leo in seiner Botschaft zum 59. Weltfriedenstag, 1. Januar 2026
Foto: IMAGO/ALESSIA GIULIANI (www.imago-images.de) | Papst Leo in seiner Botschaft zum 59. Weltfriedenstag, 1. Januar 2026.

Im Laufe des Jahres 2024 stiegen die weltweiten Militärausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 9,4 Prozent und bestätigten damit die seit zehn Jahren anhaltende Tendenz. Sie erreichten einen Wert von 2.718 Milliarden Dollar, was 2,5 Prozent des weltweiten BIP entspricht. Darüber hinaus scheint man heute auf die neuen Herausforderungen nicht allein mit enormen wirtschaftlichen Anstrengungen zur Aufrüstung zu reagieren, sondern auch mit einer Neuausrichtung der Bildungspolitik: Statt einer Kultur der Erinnerung, die das im 20. Jahrhundert gewonnene Problembewusstsein bewahrt und die Millionen Opfer jenes Jahrhunderts nicht vergisst, werden Kommunikationskampagnen und Bildungsprogramme in Schulen und Universitäten sowie in den Medien vorangetrieben, die Bedrohungswahrnehmungen verbreiten und eine rein militärisch geprägte Vorstellung von Verteidigung und Sicherheit vermitteln.

Lesen Sie auch:

Doch „wer den Frieden wirklich liebt, liebt auch dessen Gegner“. So empfahl der heilige Augustinus, keine Brücken abzubrechen und nicht auf Vorwürfen zu beharren, sondern lieber zuzuhören und sich, soweit möglich, mit den Argumenten anderer auseinanderzusetzen. Vor 60 Jahren endete das Zweite Vatikanische Konzil in dem Bewusstsein der Dringlichkeit eines Dialogs zwischen der Kirche und der Welt von heute.

Insbesondere die Konstitution „Gaudium et spes“ lenkte die Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der Kriegführung: „Die besondere Gefahr des modernen Krieges besteht darin, dass er sozusagen denen, die im Besitz neuerer wissenschaftlicher Waffen sind, die Gelegenheit schafft, solche Verbrechen zu begehen, und in einer Art unerbittlicher Verstrickung den Willen des Menschen zu den fürchterlichsten Entschlüssen treiben kann. Damit in Zukunft so etwas nie geschieht, beschwören die versammelten Bischöfe des ganzen Erdkreises alle, insbesondere die Regierenden und die militärischen Befehlshaber, sich jederzeit der großen Verantwortung bewusst zu sein, die sie vor Gott und der ganzen Menschheit tragen.“ (80) 


Papst Leo in seiner Botschaft zum 59. Weltfriedenstag, 1. Januar 2026

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Redaktion Leo XIV.

Weitere Artikel

Bei ihnen fand auch der spätere Papst Johannes Paul II. eine geistliche Heimat. Die neuen Seligen aus den Reihen der Salesianer Don Boscos.
21.07.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Regieren kann man lernen: Wie Thomas von Aquin gegen den übergriffigen Staat argumentiert.
20.07.2026, 07 Uhr
Manfred Gerwing
Konferenz in Castel Gandolfo: Nobelpreisträger, Politiker und Religionsvertreter machen sich für internationale Regeln für KI stark und betonen die Verantwortung des Menschen.
17.07.2026, 14 Uhr
Meldung

Kirche

Die Kunst der lässigen Beschäftigung ist gar nicht so einfach zu erlernen. Ausgewogenheit ist wichtig.
21.07.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok
Gott ist kein Relativist, aber er hat Geduld. Zu den Lesungen des 16. Sonntags im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A).
18.07.2026, 21 Uhr
Martin Grichting
Das Bistum Oslo will ein Seligsprechungsverfahren für die norwegische Literatur-Nobelpreisträgerin Sigrid Undset eröffnen. Was macht sie zum christlichen Vorbild?
19.07.2026, 13 Uhr
Claudia Kock