Vor einigen Wochen erfuhr ich aus einem Artikel über den Tod eines 35-jährigen italienischen Priesters. Als sei das noch nicht tragisch genug, war dieser Tod auch noch selbst gewählt. Unweigerlich drängt sich die Frage des „Warum“ auf. Was bewegt einen jungen Priester – der laut dem Wenigen, das ich über ihn herausfinden konnte, ein erfolgreicher Jugendseelsorger gewesen zu sein scheint –, seinem Leben ein Ende zu setzen? Zusätzlich scheint niemand in seinem Umfeld etwas davon geahnt zu haben. Es bleibt rätselhaft.
Ich versuche, diesen Tod, so wie jeden Suizid, von dem ich höre, einmal mehr als Weckruf anzunehmen. Einerseits ganz allgemein: Manchmal kämpft in unserem engsten Umfeld ein Mensch unheimlich mit Schwierigkeiten und wir merken es nicht. Wie können wir lernen, immer aufmerksamer für unsere Mitmenschen zu werden?
Wie geht es dem Nächsten tatsächlich?
Versuchen wir doch einfach einmal, die Menschen in unserem Umfeld ehrlich zu fragen, wie es ihnen geht, und versuchen wir, auf einer ehrlichen Antwort zu bestehen. So oft fragen wir Menschen entweder erst gar nicht, wie es ihnen wirklich geht, oder es ist zu einer Floskel geworden, die wir nicht ernst meinen. Was würden uns die Menschen in unserem Umfeld erzählen, wenn wir ihnen wirklich zuhören und nach ihrem tatsächlichen Befinden fragen würden? Natürlich fängt dies bei uns selber an, wir müssen uns selbst kennen. Wie geht es mir gerade? Was bewegt mich tief in meinem Inneren und wie kann ich in einer guten Weise mit den Menschen in meinem engsten Umfeld darüber sprechen?
Andererseits in diesem konkreten Fall: Fragen wir doch besonders Priester beziehungsweise die Menschen, die normalerweise immer für andere da sind, wie es ihnen geht!
Priester ist nicht Christus selbst
Ein Priester ist nicht nur für seine Gemeinde da, sondern im Idealfall ist auch die Gemeinde für den Priester da. Hier wird einmal mehr die tiefe Wahrheit des Wortes des heiligen Augustinus deutlich: „Mit euch bin ich Christ und für euch bin ich Bischof.“ Ja, es gibt eindeutig die Dimension der Proexistenz der Priester, die sich als echte Hirten um ihre Herde kümmern sollen. Aber es gibt auch die Dimension der Geschwisterlichkeit mit allen Christen. Der Priester handelt in den Sakramenten in persona Christi, aber er ist nicht Christus selbst! Das ist ein fundamentaler und sehr wichtiger Unterschied. Diese Wahrheit darf weder von den Priestern selbst noch von der Gemeinde vergessen werden. Das bedeutet unter anderem, dass auch ein Priester ein Mensch mit Bedürfnissen ist.
Diese Bedürfnisse auf gesunde und moralisch gute Art zu stillen, ist natürlich zuerst die Aufgabe des Priesters selbst. Dann natürlich auch ein Desiderat an die Bischöfe und Verantwortungsträger in der Kirche. Aber auch wir Gläubige haben eine Mitverantwortung.
Versuchen auch wir ab und zu, für unsere Hirten da zu sein und verlangen wir nicht Unmenschliches von ihnen. Die Priester versprechen bei ihrer Weihe, für das Volk Gottes, also für uns, zu beten – tragen auch wir sie intensiv im Gebet. Denn, ja, Priester sind Repräsentanten Christi, aber trotzdem bleiben sie Menschen und damit unsere Brüder in Christus.
Der Autor, Jahrgang 1999, ist Pastoralpraktikant der Pfarre Perchtoldsdorf in Österreich.
ACHTUNG: Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Es gibt zahlreiche Hilfsangebote, auch für vermeintlich aussichtslose Lebenslagen. Hier finden Sie eine Übersicht über sämtliche Hilfsangebote: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/
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