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Zweite Runde in Australiens Jahrhundertprozess

Wie geht es weiter mit Kardinal Pell? Im Prozess gegen Kardinal Pell sind viele Fragen offen.
Prozess gegen Kardinal George Pell
Foto: Julian Smith (AAP) | Der Prozess gegen Kardinal George Pell - viele Fragen sind noch offen.

Es war der Schlüsselmoment in diesen vor Spannung knisternden Stunden im Gerichtssaal: Vor laufenden Kameras, die das Drama per Livestream im Internet ausstrahlten und weltweit verfolgen ließen, fragte Gerichtspräsident Chris Maxwell vom Obersten Gerichtshof von Victoria einen stammelnden Staatsanwalt, er möge doch bitte erklären, wie Kardinal George Pell unter „höchst unwahrscheinlichen“ Umständen überhaupt die Verbrechen habe begehen können, für die ihn ein Geschworenengericht im Dezember 2018 schuldig befunden hatte.

Was wird hier eigentlich verhandelt?

„Das haben wir ja schon ad nauseam gesagt: Wenn man das erfinden würde… warum würde man das einfach erfinden?“, so die stotternde Antwort von Staatsanwalt Christopher Boyce. Er brachte damit ungewollt auf den Punkt, was alle Seiten im Fall Pell diskutieren: Was wird hier eigentlich verhandelt? Geht es um Gerechtigkeit, Wahrheit, oder etwas anderes?

Zum Abschluss der mehrtägigen Anhörung im Berufungsverfahren vor dem Victorian Appeals Court am 6. Juni, standen die Worte von Boyce erst einmal jedoch symptomatisch für die ganze Schwäche des Schuldspruchs gegen den australischen Kardinal.

Widersprüchliche Opfer-Aussagen

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans soll im Jahr 1996 – als er noch Erzbischof von Melbourne war – zwei Chorknaben unmittelbar nach der Feier eines Hochamts in der St.-Patricks-Kathedrale in der Sakristei sexuell missbraucht haben. Bei geöffneter Tür, in vollem liturgischem Gewand, während im Gotteshaus um sie herum Hochbetrieb herrschte.

Es ist diese Schilderung, die alleinige Aussage eines der beiden mutmaßlichen Opfer, die zur Verurteilung Pells führte – eine Aussage mit zum Teil „widersprüchlichen Angaben“, wie Staatsanwalt Boyce nun einräumte, der vor lauter Nervosität sogar den Fehler beging, den Namen des ehemaligen Chorknaben zu nennen – was in dem um mehrere Sekunden versetzten Livestream ausgeblendet wurde.

DT (jobo)

Welche Beweise es wirklich gibt und wie der Journalist David Marr den Fall Pell einschätzt, erfahren Sie in der Analyse von Anian Wimmer. Lesen Sie den Text in der „Tagespost“ vom 13. Juni 2019.

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Anian Wimmer Josef Bordat George Pell Kardinäle Missbrauchskrise Sexueller Missbrauch

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