Konservativ oder progressiv?

Zwei Lager, zwei Strömungen, zwei unterschiedliche Erwartungshaltungen. Seitdem sich die Ideologen der Kirche bemächtigt haben, scheint sie tief gespalten zu sein. Aber das Gegengift liegt bereit: Es sind die Seligen und Heiligen der Kirche
Der designierte Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, musste jetzt einigen Medien, die sich mit der für Deutschland bezeichnenden "sprungbereiten Feindseligkeit" auf ihn gestürzt hatten, entgegenhalten, dass er von Zuordnungen wie "konservativ" oder "liberal" nichts hält und einfach versucht, katholisch zu sein. War Franz von Assisi "konservativ" oder "liberal"? Was war Benedikt von Nursia? War Jesu von Nazareth ein "Konservativer" oder ein "Progressiver"? Überlassen wir einmal die weiter zurückliegenden Jahrhunderte den Kirchenhistorikern und nehmen wir nur die letzten hundert Jahre: Da muss man einfach eingestehen, dass dieses Lagerdenken, diese Unterscheidung zwischen "konservativ" und "liberal", zwischen links und rechts tief in das Denken der Kirche eingedrungen ist. Das hatte dann auch seine Auswirkungen auf die Liturgie. Man muss nicht nur an die ordentliche und an die außerordentliche Form des römischen Ritus denken. Oder an die, die es gerne lateinisch, und an die anderen, die es gerne in der Landessprache hätten. Es genügt, einen Studentengottesdienst - sagen wir mal im Erzbistum Freiburg - oder eine Sonntagsmesse - sagen wir mal in einer altbayerischen Landgemeinde - zu besuchen, um zu erkennen, dass die Kirche in zwei Lager, in zwei Strömungen, in zwei unterschiedliche Erwartungshaltungen zerfallen ist.
Daher also meine Skepsis gegenüber allen, die sich betont "konservativ" oder betont "liberal/progressiv" geben. Im Grunde ist es egal, durch welche ideologische Brille man schaut: Man ist und bleibt dabei selber ein Ideologe. Doch da gibt es ein Gegengift, eine Medizin: die Seligen und Heiligen der Kirche. Auf sie - ich habe es oben schon angedeutet - lassen sich Etiketten wie "konservativ" oder "liberal" einfach nicht anwenden. Die Ferienzeit bricht an, Papst Benedikt darf sich auf die Sommerfrische in den Albaner Bergen freuen, die nachrichtenarme Zeit beginnt. Was also spricht dagegen, die Sommerwochen auf diesem Blog mit den Seligen und Heiligen der Kirche zu verbringen? Wer lieber Schlagzeilen, Gerüchte, Nachrichten und den Reiz des Reißerischen bevorzugt, kann sich ja im September wieder zuschalten.
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