Charlottenburg ist kein Dogma

Aber mit dem Glauben ist das schon eine ernstere Sache. Er soll etwas Lebendiges und Einnehmendes haben, so der Papst, das in der Lage ist, alles Gute der Moderne in sich aufzunehmen. Ein neuer Vatikan-Rat will der Kirche dabei helfen. Der tagte jetzt in Rom - und Erzbischof Robert Zollitsch war dabei
Genau an dem Tag, an dem dieser Blog das Licht der Welt erblickte, war der Tod von Professor Erwin Gatz, des Rektors des Campo Santo direkt neben dem Petersdom, zu verkünden. Heute stand ich vor seinem Grab auf dem kleinen deutschen Friedhof im Schatten der Peterskuppel, neben mir Robert Zollitsch, der als Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ein doppelter Gastgeber für Papst Benedikt sein wird, wenn dieser im September die deutsche Ortskirche und auch den Breisgau besuchen wird. Zollitsch ließ sich von Rektor Fischer, dem Nachfolger von Professor Gatz, auch erklären, wie der Verstorbene dort nun liegt. Könnte dieser noch sehen, so Rektor Fischer, würde er genau auf die Kuppel des Domes schauen. So aber sieht er uns alle jetzt von oben.
Erzbischof Zollitsch hatte eingeladen, um über die erste Vollversammlung des Rats für die Neuevangelisierung zu berichten, die gestern zu Ende gegangenen war und dessen Mitglied der Konferenzvorsitzende ist. Zehn Bischöfe und zehn Kardinäle machten dieses Gremium aus, dazu als Präsident Erzbischof Rino Fisichella und der Sekretär des Rats. Erste Aufgabe des vom Papst vor kurzem erst errichteten Neuevangelisierungsrats wird es sein, an der Vorbereitung der kommenden Bischofssynode in Rom mitzuwirken, die sich im Herbst 2012 mit der Glaubensverkündigung in den ehemals christlichen Regionen dieser Welt befassen wird. Ein Satz aus der Ansprache des Papstes, der die Mitglieder des Rats am Montag empfangen hatte, hat mir gefallen, nämlich dass, so zitierte Zollitsch den Heiligen Vater, "Christsein nicht eine Art von Gewand ist, das man im Privaten oder zu besonderen Anlässen anlegt, sondern etwas Lebendiges und Einnehmendes, das fähig ist, alles Gute der Moderne in sich aufzunehmen". Mehr zum Thema Neuevangelisierung demnächst dann in der "Tagespost".
Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, Erzbischof Zollitsch zum Papstbesuch in Berlin zu befragen: Ob er sich vorstellen könnte, dass das Fass Charlottenburg nochmals aufgemacht wird und man den Papstgottesdienst an einen anderen Ort verlegt, wo mehr Menschen den Gast aus Rom sehen können. Er habe sich da nicht einmischen wollen, so Zollitsch, weil er die örtlichen Gegebenheiten in der Hauptstadt nicht so gut kenne. Das sollten "die Berliner" entscheiden. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass neulich in Venedig statt der geplanten einhunderttausend Teilnehmer dreihunderttausend zur Papstmesse kamen, weil sich Slowaken, Kroaten, Ungarn und auch Bayern unangemeldet auf den Weg in die Lagunenstadt gemacht hätten und Berlin Ähnliches mit den Polen passieren könnte, fügte Zollitsch an, alles, was kein Dogma sein, sei natürlich nochmals verhandelbar. Also ein Dogma, das ist Charlottenburg nun wirklich nicht.
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