Wie eine Büchse mit Knubbel oben drauf

Das neue Denkmal Roms für den seligen Johannes Paul II. ist ziemlich hohl. Die Kirche hat einfach Pech mit der modernen Kunst. Und zwischen Stadt und Vatikan bahnt sich eine diplomatische Verwicklung an. Was wusste Kardinal Ravasi, und was wusste er nicht?

Mit der modernen Kunst hat die Kirche irgendwie Pech. Ich hatte mich schon gewundert, warum die feierliche Enthüllung der Bronzestatue von Johannes Paul II. vor dem römischen Hauptbahnhof "Termini" in der vergangenen Woche so schnell vonstatten gegangen war. Der Vikar des Papstes für die Diözese Rom, Kardinal Agostino Vallini, hatte Bürgermeister Alemanno die Hand gedrückt, schwuppdiwupps fiel der Vorhang - und ehe es begonnen hatte, war alles wieder vorbei. Da stand er nun, der fünf Meter hohe Selige, und sorgt seither für Empörung bei vielen Römern: Das soll unser Giovanno Paolo sein?
Menschen aus dem Ruhrgebiet könnte diese Skulptur an ein übergroßes Exemplar jener Rettungskapseln erinnern, mit denen man verschüttete Bergleute durch ein Bohrloch wieder nach oben holt. Nur hat der Künstler, Oliviero Rainaldi ist sein schnell wieder zu vergessener Name, diese Kapsel auf einer Seite aufgebogen wie eine geöffnete Sardinienbüchse und noch einen Knubbel oben drauf gesetzt. Das soll der Kopf sein. Das Gesicht des polnischen Papstes darin erkennen können die meisten nicht. Jene bekannte Geste, als Johannes Paul II. bei einer Audienz unter seinem langen Umhang ein Kind verschwinden ließ, soll den Künstler zu dieser aufgeklappten Büchse inspiriert haben. Ein Kind sieht man nicht, stattdessen schaut man in ein gewaltiges Loch.
Nachdem zunächst nur Bürger ihren Protest artikuliert hatten, kommt es jetzt auch noch zu einer diplomatischen Verstimmung zwischen dem Vatikan und der Stadt Rom, deren Kulturamt den hohlen Papst in Auftrag gab. Im päpstlichen Kulturrat sieht man sich getäuscht. Die Statue entspreche nicht dem Entwurf aus der Planungsphase, klagte jetzt ein Mitarbeiter von Kardinal Ravasi. Dieser soll irgendwann eine Bleistiftskizze der Statue abgesegnet haben. Ravasi ist Präsident des Kulturrats und begann seine Zeit in diesem Amt mit der aufwändigen Begegnung von Kunst und Kirche im November 2009, die als "Das große Fressen" in die Annalen der "vaticanisti" eingegangen ist - das Buffet soll sich damals durchgehangen haben. Auch Terence Hill (Vier Fäuste für ein Halleluja) ließ sich blicken, als 260 Vertreter von Film, Musik und bildender Kunst in der Sixtinischen Kapelle mit Benedikt XVI. zusammen kamen. So, die Quittung steht jetzt vor "Termini". "Die klaffende Lücke, wie von einer Bombe" (Osservatore Romano), die das Zentrum der Papst-Statue ausmacht, könnte ganze LKW-Ladungen an kalten Buffets verschlucken.
Vielleicht ist der Vatikan doch selber Schuld: Den Künstlern, die 2009 zum Papst-Meeting kamen, wurde am Vortag die Sammlung moderner Kunst gezeigt, die Paul VI. in den Vatikanischen Museen einrichten ließ. Wer mit dem Feuer spielt, darf sich über den Brand nicht wundern.