An dieser Stelle bloggt regelmäßig Guido Horst aus dem Vatikan.
Er ist der Rom-Korrespondent der "Tagespost".



"Den ganzen Tag über schaue ich auf die Glaubenskongregation, die Kolonnaden des Petersplatzes, die stets geschlossenen Fenster des vatikanischen Staatssekretariats. Wen wundert es, dass mein Büro im Schatten der Kuppel des Petersdoms zu einem Umschlagplatz geworden ist, zu einem Umschlagplatz für Gerüchte und diskrete Informationen, zu einer Nachrichtenbörse - und manchmal zu einem Ort für Lamentos und Klagen. Italienische Blogs aus dem Umfeld des Vatikans führen klingende Namen wie »Sacri palazzi« - »Heilige Paläste« - oder »Settimo cielo« - »Siebter Himmel«. Ich nenne meinen trocken-deutsch »Römische Warte«, von der aus ich aber hoffe, dennoch das ein oder andere Wissens- und Lesenswerte in die deutschsprachige Welt des Internets zu befördern."



11.06.2011 19:58

Wanted: Das Vatikan-Dossier

Wie katholische Blogs und Homepages ihre Nachrichten selbst erzeugen. Und wie man im Vatikan nichts davon weiß, was alles unter seiner Etikette in der Welt kursiert
Der Zufall wollte es, dass ich gestern Abend etwas abzuholen hatte im Vatikan, nicht irgendwo, sondern im Palazzo Apostolico, der Schaltzentrale der Römischen Kurie. Soeben hatten einige katholische Blogs und Homepages von einem Vatikan-Dossier berichtet, das sich mit einem möglichen Schisma in der Kirche in Deutschland befasst. Komisch, dachte ich mir, dass es in der Kirche deutscher Zunge schon lange ein De facto-Schisma gibt, ist dem Vatikan seit geraumer Zeit bekannt. Dass da jetzt ein neues Dossier kursieren soll, wäre mir neu. Fragen kostet nichts, sagte ich mir und stiefelte zum Sankt'Anna-Tor. Denn in den Palazzo Apostolico kann man schließlich nicht einfach hineinspazieren wie in den Bahnhof oder einen Supermarkt. Nein, man wird von einem Schweizer Gardisten in Zivil artig in Empfang genommen und "abgeführt". Vorbei an der Vatikanbank IOR ging es dann hoch in die heiligen Hallen.
Wie immer fragte ich mich auf diesem Weg, was der kleinste Staat der Welt wohl für seine Sicherheit tut. Ob geheime Kameras mein Gesicht filmen und mit den Fotos von Top-Terroristen abgleichen? Oder versteckte Detektoren nach schweren Metallteilen in meinen Sakko-Taschen forschen? Wie dem auch sei, von allen Sicherheitskontrollen unbehelligt kam ich nach einem freundlichen Geplauder mit dem Schweizer Gardisten am Ziel meiner kurzen Reise an und konnte dem deutschen Monsignore, den ich dort traf, auch bald meine Frage stellen: Was weiß er denn nun von dem Dossier im Vatikan über die deutschen Spalter?
Der schaute mich ganz verdutzt an. Davon habe er nichts gehört. Was mich wiederum erzählen ließ, was ich darüber gelesen hatte. Gibt es es nicht, wurde mir knapp erklärt. Und so verließ ich gestern den Vatikan mit einem neuen Auftrag: Nach einem Vatikan-Dossier zu suchen, von dem man im Vatikan nichts weiß. Ich werde darüber berichten. Jetzt aber erst einmal Frohe Pfingsten!


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