Mutige Kirche – gesprenkelte Eindrücke vom Katholikentag in Münster

Eine Rückschau. Von Alexandra Maria Linder

Tanzende beim 101. Katholikentag
Mitglieder des TanzTheater Münster auf der Bühne während des Hauptgottesdienstes beim 101. Deutschen Katholikentag am 13. Mai 2018 in Münster. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Vielfältig war er, der Katholikentag in Münster. Vom meditativen Bogenschießen über Queer-christliche Stadtrundgänge bis zu Klimapolitik oder Integration war vieles dabei. Ein Themenblock wurde von manchem vermisst: Die sogenannte Bioethik. Zwar gab es zwei, leider parallel veranstaltete Podien zum „Kinderwunsch“ und etwas zu Transhumanismus, alles andere aber, ob Abtreibung, Euthanasie, Gewissensfreiheit oder andere drängende Themen, blieb außen vor. Einige diesbezügliche Veranstaltungen waren von Lebensrechtsorganisationen angeboten, jedoch nicht angenommen worden. Eine versäumte Chance, denn die Stände dieser Organisationen hatten reichlich Zulauf, die Themen sind hochaktuell und die Menschen interessieren sich sehr dafür.

„Mutige Kirche“ nannte man eine Aktion im Vorfeld: Der Mut bestand lediglich darin, den eingeladenen kirchenpolitischen Sprecher der AfD wieder auszuladen. Egal, was man von der AfD hält – dazu braucht man keinen Mut, denn das wird allseits hofiert, obwohl es höchst undemokratisch ist. Mutig war es, die Einladung aufrechtzuerhalten und mit dem Mann zu diskutieren. Sonst müsste man auf die Idee kommen, mutig auch diejenigen auszuladen, die demokratiebedenkliche Tendenzen zeigen (Die Linke) oder Toleranz gegenüber Andersdenkenden weitgehend vermissen lassen (Grüne).

Mutig waren angesichts heutiger Gefahren manche Bischöfe, die ohne Begleitschutz auf dem Schlossplatz anzutreffen waren, allerdings oft mit erstaunlich geringer Resonanz. Dabei ist das doch eine gute Gelegenheit, einfach einmal einen Bischof ansprechen zu können. Ein wenig mulmig wurde manchen, die die massiven Schutzpoller sahen und die zweitweise hohen weiteren Sicherheitsvorkehrungen.

Mutig ist es, das Kreuz überall offen zu zeigen, sich als Katholik zu outen und als solcher aufzutreten, was viele taten. Weniger mutig waren all die Einschränkungen, die man hörte: „Ich bin eigentlich katholisch, aber…“ Manches Mal gewann man den Eindruck einer Art Glaubenskonditorei, in der man sich seine Lieblingsrosinen rauspickt, den grundlegenden Teig aber lieber nicht mitisst.

Der Eröffnungsgottesdienst war würdig, die Musik modern, aber kein Pillepalle. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gesammelt tausende von Menschen sein können. Tapfer war es, während der Heiligen Messe Funktionäre des BDKJ der Grafschaft Bentheim zu ertragen, die auch noch während der Wandlung lachten, mit Handys spielten und sich verhielten wie auf einem Campingplatz.

Ein Katholikentag ist heute zunächst einmal immer mutig. An vielen Dingen kann man arbeiten. Aber man hat so viele andere mutige Katholiken getroffen, dass man selbst wieder frisch ermutigt an die Arbeit geht.

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