Kreuze in Behörden – Was sind denn die Alternativen?

Kreuze in öffentlichen Gebäuden spalten die Gesellschaft? Na hoffentlich! Von Felix Honekamp

Sitzung Kabinett
24.04.2018, Bayern, München: Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident (CSU), hängt ein Kreuz im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei auf. Foto: Peter Kneffel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit Foto: Peter Kneffel (dpa)

Wenn sich Politiker im Wahlkampf für das Aufhängen von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden einsetzen, dann kann man schon Zweifel haben ob dessen, was man unter Christen „die Reinheit der Absicht“ nennt. Womöglich will da einer in der nächsten Wahl bestätigt werden und hofft, unter gläubigen Christen auf Zustimmung. Das wäre sicher ein bisschen sehr einfach gedacht, aber andererseits sind mir Politiker lieber, die auf mich als Christen schielen als solche, die Materialisten, Kommunisten oder – ja auch – Muslime für sich gewinnen wollen. Deren Wertesystem, und darum geht es betreffendem Herrn Söder offenbar, ist nämlich ein ganz anderes, und bei allem Liberalismus, bei aller „Trennung von Staat und Kirche“ muss doch auch ein Gedanken daran erlaubt sein, welche Werte durch eine Nation vertreten werden oder zumindest vertreten werden sollen.

Man könnte ja auch einen Geldschein oder eine Spardose an die Wand eines Gerichts hängen, und derjenige, der am meisten einzahlt, bekommt dann „Recht“. Oder wie wäre es mit einem Halbmond mit Stern als Symbol der Scharia, mit entsprechend brachialen Folgen für echte oder vermeintliche Gesetzesübertreter? Unter dem Kreuz muss jedenfalls niemand befürchten, dass er für einen Diebstahl eine Hand und für einen Ehebruch das Leben verliert. Jetzt soll also in bayerischen Behörden und Gerichten zukünftig zwingend ein Kreuz hängen. Was für ein Unterschied: Der Eintretende darf vor einem solchen Gericht und vor einer solchen Behörde davon ausgehen, dass er als Mensch gesehen wird, als Abbild Gottes. Unter dem Kreuz wird nicht nur nach dem Buchstaben des Gesetzes geurteilt sondern mit Blick auf die besondere Würde des Menschen, die sich aus seiner Gottebenbildlichkeit ergibt.

Wer kann da etwas dagegen haben? Abgesehen von – so hoffen wir mal – Missverständnissen unter deutschen Bischöfen sind es nur diejenigen, die dem Staat jede Form des christlichen Rückbezugs austreiben wollen. Das sind meist auch diejenigen, die gerne ihre sehr persönlichen Ethikvorstellungen und manchmal auch Befindlichkeiten zum Maßstab eines Rechtsstaats machen wollen. Man erinnert sich mit Schaudern an Forderungen nach Strafen für sogenannte „Klimaleugner“? Solche und ähnliche Debatten liegen auf der Hand, wenn man den göttlichen Bezug aus dem Staat vollständig zu eliminieren versucht. Wenn das also die Spaltung ist, die eine „Kreuzpflicht“ in bayerischen Behörden auslöst, dann bitte: Diese Diskussion muss eine Gesellschaft aushalten. Nur sie macht auch transparent, wo letztlich die Feinde der Menschlichkeit anzusiedeln sind: Nicht bei denen, die das Kreuz öffentlich aufhängen, sondern bei denen, die sich davon trennen wollen.

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