Europa darf sich nicht verschanzen

Das Sterben von Kindern und anderen Flüchtlingen im Mittelmeer muss durch legale und sichere Zugangswege nach Europa beendet werden. Von Matthias Leineweber

Bootsflüchtlinge im Mittelmeer
Viele der Flüchtlinge aus Afrika sind Opfer des Sklavenhandels geworden. Foto: dpa

Zum wiederholten Male sind zahlreiche Flüchtlinge, darunter wieder Kinder im Mittelmeer ertrunken. Das liegt nicht nur an Schleppern, die skrupellos das Leben ihrer Menschenware aufs Spiel setzen. Es ist auch das Ergebnis der von Papst Franziskus angeprangerten Kultur der Gleichgültigkeit in unseren Ländern.

Europa darf sich nicht verschanzen und seine im Christentum verwurzelten Traditionen von Solidarität und Menschlichkeit hinter hohen Mauern ersticken. Das zerstört nicht nur seine christlichen Werte, sondern auch den Zusammenhalt und den Frieden auf unserem Kontinent.

Viele Arme schauen sehnsüchtig auf die europäischen Errungenschaften. Auch aufgrund unserer Geschichte haben wir eine Mission der Gastfreundschaft vor allem gegenüber den Kriegsflüchtlingen, die alles verloren haben. Die Gemeinschaft Sant’Egidio hat mit dem Projekt der humanitären Korridore ein innovatives Modell entwickelt, das schon in einigen Ländern (z.B. Italien, Frankreich, Belgien) erfolgreich umgesetzt wird.

Es sind legale Einreisemöglichkeiten für Kriegsflüchtlinge, die unter schwierigen Bedingungen in Camps im Libanon oder Äthiopien leben. Besonders bedürftige Flüchtlinge mit ihren Familien werden aufgenommen. Dieser Weg bietet durch eine geregelte und begleitete Einreise nicht nur Sicherheit für die Bedürftigen, sondern auch für die Aufnahmeländer. In den Gastländern werden die Neuankömmlinge von oft kirchlichen Ehrenamtlichen bei der Integration begleitet, um den Staat zu unterstützen.

Dieses ökumenische Projekt möchte als Modell für eine neue Haltung Europas gegenüber einem epochalen Drama dienen. Es kann Europa nicht nur ein menschliches Gesicht verleihen, es schafft auch den Bedürftigen Hoffnung, um nicht erneut auf den Reisen der Verzweiflung zu sterben.

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