Geseke

Die Debatte ist tot – es lebe die Debatte!

Der Aufruf zum Boykott der katholischen Zeitschrift "Die neue Ordnung" ist eine Absage an die freie Meinungsäußerung. Von Peter Winnemöller

Wolfgang Ockenfels und "Die neue Ordnung"
Wolfgang Ockenfels: Chefredakteur der katholischen Zeitschrift "Die neue Ordnung". Foto: Wolfgang Radtke (KNA)

Ein Aufruf zum Boykott ist immer der gewollte Tod der Debatte. So geschehen jüngst durch den Aufruf, die katholische Zeitschrift "Die neue Ordnung" zu boykottieren. Zahlreiche Publizisten haben sich nun mit der Zeitschrift und ihrem Schriftleiter öffentlich solidarisiert. Das ist auch ein Ordnungsruf für jene, die dem Boykott das Wort reden, zur Meinungsfreiheit zurück zu kehren.

Boykottaufruf ist Absage an die freie Meinungsäußerung

Zu einem Boykott aufzurufen, Menschen und Medien auszugrenzen und damit zu tabuisieren, ist nichts anderes als eine Absage an die freie Meinungsäußerung. Jeder, der nicht im Mainstream schwimmt, läuft Gefahr, Opfer von Ausgrenzung und Verleumdung zu werden. Ausschluss aus der Debatte ist das Ziel. Gesellschaft erleben wir, wie zweifelhafte Organisationen eine Spiegelfechterei gegen "Rechts" aufführen und sich dazu großzügig aus öffentlichen Kassen bedienen.

Von solchem Treiben ist auch die Kirche nicht frei. Der Gesprächsprozess von 2011 bis war denkbar homogen besetzt. Das war Absicht, denn es ging nie darum, ein realistisches Bild zu bekommen. Gleiches erwartet uns auf dem Synodalen Weg. Es ist nicht anzunehmen, dass im weitesten Sinne konservative Katholiken eine Rolle spielen werden.

Die Debatte ist offensiv zu führen – auch, wenn es weh tut

Das jammern nützt gar nichts. Eine Veränderung wird es nicht geben, wenn man stets sein Ungemach beklagt. Eine Veränderung gibt es, dann und nur dann, wenn man die Debatte offensiv führt. Sie ist auch dann zu führen, wenn der Mainstream sie sich verbittet. Dann erst recht.

Es gilt das Argument des Gegners vor allem dann zu hören, wenn es einem in den Ohren schmerzt. Denn auch das ist die große Gefahr, die die Ausgrenzung aus der Debatte mit sich bringt. Wer ausgegrenzt ist, richtet sich nur zu gerne in seiner Filterblase der richtigen Gesinnung ein. Hier begnügt man sich damit, von anderen Bewohnern der Blase seine gute Gesinnung anerkennen zu lassen.

Es führt kein Weg am Ausweg vorbei. Es gilt offen zu vertreten, was den Mainstream schmerzt und es gilt das Geschrei der gar nicht so großen Massen auszuhalten. Die meisten Menschen denken nämlich ganz anders, als es sich der Mainstream wünscht. Der Meinungsaußenseiter ist weit weniger einsam als er denkt und man ihn glauben machen will.

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DT (jobo)

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