Den Wert der Eucharistie wiederentdecken

Katholiken sind dazu berufen, das Geheimnis des Glaubens zu bewahren und zu verkünden – aber kennen wir es selbst noch? Von Anna Diouf

Wert der Eucharistie
Katholiken sind dazu berufen, das Geheimnis des Glaubens zu bewahren und zu verkünden. Foto: dpa

In der Frage nach der Zulassung evangelischer Ehepartner zur Kommunion zeigt sich, dass Deutschland gründlich entkatholisiert ist: Im Diskurs wird ganz selbstverständlich ein protestantisches Abendmahlsverständnis vorausgesetzt und die Gemeinschaft im Mahl als Zentrum des Geschehens betrachtet. Dass für Katholiken die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Mittelpunkt des Gottesdienstes ist, ist schlicht unbekannt.

Dies könnte daran liegen, dass das Geheimnis des Glaubens mittlerweile für viele Katholiken nicht mehr relevant ist: Oftmals haben Lehre und persönliches Bekenntnis wenig miteinander zu tun, und dementsprechend bildet sich der Glaube der Kirche allzu häufig kaum ab in der Art und Weise, in der wir die Messe feiern oder uns dem Allerheiligsten nähern.

Hier hilft ein Blick in die Ökumene: In der orthodoxen Christenheit sind die Gläubigen vor dem Kommunionempfang u.a. dazu verpflichtet, zu beichten und ausgedehnt zu fasten -  nicht nur die mickrige Stunde, die, obgleich weithin vergessen, auch für Katholiken obligatorisch ist. Dies sind keine Übungen um sich durch Taten würdig zu machen: Vielmehr ruft wahre Liebe danach, sich durch Taten zu zeigen und zu erweisen– und so weiß der orthodoxe Christ dann auch, wen er empfängt, wenn er nach vorn tritt: Den Herrn selbst, den er so sehr liebt, dass er diese „Anstrengungen“ auf sich genommen hat um sich ihm ganz einverleiben zu lassen.

In der katholischen Kirche jedoch ist die persönliche Vorbereitung kaum noch existent, während die Bedeutung des Kommunizierens zugenommen hat: Als im 19. und 20. Jahrhundert der häufige, gar tägliche Kommunionempfang gefördert und die damit einhergehenden Verpflichtungen nach und nach reduziert wurden, sollte dies dazu dienen, den Gläubigen einen vertrauten Umgang mit dem Herrn in einer Art „heiligen Selbstverständlichkeit“ zu ermöglichen und sie im täglichen Kampf um Heiligung zu stärken. Mittlerweile aber hat diese äußere „Niedrigschwelligkeit“ auch zu Banalisierung geführt: Die Kommunion erscheint "verfügbar", und man nimmt daran teil, allein schon um nicht aufzufallen – sicher auch aus dem Irrtum heraus, dass es sich nun einmal so gehöre.

Kein Wunder, dass ein Außenstehender den Wert der Eucharistie über ein gemeinschaftliches Ritual hinaus nicht erfasst. Es ist ein Geschenk, dass die Kommunion in der katholischen Kirche leicht zugänglich ist. Umso mehr sollten wir danach streben, angemessene Formen und die innere Haltung wiederzugewinnen, die die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt  unseres Lebens sichtbar machen. Dann legen wir ein Zeugnis ab, das angenommen oder abgelehnt werden kann – aber nicht ignoriert.

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