Das Kreuz – Zeichen der Hoffnung

Wer als Christ im „Kreuz an den Wänden öffentlicher Gebäude“ Spaltung sieht, meint es zwar vielleicht gut. Aber er wiederholt doch das giftige Narrativ jener, denen die absolute Liebe Gottes (und Seine Existenz) ein Skandalon ist. Von Jan-Philipp Goertz

Wir leben in einer Zeit, in der jeder anscheinend alles wissen kann. Dass die meisten eigentlich weniger wissen als früher, entgeht uns leicht. „Im Internet“ ist aber nicht „im Kopf“ – und erst recht nicht im Bewusstsein. Was man sich nicht zu eigen macht, ist nicht Teil von einem. Mit anderen Worten ohne Wissen kein Glaube, ohne Glaube kein Zeugnis. Dennoch handeln wir alle allzu oft nach dem Grundsatz: „Ist doch klar. Selbstverständlich.“ Wir lehren und bezeugen kaum. Ist auch bequem. Die Folge: Selbst die selbstverständlichsten Dinge sind nicht mehr klar. Eines dieser Dinge ist die Bedeutung des Kreuzes.

Wer als Christ im „Kreuz an den Wänden öffentlicher Gebäude“ Spaltung sieht, meint es zwar vielleicht gut. Aber er wiederholt doch das giftige Narrativ jener 10% der Gesellschaft, denen die absolute Liebe Gottes (und Seine Existenz) ein Skandalon ist. Kreuzzüge, Inquisition und MIßbräuche werden still konzediert. Sie haben jedoch nichts mit dem Kreuz zu tun. Vorschnell wird durch das Friedensangebot an eine empörte Minderheit die Gelegenheit zum Zeugnis der Hoffnung für die große, unwissende und nicht einmal feindselige Mehrheit vergeben.

Wir leben in keinem christlichen Staat – aber unser Staat lebt vom christlichem Erbe. Daran müssen wir Christen immer wieder erinnern. Wer soll es sonst machen? Das verlangt natürlich mehr als Kreuze an den Wänden. Es verlangt das Predigen des Kreuzes in Wort und Tat. Das Kreuz steht für alles, worauf wir auch als Staat implizit setzen:

Es ist das einzige Zeichen in der Welt für die Menschwerdung Gottes, und als Gleichung zwischen Gott und Mensch Grundlage der Menschenwürde. Ohne die Menschwerdung Gottes in Christus gibt es keine Gleichheit vor einem Gesetz. Gab es auch nie. Sie macht gar keinen Sinn ohne den Mensch gewordenen, dienenden und armen Gott. Und deswegen gibt es sie auch nur in den Ländern, die durch das Christentum geprägt sind. Außerdem steht das Kreuz für den Liebestod dieses menschgewordenen Gottes für die Sünder. Mithin die kraftvollste Bestätigung der Liebe für den Menschen - und Grundlage aller Vergebung. Ohne diese Vergebung kein bleibender Friede, kein Sinn von Aussöhnung. Und schließlich steht es für die Auferstehung und ein Leben nach dem Tod. Menschenwürde – Vergebung – Ewiges Leben. Hoffnung für alle, die nicht wollen, dass Willkür, Rache, Tod herrschen.

Das aufgehängte Kreuz verpflichtet den Staat gegenüber den Menschen. Wenn es umgekehrt (gemeint) wäre, wäre das falsch. Aber in diesem heute ist das Kreuz frohe Botschaft für den einzelnen und alle. Und es muss verkündet und angemahnt werden. Es ist die einzige Hoffnung, die wir haben. Uns Christen ist zugemutet, dass wir die wahre, ursprüngliche und unglaublich frohe Botschaft des Kreuzes kennen und den Menschen verkünden. Wir sind es ihnen schuldig.

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