Eine Prozession auf den Philippinen. Auch ein Lehrstück in Sachen Medien

Am 9. Januar fand in Manila die traditionelle Prozession zu Ehren des „Schwarzen Nazareners“ statt. Interessant ist, was die Medien aus dem Ereignis machen.
Philippinen
Foto: dpa | Philippinen. 80 Prozent der rund 100 Millionen Einwohner der Philippinen sind Katholiken.

Am 9. Januar fand in Manila die traditionelle Prozession zu Ehren des „Schwarzen Nazareners“ statt. Die hölzerne Jesus-Figur soll 1606 durch Missionare von Mexiko nach Manila gebracht worden sein. Obwohl das entsprechende Schiff in Flammen aufging, soll die verkohlte Figur den Brand überstanden haben und erhielt danach den Namen „Schwarzer Nazarener“, die in dem katholisch geprägten Land seit Jahrhunderten verehrt wird. Die Prozession erinnert an die Überstellung der Figur zur Kirche in Quiapo im Jahre 1787.

Mehr als 80 Prozent der rund 100 Millionen Einwohner der Philippinen sind Katholiken, der Andrang bei der Prozession entsprechend groß. Die philippinischen Katholiken sind Massenveranstaltungen gewohnt: Beim Weltjugendtag 1995 kamen in Manila vier Millionen Menschen zusammen, beim Papstbesuch 2015 waren es sechs Millionen. Auch an der „Schwarzer Nazarener“-Prozession nehmen Jahr für Jahr Hunderttausende statt. Die Behörden sprachen in diesem Jahr von einer halben Million Teilnehmer.

Interessant ist, was die Medien aus dem Ereignis machen. Während die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ die religiöse Dimension betont („Millionen Philippiner huldigen mit Prozession schwarzer Jesus-Figur“), dominiert im „Deutschlandfunk“ das Thema Sicherheit („Katholische Massenprozession - und viele Verletzte“). Während das Bild im „Blick“ jubelnde und feiernde Massen zeigt, zeigt das Bild des „Deutschlandfunks“ Menschen auf der Bahre – Bildunterschrift: „Bei der Prozession in Manila hat es wieder viele Verletzte gegeben.“).

Im Text des „Deutschlandfunks“ geht es rasch um die „tumultartigen Szenen“, aufgrund derer „hunderte Menschen Verletzungen erlitten“. Eilig erinnert der „Deutschlandfunk“ an die Vergangenheit, die noch blutiger war: „Vor zwei Jahren starben bei der Prozession zwei Menschen.“ Das ist sicher tragisch, aber bei jeder vergleichbaren Massenveranstaltung gibt es Einsätze des Roten Kreuzes, das sich auch in Manila um die verletzten und erschöpften Menschen kümmerte. Auf tausend Teilnehmer kam etwa eine Behandlung.

Man kann das Thema Sicherheit durchaus ansprechen, man sollte es auch ernst nehmen. Die Philippinen tun das: Mehr als 6000 Polizeibeamte und Soldaten waren im Einsatz. Eine Prozession aber wie ein Schlachtfeld aussehen zu lassen, hat einen etwas verdächtigen Beigeschmack. Zumal auch die Erklärung, warum heute immer noch „ mehr als 80 Millionen Katholiken“ auf den Philippinen leben, beim „Deutschlandfunk“ eher eindimensional ausfällt: „Das liegt an der Kolonialvergangenheit: Spanien eroberte das Land im 16. Jahrhundert“. Na, dann.

Josef Bordat

Themen & Autoren

Kirche