Berlin

AKK und Youtube: Zensur ist nie richtig

Im Netz die freie Meinungsäußerung zu verbieten, kann niemals gute Idee sein. Die Äußerungen Annegret Kramp-Karrenbauers zeigen: Die politische Elite im Land hat den Anschluss verloren. Von Peter Winnemöller
Kramp-Karrenbauer für Umgang mit Youtube in der Kritik
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Wir wollen doch nur nach Regeln spielen, signalisiert Kramp-Karrenbauer. Langsam möchte man sich die verbliebenen Haare blau färben und CDU-Spottvideos drehen.

Punkt eins: YouTuber sind nicht automatisch Journalisten. Den Vergleich mit Redaktionen anzustellen, hinkt nicht nur, dieser Vergleich hat eine starke Gehbehinderung. Das Portal YouTube ist ein kommerzielles Portal, das mit Werbung Geld verdient. Damit interessante Influencer auf dem Portal aktiv werden, gibt YouTube diesen die Möglichkeit mit Werbung Geld zu verdienen. Zugleich haben Agenturen längst die Möglichkeiten von YouTube, Instagram und anderen neuen Medien erkannt. Sie nutzen diese intensiv zu Marketingzwecken.

Man hätte den Schaden begrenzen können, säße man nicht in seinen politischen Elfenbeintürmen

So wundert es keineswegs, dass Rezo für eine Agentur unterwegs ist. Noch weniger wundert es, dass diese Agentur auch für die Grünen arbeitet. Man kann das alles wissen. Wenige Klicks reichen dazu. Die CDU hätte es twittern können, bevor Rezos CDU-Bashing Millionen Klicks hat. Man hätte es tun können, säße man nicht in seinen politischen Elfenbeintürmen gefangen.

Es wundert dann eben auch nicht, dass die Vorsitzende der gebashten Partei am Tag nach der Wahl nach Regeln ruft. Zensur! brüllte das Netz. Aber nein, errötet die kleine Annegret, wir wollen doch nur nach Regeln spielen. Langsam möchte man sich die verbliebenen Haare blau färben und CDU-Spottvideos drehen. Viel peinlicher geht es echt nicht. Die politische Elite im Land hat den Anschluss verloren.
Schlimmer noch, während die Vorsitzende der größeren Regierungspartei über böse Youtuber jammert, kommt heraus, dass die Regierung rund 100 000 Euro an Honoraren oder Aufwandsentschädigungen an Influencer gezahlt hat. Denn sie wissen nicht, was sie tun. Obwohl man an dieser Stelle nur sagen kann: Alles richtig gemacht.

Parteien sollten untereinander Regeln für Fairplay

Nicht die Zensur ist das Mittel der Wahl. Parteien untereinander können und sollen Regeln für Fairplay im Wahlkampf verabreden. Diese dürfen dann auch ruhig für ihre Agenturen gelten. Im Netz die freie Meinungsäußerung und sei es nur partiell für ein paar Tage zu verbieten, kann niemals gute Idee sein und jede Andeutung dessen muss zwingend medialen Widerstand hervorrufen. Also: So nicht @AKK!

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DT

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