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Credo: Die Kirche ging gegen den „Hexenwahn“ vor

Die Kirche wandte sich immer gegen den Hexenwahn. Und die spanische Inquisition setzte dem neuzeitlichen Spuk schon 1536 ein Ende.
Die spanische Inquisition ging gegen den „Hexenwahn“ vor
Foto: Ken Welsh via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Wider den Hexenwahn. Spanische Inquisition in Valladolid, Spanien.

Zu den wirksamsten „schwarzen Legenden“ aller Zeiten zählt das uns allen vertraute „Narrativ“ von den Hexenverfolgungen – dass die Katholische Kirche diese im Mittelalter erfunden, sie mit Hass und Niedertracht betrieben und dabei Hunderttausende bis Millionen Frauen grausam ermordet habe. Aber an diesem Narrativ ist wirklich alles falsch.

Aberglaube von Hexen und Schadenszauber findet sich in allen Kulturen in der einen oder anderen Form und ist leider auch heute noch in vielen Weltgegenden allzu präsent. Dagegen wirkte das Christentum von Anfang an aufklärend, indem es diese Praktiken verwarf, jedoch nicht mit wütendem Eifer, sondern eher in therapeutischer Weise. So war in kirchlichen Beichtspiegeln der Glaube an Hexen und Zauberer ausdrücklich als Sünde aufgeführt, die zu beichten war.

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Wo es zu Ausbrüchen von Hexenwahn kam, ging das fast immer von anarchischen abergläubischen Volksmassen aus, die nicht im Auftrag oder im Einklang mit der Kirche handelten, sondern gegen ihre Lehre. Wenn sich dann weltliche Obrigkeiten dem Furor der Straße beugten und anschlossen, waren es gerade Päpste und Bischöfe, die einschritten und sie an ihre Christenpflicht gemahnten. So wies Papst Gregor VII. den Dänenkönig Harald Blauzahn in einem Brief mit scharfen Worten zurecht, weil er nicht gegen Lynchjustiz an vermeintlichen Hexen vorging.

Erst in der frühen Neuzeit breitete sich Hexenwahn aus

Das Mittelalter war aber keineswegs die „Blütezeit“ des Hexenwahns. Ausufern konnte er erst, als seit dem 15. Jh. religiöse Krisen und Verunsicherung in Europa um sich griffen und kirchliche Strukturen in manchen Regionen zusammenbrachen. Aufgrund der endlosen konfessionellen Verwerfungen und Kriege war das besonders in Mitteleuropa der Fall, weshalb es nicht verwundern muss, dass fast die Hälfte aller in Europa dokumentierten Hexenverfolgungen allein auf Deutschland entfiel. Eine unrühmliche Rolle spielten dabei auch einzelne abtrünnige Geistliche, deren Pamphlete (wie der berüchtigte „Hexenhammer“ von 1487) gern von der weltlichen Obrigkeit zur Rechtfertigung eigener Untaten herangezogen wurden. Sie stellten sich damit allerdings gegen geltende kirchliche Lehre, und wo diese – zum Beispiel von geistlichen Gerichten – angewandt wurde, kam es auch nicht zum Ausbruch von Hexenwahn.

"Aufklärer" für Hexenverfolgung

Als die Stadt Münster im 17. Jh. ihre Selbstständigkeit verlor und unter die Herrschaft des Fürstbischofs von Galen kam, war dort sofort Schluss mit den Hexenprozessen. Und die viel gescholtene Inquisition sorgte fast überall wo sie konnte dafür, dass der Horror der Hexenverfolgung aufhörte. Die berüchtigte spanische Inquisition setzte dem Spuk schon 1526 ein Ende. Soviel nur zum verbreiteten „Wissen“, dass die Inquisition gerade der Hexenverfolgung diente. Dagegen waren etliche Aufklärer und Vorkämpfer moderner Staatlichkeit und kirchenferner Rechtsordnungen aktive Befürworter der Hexenverfolgungen, so etwa Jean Bodin oder Thomas Hobbes.

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Noch ein Wort zu den Zahlen, die nicht irrelevant sind, auch wenn jeder einzelne Justizmord an einer „Hexe“ oder einem „Zauberer“ einer zuviel ist: Die von der NS-Propaganda in ihrem Kampf gegen die Kirche verbreiteten Millionenzahlen, die seitdem weiterhin in allen möglichen Publikationen herumspuken, sind ebenso unsinnig und frei erfunden, wie die „Hunderttausende“ in diversen Elaboraten jüngerer Kirchenkritiker. Die seit den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jh. systematisierte historische Forschung zum Thema ermittelte in Europa für den gesamten Zeitraum vom 15. bis 19. Jh. eine Zahl von rund 50 000 Todesopfern – Opfern von Aberglaube und weltlicher Justiz.

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