Theologiestudium

Neue Köpfe, starke Nachfrage

Die Kölner Hochschule für Katholische Theologie macht zum Beginn des Wintersemesters Boden wett.
Kölner Hochschule für Katholische Theologie zieht mehr Magisterstudenten an
Foto: Annika Schmitz (KNA) | Zieht mehr Magisterstudenten an als die Fakultät in Bonn: die Kölner Hochschule für Katholische Theologie.

Der Kölner Magisterstudiengang Theologie schlägt ein: Von den knapp dreißig Neuanfängern, die an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) ins Wintersemester starten, haben sich 21 für den Magisterstudiengang eingeschrieben. Das ist deutlich mehr als die theologische Fakultät in Bonn aufzuweisen hat: Dort haben sich bis dato zwölf Erstsemester für den „Magister Theologiae“ entschieden. Insgesamt meldet die Bonner Fakultät zwar insgesamt 115 „Erstis“, wobei die Universität unterstreicht, es handele sich lediglich um vorläufige Zahlen, da der Stichtag für die Einschreibungen der 1. Dezember sei.  Dennoch: Die Stimmen, die in den vergangenen Monaten an der Sinnhaftigkeit der KHKT öffentliche Zweifel anmeldeten ohne zu fragen, wie es um deren Akzeptanz bei den Studenten bestellt ist, sind seit Semesterbeginn jedenfalls leiser geworden.

Nach monatelangen öffentlichen Kontroversen um die Theologenausbildung haben sich Erzbistum und Hochschule darauf verständigt, dass neue Köpfe frischen Wind in die Hochschule und fachliche Kompetenz in die Finanzplanungen bringen sollen: Anfang Oktober gab das Erzbistum bekannt, dass drei neue, ehrenamtlich tätige Geschäftsführer in den Stiftungsrat  der „Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung im Erzbistum Köln“, der Alleingesellschafterin der KHKT gGmbH als Hochschulträgerin, berufen worden seien: der Theologe Andreas Grueterich, der Unternehmer Rüdiger von Stengel, Vorsitzender der Diözesangruppe Bonn des Bundes Katholischer Unternehmer, sowie der Finanzfachmann Andreas Reimann. Sie bringen, wie es heißt, Erfahrungen als Manager aus den Bereichen Ingenieur- und Gesundheitswesen sowie Bildung, Recht, Immobilien, Strategie und Unternehmensführung mit.

Achillesferse Finanzierung

Seit 7. Oktober amtet zudem Christian Georg übergangsweise als Kanzler der KHKT. Seine glücklos agierende Vorgängerin Martina Köppen wurde von der neuen Geschäftsführung als Vertreterin der Gesellschafterin der KHKT gGmbH abgelöst. Georg verfüge über eine langjährige Erfahrung in Holdinggesellschaften im Finanzbereich und über umfangreiche Kenntnisse des öffentlichen Sektors, heißt es. Über die Gründe, die zu Köppens Ablösung als Kanzlerin und als Geschäftsführerin der KHKT gGmbH geführt haben, erteilt die Hochschule derzeit „aus rechtlichen Gründen“ keine Auskunft. In den letzten Monaten war die Juristin zunehmend in die Kritik geraten, weil es ihr dem Vernehmen nach nicht gelungen war, das für die Finanzplanung der Hochschule unverzichtbare Fundraising effizient zu betreiben.

Zukünftig sollen die Geschäftsführung der KHKT gGmbH und der Stiftung personell getrennt bleiben. Für die personelle Trennung der Geschäftsführung der KHKT gGmbH und der Stiftung spricht aus Sicht der Hochschule, dass die Stiftung die Alleingesellschafterin der KHKT gGmbH ist und insbesondere ihre Arbeit finanziell und ideell unterstützen, aber auch kontrollieren soll. „Sie sollte sich ganz auf diese Aufgabe konzentrieren können“, heißt es auf Anfrage. Eine personelle Überschneidung mit der hauptamtlichen Geschäftsführung der KHKT gGmbH könne in der Praxis leicht zu Interessenkonflikten führen und widerspreche auch einem System der gegenseitigen Kontrolle.

Die Achillesferse der Hochschule besteht vorerst in der Finanzierungsfrage. Die laufenden Kosten bestreitet das Erzbistum derzeit aus einem überschaubaren Fonds, der dem Erzbischof zur Verfügung steht. Im November sollen der Wirtschaftsplanausschuss sowie der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat über Planungen der Stiftung für das Jahr 2023 beraten. Die Stiftung hat bislang keinen Wirtschaftsplan für das kommende Jahr vorgelegt. Dann wird auch die Frage zu behandeln sein, wie eng die ursprüngliche Zusage des Erzbistums, keine Kirchensteuermittel für die Hochschule zu verwenden, inzwischen gesehen wird. Im laufenden Geschäftsjahr betrug der Finanzierungsbeitrag gut 3,2 Millionen Euro. Angesichts des Haushaltsüberschusses des Erzbistums von knapp 85 Millionen im vergangenen Jahr steht zwar für Beobachter die Option einer vorübergehenden Kirchensteuerfinanzierung der KHKT im Raum, bis eine tragfähige Finanzierungsbasis vorhanden ist. Das Erzbistum Köln dämpft in diesem Zusammenhang allerdings die Erwartungen: Es richte seine Finanzpolitik langfristig aus und nehme für die wirtschaftliche Steuerung daher andere Zeiträume in den Blick. Auf Anfrage dieser Zeitung heißt es, die isolierte Betrachtung eines einzelnen Jahres sei nicht sinnvoll, zumal sich das Erzbistum Köln langfristig mit einem ganz erheblichen Rückgang der realen Finanzkraft konfrontiert sehen werde. Auf der Hausaufgabenliste der Stiftung steht neben dem Aufbau des Fundraisings auch die Weiterentwicklung der KHKT.

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Internationale Kooperation

Was hat die Kölner Hochschule bereits angepackt? Der internationale Faktor in der Tradition der Steyler Missionare zeigt sich am Vernetzungwillen: Die Hochschule verweist auf Kooperationen im Rahmen von Studien- und Forschungsaufenthalten mit römischen Hochschulen, mit der Kanonistischen Fakultät der Universität San Damaso in Madrid, der Katholischen Universität  Avila und entsprechenden Planungen mit der Päpstlichen Universität Mexiko sowie Hochschulen in Schweden, Kroatien, Österreich und der Schweiz. Zu den Leuchtturmprojekten zählt die Hochschule das DFG-Projekt: „Philosophische Hermeneutik der religiösen Erfahrung in Luigi Pareyson und seiner Schule“ sowie die für den Zeitraum bis 2030 geplante Neuauflage des renommierten Lehrbuchs Aymans-Mörsdorf für Kanonisches Recht. In der Planung befindet sich ferner das DFG-Projekt „Kirchliche Rechtssprache“. Auf der Forschungsliste der Kölner Hochschule stehen fern das Quodlibet-Stipendium sowie der Aufbau einer Forschungsstelle zur Theologie Joseph Ratzingers.

Elmar Nass, Lehrstuhlinhaber für Christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlichen Dialog, hat soeben in den USA sein Grundlagenwerk „Christian Social Ethics“ veröffentlicht und will die gesellschaftliche Relevanz der Hochschule stärken, als externer wissenschaftlicher Sachverständiger in puncto Grundsatzprogramm der CDU und als Berater zu Fragen der Friedensethik.

Landesregierung rudert zurück

Die nordrhein-westfälische Landesregierung rudert inzwischen zurück. Auf eine Anfrage von drei SPD-Abgeordneten bescheinigt die Landesregierung der Bonner Fakultät am 7. Oktober zwar, dass ihre „prägende Rolle in der durch das Preußenkonkordat gesicherten Priesterausbildung über viele Jahrzehnte gewachsen sei". Die räumliche Nähe der KHKT zu Bonn spielt für die Landesregierung offenbar keine Rolle. Wörtlich heißt es im Text: „Für die staatliche Anerkennung von nichtstaatlichen Bildungseinrichtungen sind standort-strategische Überlegungen des Landes im Hinblick auf bereits bestehende Bildungsangebote von Hochschulen in staatlicher Trägerschaft vor Ort im Hochschulgesetz NRW nicht vorgesehen und bleiben bei der Prüfung der Anerkennungsvoraussetzungen außer Betracht.“

Noch vor wenigen Wochen hatte die Landesregierung im Hinblick auf das so genannte Preußenkonkordat schrille Töne angeschlagen und darauf gepocht, dass die KHKT keine Priester des Erzbistums Köln ausbildet. Die Hochschule sei aufgefordert worden, allen nach dem Wintersemester 2019/2020 eingeschriebenen angehenden Priestern einen Wechsel an die Universität Bonn nahezulegen, hieß es in einem Bericht von Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) an den Landtag. Sogar die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens beim Heiligen Stuhl wurde dem Erzbistum in Aussicht gestellt, sollte sich dieses nicht an die Anweisungen handeln, keine Priesteramtskandidaten nach Bonn zu schicken. Die 2020 erteilte staatliche Anerkennung für die KHKT bezog sich nach Angaben der Ministerin auf die Priesteramtskandidaten, die bis zum Wintersemester 2019/20 an der Ordenshochschule der Steyler Missionare eingeschrieben waren. Nachdem das Erzbistum die Hochschule übernommen hatte, sollte ihnen ermöglicht werden, ihr Studium dort zu beenden.

Der Prognose des Kölner Kardinals, dass angesichts sinkender Christenzahlen auch die Existenz theologischer Fakultäten an staatlichen Universitäten in Frage steht, hat allerdings auch Brandes nicht widersprochen.

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