Würzburg

Exercitium: Gott von Gott, Licht vom Lichte

Manchmal scheint Licht in unser Leben. Kommt es von Gott?, fragen dankbar und bejahend die einen. Andere beginnen zu zweifeln, ja zu hassen.

Das Licht Gottes im Leben
Es gibt Lebensaugenblicke, da man ein Licht, das "von anderswoher" kommt, einmal beglückend erfahren hat. Foto: stock.adobe.com

Etwas strahlt herein, aus einer anderen Sphäre. Wer verirrt, allein und verlassen in einem nächtlichen Wald auf einmal ein Licht sieht, denkt an Rettung. Und überhaupt gibt es Lebensaugenblicke, da man ein Licht, das „von anderswoher“ kommt, einmal beglückend erfahren hat. Manchmal sagt man: Gerade ging ein Engel durchs Zimmer. Oder man hat davon gehört, man ahnt zumindest: Ja, so etwas könnte es geben, auch wenn ich es noch nicht erlebt habe. Viele sehnen sich danach.

Nach drei Tagen lebt das Licht

In dem Augenblick, da diese Strahlung bemerkt wird, geschieht aber etwas Merkwürdiges. Denn nun teilt sich die Welt. Die einen empfinden sich beschenkt über alle Vorstellung hinaus, als Kinder Gottes. Andere beginnen im gleichen Augenblick damit, dieses Strahlende erst polizeilich auszukundschaften, dann zu bedrohen, zu verfolgen, mit Steinen nach ihm zu werfen; sie versuchen, es mit Fangfragen in die Enge zu treiben, zu verleumden, zu verhören, zu quälen und am Ende zu kreuzigen. Es erlischt. Und doch, nach drei Tagen lebt das Licht!

Ich kann gar nicht anders, als diese Geschichte für wahr zu halten. Ich wüsste auch gar nicht, wo hier ein Zweifel ansetzen sollte. Im Gegenteil: Mir scheint sie eine innere Notwendigkeit zu haben, sie ist die einzige in einem belangvollen Sinne wahre, sofort einleuchtende Geschichte, die ich kenne; sie ist „wahrer“, wenn man das so sagen darf, und sagt Wesentlicheres als die gleichfalls wahre Auskunft, dass Friedrich der Große im Ersten Schlesischen Krieg am 26. Januar 1741 die Stadt Jauer besetzte. Denn diese Episode hätte auch anders ausgehen können, vielleicht irrte sich nur der Chronist, während unsere Geschichte eine Art von „Anders kann es nicht gewesen sein“ bei sich trägt. Aber warum wird das Licht verfolgt und gekreuzigt, obwohl es doch Licht ist? Eben darum, mein Freund: Nicht „obwohl“, sondern „weil“! Wen sonst sollte man denn verleumden und kreuzigen, wenn nicht das Licht? Erst jetzt lohnt sich doch das Morden wirklich. Der „Fürst dieser Welt“, wie er in der Bibel genannt wird, will sich seinen Rang von diesem Licht nicht wegnehmen lassen. Teuflisches Wirken ist die Verleumdung; vom griechischen Wort „Diabolos“ für Verleumder.

Christsein heißt oft auch, verfolgt zu werden

Schon sind wir nicht mehr irgendwo, sondern mitten im Glaubensbekenntnis, das sagt: „Gott von Gott, Licht vom Lichte“ (Deum de Deo, lumen de lumine), Der Prolog des Johannes-Evangeliums spricht die gleiche Sprache, er umkreist das Geschehen, das wir zu schildern versuchten, in mehreren Neueinsätzen: „In ihm war das Leben,/ und das Leben war das Licht des Menschen.“ (Joh 1,4). „Und das Licht scheint in der Finsternis,/ und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“ (Joh 1,5). Und weiter: Das Wort „war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet; es kam in die Welt“ (Joh 1,9). Das Licht ist das Herrlichste überhaupt, und zugleich ist es, fast paradox, auch Gnade (Joh 1,14).

Diese Geschichte wird mit großen und mit kleinen Darstellern, einmal mit wirklichen und ein anderes Mal nur symbolischen Vernichtungsversuchen, immer wieder aufgeführt. Christsein heißt oft auch, verfolgt zu werden. Martin Mosebach hat in seinem großen und ernsten Buch über die 21 von Islamisten ermordeten (und dabei abgefilmten) koptischen Christen dieser hierzulande ungern gehörten Wahrheit wieder zu ihrer Geltung verholfen. Aber man denke auch an die maßlose Polemik, die sich wohl nicht zufällig vor allem gegen Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI. richtete und stets noch richtet und die in Deutschland etwa das Buch „Der gefährliche Papst“ von Alan Posener hervorgebracht hat.

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