Kairo

Credo: Zukunft der Kirche (im Nahen Osten)

Die Kirche ist eine Gemeinschaft des Trostes, die sich gegenseitig Mut macht und sich aufrichtet. Diese Erfahrung hat Joachim Schroedel besonders in Jerusalem gemacht.

Blick über Jerusalem
Blick über die Altstadt von Jerusalem: Hier hat Joachim Schroedel die Erfahrung einer Kirche als Gemeinschaft des Trostes gemacht. Foto: Stefanie Järkel (dpa)

Ich hatte die Freude, 1976/77 am ökumenischen Studienjahr des Athenäums St. Anselmo teilnehmen zu können, das in der Benediktinerabtei „Dormitio Mariae“ in Jerusalem stattfand. Wir waren Studentinnen und Studenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, Priesteramtskandidaten und Laientheologen, Frauen und Männer – und natürlich unterschiedlichen Traditionen angehörend. Wir konnten uns den Luxus leisten, trefflich theologisch zu streiten – uns allen war dies wohl eine unvergessliche Zeit.

Doch der Nahe Osten, in dem wir lebten, hielt uns noch eine andere Facette vor Augen; die Begegnung mit den orientalischen Kirchen und mit dem Islam. Schon vor über 40 Jahren mussten wir hören, dass die Zahl der Christen immer weiter abnehme, Jerusalem werde in wenigen Jahrzehnten nur noch ein „christliches Museum“ sein. Die Kirche, so hörte man überall recht dramatisch, werde verschwinden.

Nun, nach dieser langen Zeit, gibt es von allen christlichen Gemeinschaften immer noch Gruppen, die als „Urchristen“ in Palästina/Israel leben. Orthodoxe und mit Rom unierte Griechen, Armenier, Kopten... und natürlich auch römisch-katholische und evangelische Christen.

Auf dem Ölberg über Jerusalem hat der irdische Jesus von seinen Jüngern Abschied genommen. Doch seine Himmelfahrt endete nicht mit dem verstörten Blick in den Himmel. Die Engel verkünden die Wiederkunft des Herrn (Apg 1,1–11). Die Kirche, die auf dem Fundament der Apostel gegründet wurde und von der es heißt, „die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ ist und bleibt nicht eine Einrichtung für die Ewigkeit. Die Kirche ist, wie alle Glieder in ihr, „in statu viatoris“, also auf dem Weg. Die Kirche ist „Trost-Gemeinschaft“, in der sich die Menschen gegenseitig Mut machen und sich aufrichten im Blick auf den wiederkommenden Christus. Immer wieder sagten uns unsere nahöstlichen Gesprächspartner, dass es darauf ankomme, den Blick zu erheben auf ihn, den Retter der Welt. Kirche könne nur vorsichtig das abbilden, was bei seiner Wiederkunft uns allen bevorsteht, wenn wir es denn wollen: Die ewige Vollendung, das Himmelreich. So leben auch heute die Christen des Nahen Ostens „sub specie aeternitatis“ – im Blick auf die Ewigkeit.

Die Kirche ist dazu bestimmt, zu enden

Dass dieser Blick auf eine uns verborgene, aber dennoch offenbarte Zukunft die gesamte Lebenswirklichkeit verändert, sollte klar sein. Ja, es ist Trost. Aber keine billige „Vertröstung“, sondern besiegelt durch die Gewissheit der Auferstehung des Herrn, der den Tod überwunden hat.

Wenn heute gerade in Deutschland Prozesse in Gang gesetzt werden, die in die kommenden Jahrzehnte „Kirche“ planen wollen, geschieht dies sicher mit Sorge. Doch die lebendige Hoffnung, dass Gott auch „auf krummen Linien gerade schreibt“ scheint ausgeklammert. Man will die Kirche umgestalten, wieder attraktiv machen – und vergisst dabei, dass die Kirche dazu bestimmt ist, dereinst zu enden! Die Wiederkunft des Herrn ist ausgeklammert. Vielleicht sind die vielen Vorschläge zur „Erneuerung der Kirche“ schon erste Anzeichen eines Endes. Doch die „Freude auf den Himmel“ kann uns keiner nehmen!

Die Kolumne erscheint zur EWTN-Reihe: „Geht in alle Welt! Christen im Nahen Osten und der missionarische Geist der Kirche.“ Die Sendezeiten entnehmen Sie bitte der Website www.etwn.de.