Woche für das Leben 2018

Die Woche für das Leben findet vom 14. bis 21. April statt und widmet sich der Pränataldiagnostik.

Pränataldiagnostik
Pränataldiagnostik - Schwerpunktthema der Woche für das Leben 2018. Foto: dpa

Pränataldiagnostische Verfahren gehören schon seit Jahrzehnten zum Standard in der Geburtsvorbereitung. Die Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder Mutterkuchenpunktion (Chorionzottenbiopsie) sind dabei invasive Verfahren, die regelmäßig nur bei so genannten „Risikoschwangerschaften“ zur Anwendung kamen, also bei Frauen ab 35 Jahren. Neu hinzu kam die Präimplantationsdiagnostik (PID), die im Zuge der In vitro-Fertilisation eingeführt wurde. Die zur Verfügung stehenden befruchteten Eizellen, also Embryos, werden untersucht und nur der gesündeste implantiert. Survival of the fittest. Nun ist ein dritter Schritt erfolgt: Die Zulassung nichtinvasiver Pränataltests (NIPT), die anhand einer Blutuntersuchung einfach und schnell darüber Auskunft geben, ob eine Genanomalie beim Kind vorliegt oder nicht. Getestet werden kann derzeit auf das Vorliegen von Trisomie 21 (Down Syndrom), Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) und Trisomie 13 (Pätau-Syndrom).

Ethisch ist der Einsatz der technischen Möglichkeiten bedenklich. Die Entscheidung zur Zulassung der PID in Deutschland wurde von erheblichen Bedenken begleitet, gerade weil in der Zulassungsbegründung schamlos davon gesprochen wurde, es gehe darum, beim Kind „schwerwiegende Behinderungen“ auszuschließen. Der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff sah in der Eingrenzung der Anwendungsfälle, also die Definition von „schwerwiegende Behinderung“, ein erster moralisches Problem: „Der Gesetzgeber stünde [steht, J.B.] vor dem Dilemma, diese entweder durch eine offene Formulierung im Sinne einer Generalklausel zu umschreiben oder eine Liste der Behinderungsformen aufzustellen, die als besonders schwer gelten und durch die Anwendung von PID in Zukunft ausgeschlossen werden sollen. Im ersten Fall wäre eine künftige Ausweitung des Anwendungsspektrums der PID bereits absehbar, im zweiten Fall würde die Diskriminierung der an den aufgezählten Behinderungen leidenden Menschen in unerträglicher Weise verstärkt“ (S. 376).

Schockenhoff erteilt der PID eine klare Absage, aus guten Gründen, mal mit Blick auf die Eltern („Es stellt den Gedanken elterlicher Verantwortung auf den Kopf, wenn den Eltern das Recht zugesprochen wird, unter ihren möglichen Kindern diejenigen auszuwählen, deren Lebensqualität voraussichtlich am Höchsten ist.“, S. 373), mal mit Blick auf das Kind, dem man bei der Verhinderung seines Lebens durch PID fraglos unterstellt, „das Nicht-Leben einem Leben mit Behinderung vor[zu]ziehen“, einfach dadurch, dass „die Eltern oder der behandelnde Arzt ihr eigenes Urteil auf das Kind projizieren“ (S. 374). Der Moraltheologe Schockenhoff bleibt in seiner Argumentation philosophisch, wenn er eingedenk der Vergegenständlichung des begutachteten Embryo feststellt: „Das Verfahren der PID beruht somit in klar erkennbarer Weise auf jener totalen Instrumentalisierung, die Kant in der so genannten Selbstzweck-Formel des kategorischen Imperativs als mit der Menschenwürde unvereinbar erkannte.“ (S. 375, Hervorhebung im Original). Besonders drastisch wird diese Instrumentalisierung bei der Herstellung von „Rettungsgeschwistern“ mit Hilfe der PID, ein Verfahren, das seit 2008 in Großbritannien erlaubt ist und „in mehrfacher Hinsicht“ als ethisch bedenklich gelten muss: „Ein erstes Bedenken, das für sich genommen bereits ausreicht, um die ethische Missbilligung dieser Verwendungsform von PID zu begründen, bezieht sich auf diejenigen Embryonen, die für den fremdnützigen Gebrauch nicht geeignet sind. Hierbei handelt es sich um gesunde, an sich lebensfähige Embryonen, die aus dem einzigen Grund verworfen werden, weil sie die erforderlichen Kompatibilitätskriterien mit dem Gewebe des erkrankten Geschwisterkindes nicht erfüllen.“ (S. 376 f.). „Fremdnütziger Gebrauch“ – Abgründe tun sich auf!

Josef Bordat