Hier bloggen vom 10. bis 22. August Mitglieder des Projektes "junge Federn" der "Tagespost" entweder direkt vor Ort aus Spanien oder als Daheimgebliebene aus Deutschland über den Weltjugendtag 2011 in Madrid. Mitglieder des Projektes sind (in alphabetischer Reihenfolge): Christian Beirowski (Regensburg), Benedikt Bögle (Ettal), Matthias Bürgel (Köln), Rudolf Gherig (Würzburg), Joseph Kauer (Erfurt), Veronika Lange (Magdeburg), Eva Leifeld, Sebastian Pilz (Fulda), Franziska Pröll (Freiburg), Peter Rinderer SDB (Österreich), Reinhild Rössler (Köln), Miriam Schilling (Trier), Theresa Wagener (München), Katharina Wolf, Luise Thiede (Berlin) und Andreas Titze (Görlitz).






18.08.2011 11:47

"Eins werden mit Gott"

Von Clemens Mann, Salamanca
200 Jugendliche aus der bayerischen Diözese Würzburg waren während der Tage der Begegnung im Vorfeld des 26. Weltjugendtages in der spanischen Hauptstadt Madrid in der kastilischen Diözese Salamanca untergebracht. Sieben von ihnen lebten in dieser Zeit gemeinsam in einem Konvent der jungen Gemeinschaft „Maria Estrella de la Manana“ („Maria Morgenstern“) in Ledesma mit den Mitgliedern des Konvents zusammen. Maria Morgenstern ist eine neue, aus zwölf Personen bestehende Bruderschaft, die mittlerweile auf ein zwölfjähriges Bestehen zurückblicken kann. Clemens Mann sprach mit Schwester Clara del Santo Selpulcro (Schwester Clara vom Heiligen Grab) über das besondere Charisma der jungen geistlichen Gemeinschaft und den von ihr seit ihrer Gründung beschrittenen radikalen Weg der Nachfolge Jesu Christi.

Schwester Clara, Sie leben in einer jungen geistlichen Gemeinschaft. Was ist das Charisma Ihrer Gemeinschaft?
Unsere Kommunität Maria Morgenstern ist eine kleine Gemeinschaft von zwölf Brüdern und Schwestern, die sich der Spiritualität und dem Weg des Heiligen Johannes vom Kreuz verschrieben hat. Als Gemeinschaft wollen wir eine Brücke sein zwischen den Juden, dem Volk Israels, und der Kirche. Die Berufung dazu verspürte unser Gründer Bruder Abraham bereits vor 30 Jahren. Vor zwölf Jahren hat der damalige Bischof von Salamanca, Bischof Braulio, der nun Erzbischof von Toledo ist, die Gründung unserer Gemeinschaft angenommen. Er hat unsere Gemeinschaft nach kanonischem Recht anerkannt. Wir wollen unser Leben ganz Gott schenken und damit um die Einheit der Kirche im Allgemeinen beten, im Besonderen aber für die Aussöhnung und Einheit von Kirche und dem Volk Israel. Trotz des schwierigen geschichtlichen Verhältnisses von Kirche und Juden in Spanien spricht man wenig über die Verfolgung und Ausgrenzung der Juden durch die spanischen katholischen Könige. Dabei können Juden und die Kirche der ganzen Welt Zeugnis über das Bild von Gott ablegen. Wie im Bild von Braut und Bräutigam im Hohen Lied der Liebe können wir zusammen sein.

Wie sieht Ihre Arbeit um die Einheit von Kirche und Juden aus?
Unser Leben ist ein kontemplatives Leben. Wir planen nicht verschiedene Sachen oder suchen die Einheit aktiv. Gott hat uns diesen Wunsch in unser Herz geschrieben. Er hat uns diesen Wunsch eingegeben, und nur er allein kann diese Einheit bewirken. Es ist also ein geistlicher Prozess, bei dem wir beten. Natürlich besitzen wir auch verschiedene Zeichen, die das ausdrücken sollen. Außerdem feiern wir jede Woche den Sabbat oder auch die anderen jüdische Feste wie Jom Kippur, das Pessach-Fest oder auch Shukot und so weiter. Wir feiern diese Feste nicht wie die Juden, schließlich sind wir keine Juden, sondern katholisch. Aber wir begehen diese Feiern als ein Zeichen der Liebe zu Israel. In Toledo, unsere Gemeinschaft hat dort ein zweites Haus, existierten im Mittelalter mehrere Synagogen, die wichtigste ist die Synagoge Santa Maria la Blanca. Heute gibt es dort keine jüdische Gemeinde mehr. Der Bischof von Toledo hat die geistliche Verantwortung über die Synagoge Bruder Abraham übergeben. Eine Ausstellung von Bildern will das gemeinsame Zeugnis von Juden und Christen über die Liebe Gottes darstellen. Zu den jüdischen Festen Jom Kippur, Chanuka und Purim veranstalten wir in der Synagoge auch Gebetszeiten für unser Anliegen.

Welcher Gedanke in der Spiritualität von Johannes vom Kreuz fasziniert Sie am meisten?
Johannes vom Kreuz betonte besonders den Gedanken, dass man zu allen Dingen im Leben nein sagen müsse, außer zu Gott. Wir sollen eins werden mit Gott, uns ganz auf ihn konzentrieren. Die Einheit mit Gott ist für unsere Gemeinschaft besonders schön im Bild von Braut und Bräutigam im Hohen Lied der Liebe verdeutlicht. Es ist wichtig für jedes Mitglied unserer Kommunität. Wir wollen in totaler Gemeinschaft mit Gott leben. Sie soll Zeichen für die Einheit mit Gott sein.

Sie haben während der Tage der Begegnung auch Jugendliche aufgenommen. Welche Erwartungen haben Sie an den Weltjugendtag im eigenen Land?
Dass wir Jugendliche aufgenommen haben, betrachten wir als einen Dienst für die Kirche. Wir wollen diese Tage, in denen Jugendliche bei uns sind, auch für den Weltjugendtag leben und dafür beten. Es ist uns wichtig, dass die Jugendlichen erleben, wie wir mit Gott leben. Dabei sollen die Jugendlichen nicht nur essen und schlafen bei uns, sondern wirklich hier mit uns leben und erfahren, dass Gott auch zu ihnen spricht. Wenn Menschen unsere Gemeinschaft besuchen, leben sie mit uns, sie arbeiten mit uns, sie beten mit uns. Es gibt keine Trennung. Wir tun alles gemeinsam und zusammen. Wir sind davon überzeugt, dass Gott die Herzen der Menschen bewegen und wandeln kann.

Die Jugendlichen erhalten einen Einblick in Ihre Gemeinschaft. Was sollen sie bei Ihnen mitnehmen?
Die Jugendlichen sollen nicht nur sehen und hören, sondern mit dem Herzen empfinden, was wir hier leben. Ein Leben mit Gott ist nicht traurig. Wir sind hier glücklich und froh, gerade weil wir unser Leben ganz auf Gott setzen.
Das Leben so radikal auf Gott zu setzen, wie Sie es tun, ist für viele Menschen aus Deutschland unvorstellbar. Sie bitten um Spenden, kaufen selbst keine Nahrungsmittel ein. Selbst der Konvent hier in Ledesma wurde nur mit

Spenden aufgebaut. Eine Krankenversicherung haben Sie nicht, wenn Sie einmal krank werden. Ist dieses Leben in einer radikalen Nachfolge Christi nicht schwer?
Nein, für unseren Gründer war dies sehr klar. Außerdem sehen wir jeden Tag, wie Gott sich um uns sorgt. Er schenkt uns seine Liebe in vielen kleinen Dingen. Schwieriger als unser Leben ist es, wirklich ein einfaches und bescheidenes Leben zu führen fern von jeglichem Egoismus. Jeder von uns hat Wünsche und Sehnsüchte. Als Sünder sind wir aber immer auf dem Weg der Umkehr hin zu Christus. Es ist eine Aufgabe für jeden neuen Tag. Auf diesem Weg der Umkehr müssen wir immer neu auf Christus blicken. Wir müssen immer wieder neu auf ihn vertrauen und seinen Willen hören.

Die Begegnung mit den Mitgliedern der Gemeinschaft „Maria Morgenstern“ ist auch Thema im Weltjugendtagsblog auf www.die-tagespost.de
Informationen zur Gemeinschaft: www.framaria.org

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