Stuttgarter Spezialist für Schall

Über 17 000 Kirchen in ganz Europa hat die Firma Strässer durch ihre Anlagen akustisch optimiert – Papst Johannes Paul II. bedankte sich mit Urkunde. Von Reinhard Nixdorf
Foto: Peter Endig/dpa | Ein akustisch äußerst heikler Kirchenraum ist die Dresdner Frauenkirche. Die Firma Strässer hat die Beschallungseinrichtungen in der „Steinernen Glocke“ geplant.
Foto: Peter Endig/dpa | Ein akustisch äußerst heikler Kirchenraum ist die Dresdner Frauenkirche. Die Firma Strässer hat die Beschallungseinrichtungen in der „Steinernen Glocke“ geplant.

Wer sich in der Kirche verständlich machen will, ist nicht nur theologisch herausgefordert, sondern auch praktisch - und zwar im Gottesdienst, im Kirchenraum: Musik, Predigt und Gebete akustisch unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach.

Ein Spezialist für die Akustik im Kirchenraum ist die Strässer Medien- und Kommunikationssystem GmbH & Co. KG. In den über hundert Jahren seiner Geschichte hat sich das Stuttgarter Unternehmen vom Musikhaus zum führenden Anbieter von Medien- und Kommunikationssystemen gewandelt.

Kirchen sind Hörräume für Sprechen, Musik und Stille. Anforderungen, wie sie nur selten an Räume gestellt werden. In den meist hohen, weiten Räumen erreicht der Schall nicht nur auf direktem Weg das Ohr des Hörers, sondern wird durch Wände und Gegenstände vielfach reflektiert.

Die hohen, steinernen Räume gotischer Kirchen mit wenigen schallschluckenden Elementen lassen viel Hall entstehen – ideal für gregorianische Gesänge. Für Orgel und Chormusik ist eine Nachhallzeit von etwa vier Sekunden optimal. Doch wenn die Nachhallzeit länger als anderthalb Sekunden dauert, beeinträchtigt sie die Verständlichkeit des gesprochenen Wortes.

Am Beginn der Geschichte stand ein Musikhaus

Für den Schall gibt es auch erhebliche Unterschiede zwischen einer leeren und einer voll besetzten Kirche. Die Akustik des Kirchenraums ist heute eher auf die voll besetzte Kirche eingestellt – dabei geht, man mag es beklagen, die Zahl der Kirchenbesucher zurück. Doch Geräusche in einer halb besetzten Kirche werden langsamer: Sie hallen also länger nach. Technische Lösungen sollen helfen, das Wort verständlich zu halten.

Als Carl Strässer 1906 ein Musikhaus gründete, bestand das Angebot aus klassischen Musikinstrumenten. Schon 1922 machte Strässer mit dem Verkauf elektrischer Klaviere erste Schritte hin zur Elektroakustik. Sechs Jahre später folgte die Übernahme der Generalvertretung der VOX Schallplatten- und Apparatefabrik im süddeutschen Raum und die Aufnahme von Grammophonen ins Vertriebsprogramm. Nach der Weltwirtschaftskrise begann das Unternehmen Lautsprecheranlagen zu bauen.

Nach dem Krieg fertigte Strässer elektroakustische Anlagen für Gaststätten, Hotels, Schulen und Bäder. 1951 wurden erstmals Kirchenbeschallungsanlagen in die Produktpalette aufgenommen. 1953 realisierte Strässer mit dem Einbau einer elektroakustischen Anlage in den Kölner Dom sein bis dahin größtes Kirchenprojekt. Ab 1959 wurden erstmals Beschallungsanlagen nach Italien, Österreich, Frankreich und in die Schweiz exportiert. 1965 erfolgte der erste Export in den damaligen Ostblock nach Rumänien. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Unternehmens war die Beschallung der Sporthalle für die Olympischen Sommerspiele 1972 in München.

Übertragungstechnik beim Papstgottesdienst in Fulda

,,Mit Bonifatius begann gewissermaßen die Geschichte des Christentums in Eurem Land. Viele sagen, diese Geschichte neige sich jetzt ihrem Ende zu. Ich sage Euch: Diese Geschichte des Christentums in Eurem Land soll jetzt neu beginnen, und zwar durch Euch, durch Euer im Geist des heiligen Bonifatius geformtes Zeugnis!“ Das sagte Papst Johannes Paul II. bei seinem Deutschland-Besuch 1980 in Fulda. Strässer hatte dafür gesorgt, dass die Worte des Papstes auch von jedem verstanden wurden: Das Unternehmen war beauftragt, die Großübertragung für fünfhunderttausend Gläubige durchzuführen. Papst Johannes Paul II. bedankte sich in einer persönlichen Urkunde.

Die Expansion in viele Länder Europas begann in Frankreich

In den folgenden Jahren realisierte Strässer zahlreiche Projekte im kommunalen und industriellen Bereich. Das Unternehmen avancierte zum führenden Anbieter im Bereich der Kirchenbeschallung.

In den neunziger Jahren wurden die Firmen Strässer France in Straßburg und Strässer Linz in Österreich gegründet. Vertretungen in Holland, Italien, Portugal und in der Schweiz folgten. Das erste Großprojekt von Strässer France war 1995 der Einbau einer Automatik-Anlage mit Schallverzögerung in der alten Krönungskirche der französischen Könige, der Kathedrale von Reims. 1997 folgte das bis dahin umfangreichste Hallenprojekt von Strässer, die Installation einer neuen Beschallungsanlage in der Hanns Martin-Schleyer Halle in Stuttgart.

Groß war das öffentliche Echo auf den Wiederaufbau der 1945 zerstörten Dresdner Frauenkirche. Strässer wurde 1998 mit der Planung der Beschallungseinrichtungen beim Wiederaufbau der ,,Steinernen Glocke" beauftragt. Anlagen von Strässer gibt es auch im Berliner evangelischen Dom und in der Wallfahrtskirche von Altötting. Dass jeder dieser Räume eine individuelle Lösung für eine optimale Beschallung benötigt, liegt auf der Hand. Denn gute Lautsprecheranlagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Sprache, Musik, aber auch Stille möglichst originalgetreu weitergeben. So ist die Arbeit immer ausgetüftelter und komplizierter geworden.

Die Techniker von Strässer unterstützt bei ihrer Arbeit etwa eine Simulationssoftware, die bereits vor der Installation die verschiedenen Beschallungsvarianten vergleicht und abwägt. In siebzehntausend Kirchen in ganz Europa hat Strässer an der Beschallung gearbeitet, viele hundert Projekte in Kommunen, in der Industrie und im privaten Bereich kommen hinzu. Kein Wunder, dass sich Strässer das Motto „Ganz neues Hören“ gegeben hat.

Info: Strässer GmbH & Co. KG

Enzstr. 40, 70376 Stuttgart

Tel.: (07 11) 89 65 15 0

www.straesser.de

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