Stiftung selber machen

Alternative zur Kapital bildenden Förderstiftung: Die operativ tätige Stiftung – Ideeller und ehrenamtlicher Einsatz, der sich lohnt. Von Christoph Konopka und Lars Schäfers
Foto: Christoph Konopka | Stiftungsarbeit bringt Jugendliche zusammen: Timo Gadde und Lars Schäfers von f1rstlife.
Foto: Christoph Konopka | Stiftungsarbeit bringt Jugendliche zusammen: Timo Gadde und Lars Schäfers von f1rstlife.

Gerne stellt das Fundraising einer Stiftung die „funds“, das heißt die finanziellen Mittel der Stiftung, in den Vordergrund. Kapital wird angehäuft, indem eine Stiftung Interessenten zunächst auf eine kleine Spende zielgruppenorientiert anspricht, sie dauerhaft bindet und zu regelmäßigen Spendern, Großspendern und Projektpaten entwickelt. Dieses Vorgehen wird bildlich als „Spenderpyramide“ dargestellt, an deren Spitze dann Vermächtnisgeber, Erblasser und Zustifter zu finden sind. Das über das Fundraising gebildete Kapital der Stiftung wird sodann klug angelegt. Mit ihren Kapitalerträgen kann die Stiftung schließlich ihren guten Zweck unterstützen. – Doch taugt dieses Modell in Zeiten schmaler Erträge, wenn manch kleinere Stiftung kaum die Verwaltungskosten erwirtschaftet und die Inflation auch am Kapital der großen Stiftungen zehrt?

Zur Kapital bildenden Förderstiftung stellt die operativ tätige Stiftung eine Alternative dar. Ohnehin hat keine Stiftung Hände und Füße und benötigt deshalb einen Vorstand als „satzungsgemäßes Organ“. Vielfach sind Vorstandsmitglieder von Stiftungen ohne Vergütung ehrenamtlich tätig. Was eine operativ tätige Stiftung jedoch ausmacht ist, dass sie ihren ideellen Stiftungszweck durch eigenes Handeln, durch eigenen Personaleinsatz erfüllt.

Als Beispiel mag die f1rstlife Stiftung dienen. 2010 gegründet, betreibt die Stiftung ein Online-Magazin, das wie die Stiftung den Namen f1rstlife trägt. F1rstlife ist für ein jugendliches Publikum eine Art Dorf im Internet. Die ebenfalls jugendlichen Redakteure schreiben über das, was sie anspricht und beschäftigt: Schule und Studium, Musik, Sport, aber auch gesellschaftliche Themen, Ehrenamt, Ethos, Lebensschutz und Religion. f1rstlife hat die Kirche im Dorf gelassen und versteht sich als Alternative zu Mainstream-(Online-)Medien, wenn Beiträge aus einer christlichen Perspektive veröffentlicht werden. „Bei unserer journalistischen Arbeit betonen wir Wahrhaftigkeit, Fairness und das persönliche Engagement. Auf Diffamierung, ehrabschneidende Kampagnen, ,Sex and drugs‘ kann guter Journalismus auch im Internet verzichten“, erläutert Timo Gadde, neben seinem Studium an einer Medienhochschule im Nebenberuf Chefredakteur des Online-Magazins. „Journalismus braucht Wertorientierung als festes Standbein.“

Knackpunkt einer operativ tätigen Stiftung ist das Personal. Jede personalführende Organisation fragt sich, wie es ihr gelingen kann, dass die geeigneten Personen zur rechten Zeit am gewünschten Ort zur Verfügung stehen. Auch hier ist Fundraising erforderlich, denn es geht darum, „Schätze zu heben“. Diese Übersetzung aus dem Englischen passt hier besonders gut, denn die Mitarbeiter einer Stiftung müssen sich mit dem ideellen Stiftungszweck identifizieren können.

Dabei sind Menschen, die sich in Stiftungen und anderen Non-Profit-Organisationen engagieren, oft hochmotiviert. Das gilt nicht nur für Ehrenamtliche, die ohne Entgelt in ihrer Freizeit Aufgaben übernehmen. Dies gilt gerade auch für bezahlte Beschäftigte, die auf ein höheres Gehalt oder auf Aufstiegschancen verzichten, um durch ihre Arbeit einem gemeinnützigen Zweck zu dienen. Der ideelle Zweck, die Identifikation mit den Aufgaben und Zielen und das Erleben der gesellschaftlichen Bedeutung des eigenen Einsatzes können dann im Gegenzug zu einer Quelle der Freude und inneren Befriedigung werden.

Letzteres gilt beispielsweise auch für die rund 150 jugendlichen Redakteure des f1rstlife-Magazins, die in ihrer Freizeit die Online-Artikel schreiben. Die Motivation kann dabei unterschiedlich sein, mal ist es das Thema des Artikels, für das der Einzelne brennt, mal ist es die Chance, seine journalistischen Fähigkeiten auszuprobieren. Denn jeder Autor erhält zu seinem Artikel eine fachliche und inhaltliche Stellungnahme und wird in der persönlichen Entwick-lung unterstützt. Und wer veröffentlichte Artikel in guter Qualität liefert, erhält als Zeichen der Wertschätzung ein Entgelt. Gemeinsam einen Schritt zum Erfolg des anderen beizutragen ist allen wichtig, auch wenn dies für die drei nebenberuflich engagierten Mitglieder der Chefredaktion und Geschäftsführung viel Arbeit bedeutet. Außerdem organisieren sie die journalistischen Weiterbildungen und vernetzen die jugendlichen Redakteure zur „f1rstlife Community“.

„Der gemeinsame Glaube ist Basis unserer Zusammenarbeit, die dadurch stets freundschaftlich ist, Freude macht und eine besondere Qualität erhält“, betont Marie-Sophie Maasburg, die dem ehrenamtlichen Vorstand angehört, der die Spenden für das Online-Magazin sammelt. Die Stiftung finanziert nicht nur den laufenden Betrieb der Website, sondern auch die regelmäßigen Redaktionstreffen und Workshops mit namhaften Experten, um die jungen Autoren journalistisch und persönlich weiterzubilden. „Mit unseren Artikeln sprechen wir Jugendliche an, die sich noch nicht mit christlichen Werten beschäftigt haben. Wir machen die journalistisch begabten f1rstlife-Redakteure fit und setzen darauf, dass sie als Publizisten der Zukunft in den modernen Medien für die Wahrheit einstehen!“

Doch es gibt auch Herausforderungen bei der Arbeit einer operativ tätigen Stiftung. Gerade die Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Vorstand und den ehrenamtlichen Redakteuren fordert von den drei Angestellten der f1rstlife-Stiftung ein hohes Maß an Flexibilität. Beispielsweise finden Telefonkonferenzen abends und gemeinsame Sitzungen und Workshops an Wochenenden, also in der Freizeit, statt. Hinzu kommt, dass manchmal auch brandaktuelle Artikel erst am späten Feierabend eintreffen und schon für den nächsten Morgen redigiert und vorbereitet werden müssen. Dies ist wohl nur möglich, weil der Einzelne sich mit der Stiftung so identifiziert, dass die Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit verwischt, weil die Ar-beit kein Dienst nach Vorschrift, sondern ein Dienen an den Autoren und Lesern und für eine qualitative Berichterstattung ist.

Dies passt im Ergebnis zur modernen Motivationsforschung, die Autonomie, Kompetenz-Erleben und Eingebundenheit als wichtige Grundprinzipien einer nachhaltigen Mitarbeitermotivation in Non-Profit-Organisationen formuliert. Menschen möchten sich in ihrer Aufgabe als autonom und initiativ erfahren. Gestaltungsspielräume und Mitsprache sind dafür wichtig. Das Kompetenz-Erleben gelingt, wenn eine herausfordernde Aufgabe erfolgreich bewältigt wird. Und Freiwilligkeit und Engagement wachsen nur auf dem fruchtbaren Boden guter Beziehungen. Es geht also um Sinnstiftung und die Qualität der Zusammenarbeit. Wenn dies beachtet wird, sind der Einzelne und die operativ tätige Stiftung engagiert und zufrieden.

Wie f1rstlife gibt es viele Organisationen, die mit ehrenamtlich Engagierten und einsatzfreudigem angestelltem Personal einen Stiftungszweck verfolgen, der jeden Einsatz lohnt. Wer also eine Stiftung gründen möchte, kann überlegen, ob er Kapital bereitstellt und eine Förderstiftung ins Leben ruft oder ob seine Stiftung selbst operativ tätig wird. Einen guten Zweck kann man auch durch Zustiftung in eine bereits erfolgreiche Stiftung tun oder sich persönlich für eine bestehende Stiftung engagieren. „Anstiften“ lohnt, denn „Anstiften“ bewegt unsere Gesellschaft.

Lars Schäfers ist stellvertretender Chefredakteur des Online-Magazins f1rstlife. Christoph Konopka ist Vorstandsmitglied der f1rstlife Stiftung. Email:

info@f1rstlife-stiftung.de. Internet: www.f1rstlife.de

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