Leuchtturm Kloster

Die Abtei Königsmünster steht in der Tradition ihres Ordensvaters, des heiligen Benedikt

Vor mehr als achtzig Jahren kamen zunächst zehn Mönche der bayrischen Kongregation St. Ottilien nach Meschede im Sauerland, übernahmen dort die Leitung der städtischen Rektoratsschule und bauten sie zum Gymnasium aus. Der Tag des Vertragsabschlusses zwischen dem damaligen Erzabt von St. Ottilien, Norbert Weber, und dem Stadtvorsteher Meschedes, Caspar Ebel, am 2. März 1928 gilt als Gründungstag der Abtei Königsmünster. Der Name leitet sich ab von „Christus König“ und dem lateinischen Wort für Kloster „monasterium“, im Deutschen häufig auch mit „Münster“ übersetzt. 1932 wurde Königsmünster zunächst Priorat, 1956 schließlich zur Abtei erhoben. Ende der siebziger und in den achtziger Jahren unter der Leitung des zweiten Abtes Stephan Schröer wuchs der Konvent zeitweise auf 80 Mitglieder an.

Heute leben 60 Mönche in Königsmünster. Noch immer hat die Abtei keine Nachwuchssorgen; aber gesellschaftliche Veränderungen – vor allem das Fehlen religiösen Lebens in den Familien – wirken sich auch auf die Berufungen für die Orden aus. Dominikus Meier, seit 2001 Abt von Königsmünster, stellt fest: „Die Hoch-Zeiten in den Achtzigern, in denen wir bis zu neun Novizen hatten, sind vorbei – das muss man realistisch sehen. Im Augenblick haben wir immerhin zwei Novizen – am Wochenende kommt der dritte.“ Eine weitere Veränderung der vergangenen Jahre: Traten vor zwanzig Jahren noch viele junge Männer direkt nach dem Abitur ins Kloster ein, sind die meisten Novizen heute schon 30 und älter. Sie haben irgendwann eine Wende in ihrem Leben erfahren, die sie schließlich in den Orden geführt hat.

Eine wesentliche Aufgabe der Benediktiner in Meschede ist seit Jahren die geistliche Begleitung der zahlreichen Gäste, die zu Einkehr- und Besinnungstagen oder zu Exerzitien nach Königsmünster kommen. 20 000 bis 25 000 Übernachtungen zählte die Abtei im vergangenen Jahr, verteilt auf Jugendgästehaus „Oase“ – gegründet 1981 – und auf das vor acht Jahren eingeweihte Exerzitienhaus, das „Haus der Stille“, sowie auf die Gästezimmer in der Klausur des Klosters für männliche Besucher. Nach Königsmünster kommen Menschen vor allem aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen – einige auch von überall aus Deutschland.

Das Leben der Abtei wird durch das benediktinische „ora et labora“, den Wechsel von Gebet und Arbeit bestimmt. Der Tag beginnt um halb sechs Uhr in der Frühe mit der Matutin und der Laudes. Nach dem Frühstück arbeiten die Mönche in der Landwirtschaft oder in anderen Betrieben des Klosters wie Schneiderei und Schmiede oder auch im Klosterladen. Um viertel vor eins beten sie gemeinsam die Mittagshore; auf die Mittagspause folgt wiederum Arbeitszeit– bis zum Konventamt um viertel vor sechs und der anschließenden Vesper. Der Tag schließt mit dem Nachtgebet, der Komplet.

Am Rhythmus der Mönche können auch Gäste teilnehmen

An diesem Rhythmus zwischen Gebet und Arbeit können auch die Gäste teilnehmen. „Der Lobpreis gehört zum Kern unseres Lebens als Mönche“, betont Abt Dominikus Meier. „Es ist deshalb wichtig, dass wir das Gotteslob immer wieder neu in den Mittelpunkt stellen und Menschen helfen, eine wirkliche Gebetssprache zu finden. Viele wissen ja gar nicht mehr, wie sie ihre Fragen, Sorgen und Wünsche in Gebetsanliegen fassen sollen – manche haben vielleicht niemals gelernt zu beten. Ebenso wichtig ist es, dass die Menschen spüren: „Wir werden durch die betende Gemeinschaft der Mönche mitgetragen!“

Der heilige Benedikt ermahnte seine Mitbrüder schon im Vorwort seiner Regel, den Menschen einen Ort zu geben, an dem christliche Gemeinschaft und christliches Leben sichtbar werden sollte. Benedikt verstand eine Mönchsgemeinschaft als „Schule des Glaubens“ – und diese Tradition lebt in Königsmünster weiter. Zwei Elemente, sagt der Abt, prägen benediktinisches Leben: „Eine starke Verwurzelung in der Spiritualität und Tradition unseres Ordens, das heißt, eine gelebte Beständigkeit in Zeiten permanenten Wandels und gleichzeitig der Mut, immer wieder Neues zu wagen, auch neue Formen geistlichen Lebens, gerade für junge Leute.“

Jugendliche und junge Erwachsene finden – seit nunmehr 28 Jahren – in der „Oase“ Aufnahme. Das Jugendhaus der Abtei Königsmünster lädt Schüler ab der zehnten Klasse zu gemeinsamen Besinnungstagen ein. Seit einigen Jahren gibt es auch die Oberstufenakademie in Kooperation mit verschiedenen Gymnasien. Jugendliche, die kurz vor dem Abitur stehen, sind eingeladen, hier Zukunftsperspektiven zu finden. Workshops und Seminare zu verschiedenen religiösen, aber auch zu kulturellen Themen, Kurse in der Fastenzeit – das Programm der „Oase“ ist breit gefächert.

„Die jungen Leute, die zu uns kommen, bringen nicht unbedingt eine kirchliche Bindung mit“, ist die Erfahrung von Pater Nikolaus Nonn. „Meist werden sie von ihrer Schule oder Ausbildungseinrichtung zu uns geschickt. Ich erlebe aber immer wieder, dass junge Menschen schon nach kurzer Zeit, wenn sie unser Kloster kennenlernen, neugierig werden und mehr über unseren Orden und unsere Lebensweise wissen wollen.“

Kirchendistanzierte Jugendliche erleben Christentum ganz neu

Pater Nikolaus erzählt von einer Gruppe junger Männer aus einem Kolleg in Bad Godesberg, die er vor kurzem begleitete: „Einer von ihnen war sehr kirchendistanziert, wollte ursprünglich gar nichts mit Kirche zu tun haben. Und der war ganz schnell so fasziniert, dass er bei jedem Stundengebet dabei war, sich voller Begeisterung an allen Gesprächsrunden beteiligte – jemand, von dem man das nicht erwartet hätte. Und die Erfahrung hier war für ihn eine solche Entdeckung, dass er bei der Verabschiedung sagte: ,Ich möchte gerne wiederkommen!‘“

Es finden jedoch Menschen aller Altersgruppen den Weg nach Königsmünster. Und so wurde im Laufe der Zeit der Wunsch nach einem Haus für Erwachsene – neben dem Jugendhaus „Oase“ – immer lauter. 2001 wurde deshalb das „Haus der Stille“ als neues Exerzitienhaus für Erwachsene eingeweiht. Die Architektur des Hauses ist nüchtern, geradezu karg: ein reiner Betonbau, mit einer großen Glasfassade, die einen freien Blick in die Natur zulässt. Auch die 20 Einzelzimmer im „Haus der Stille“ sind geradezu spartanisch. Aber gerade diese Reduzierung auf das Notwendigste ist für viele Menschen eine neue und bereichernde Erfahrung. Es gibt nichts, was sie – wie sonst im Alltag – von den ihnen wesentlichen Fragen ablenken könnte. Das „Haus der Stille“ bietet Exerzitien für Einzelpersonen, meist über eine Zeit von fünf bis acht Tagen, in denen Zeiten des Schweigens und der Stille, Zeiten der Meditation und Zeiten des Gesprächs wechseln.

Klöster als geistliche Zentren, als Lernorte des Glaubens: Darin liegt auch die Bedeutung von Königsmünster, ist Abt Dominikus überzeugt: „Gerade in einer Zeit, in der die Strukturen der Pfarreien immer mehr auseinanderbrechen, in der Menschen den Bezug zu einem Pfarrer, die Beheimatung in einer Gemeinde oftmals vermissen, sind Gemeinschaften wie die unsere wichtig. Denn es muss Orte geben, wo der Einzelne sich als Betender, als Suchender, als Fragender angenommen weiß.“

Einen Vorteil sieht Abt Dominikus auch darin, dass die Spiritualität der Benediktiner eine „sehr geerdete“ Spiritualität ist, also immer eine Rückbindung an den unmittelbaren Alltag hat. „Wir stehen mitten in unserer Zeit. Jedes Kloster nimmt Kinder seiner Zeit auf, und wir müssen uns deshalb Gedanken machen, wie wir die Fragen und Anliegen unserer Zeit in unsere Gemeinschaft hineinnehmen und, davon ausgehend, geistliche Impulse in die Gesellschaft hinaustragen. Was missionarisch sein heute bedeutet, ist eine unserer Kernfragen.“

„Gehet hin in alle Welt und verkündet das Wort Gottes!“ – diesem Wort Jesu wollen die Benediktiner in Meschede gerecht werden, zunächst einmal durch die Entsendung von Missionaren. Brüder aus Königsmünster leben und arbeiten in Afrika und Asien. Anfang Mai geht ein Bruder nach Kuba ins neugegründete Kloster in der Nähe von Havanna.

Die Benediktiner sehen ihren missionarischen Auftrag jedoch keineswegs nur auf die Auslandsmission beschränkt. Vielmehr wenden sie sich ganz bewusst gerade auch den Menschen zu, die zu ihnen kommen und Rat und Orientierung suchen. Diese Menschen wollen die Mönche auf ihren oft verschlungenen Glaubenswegen begleiten. Und aus diesen vielfältigen, oft andauernden Kontakten ist sogar schon manche Berufungsgeschichte entstanden.

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