Haydn beherrscht den Musiksommer, Uraufführungen bereichern ihn

Festivals in Schwäbisch Gmünd, Rom, an der Unstrut, in Ottobeuren und in Bad Wörishofen sprechen zwar zuerst den Klassikfreund an, öffnen sich aber für andere Künste

Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd

„Zwischen Himmel und Erde“: Diesem Thema widmet sich das Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd vom 16. Juli bis 9. August mit Konzerten, Wettbewerben und Kursen. Raum für Besinnung und Musik-Erleben bieten Sakralbauten aus acht Jahrhunderten in und um Schwäbisch Gmünd.

Eröffnet wird das Festival mit einem ökumenischen Gottesdienst, in dem die Mädchenkantorei des Rottenburger Doms singt, geleitet von Domkapellmeister Professor Frank Leenen. Zur Uraufführung kommt dabei ein Kompositionsauftrag des Festivals Europäische Kirchenmusik von Professor Leenen – „Seht, ich mache alles neu“ für zwei gleichstimmige Chöre und Sprecher.

Die Mädchenkantorei des Rottenburger Doms ist einer der drei Kathedralchöre der Bischofsstadt. Mit über 50 Mädchen und jungen Damen im Konzertchor zählt das Ensemble mittlerweile zu den bekannten Mädchenchören der Republik. Der Chor gastierte unter anderem in Indien, Finnland und Bulgarien. Zuletzt folgte er einer Einladung des Bundespräsidenten nach Berlin.

In Schwäbisch Gmünd gastieren unter anderen weiter die Regensburger Domspatzen, das Württembergische Staatsorchester, das Ensemble La Fenice aus Frankreich mit italienischer Barockmusik des 17. Jahrhunderts, die Band QNTAL aus München mit sphärische Klängen des Mittelalters oder das Vokalensemble „Liber unUsualis“ aus Boston mit kunstvollen Motetten des 14. und 15. Jahrhunderts.

Das Festival in Schwäbisch Gmünd bietet jedoch nicht allein Musik, sondern verbindet Musik verschiedener Gattungen und Musik mit anderen Künsten. Aufgeführt wird beispielsweise die Kinderoper „Das Zauberwort“ von Josef Gabriel Reinberger nach dem Märchen „Kalif Storch“ von Wilhelm Hauff. Den schwedischen Stummfilm „Der Fuhrmann des Todes“ aus dem Jahre 1921 nach der gleichnamigen Novelle von Selma Lagerlöf unterlegt Toni Weiser aus Dortmund live mit Orgelmusik. Bach und Mozart sind Themen einer Jazz-Nacht. Barockmusik, Gregorianik und Jazz gehen während eines Konzertes eine experimentelle Verbindung ein.

Beim Festival Europäische Kirchenmusik wird zudem der 11. Internationale Wettbewerb für Orgelimprovisation für junge Organisten im Alter bis 35 Jahre ausgetragen. Die Durchgänge im Heilig-Kreuz-Münster Schwäbisch Gmünd sind öffentlich. Juroren sind Jean-Pierre Leguay (Paris), Hayo Boerema (Rotterdam) und Stephan Beck (Schwäbisch Gmünd).

Ein weiterer Höhepunkt des Festivals: Die russische Komponistin Sofia Gubaidulina erhält am 21. Juli den diesjährigen Preis der Europäischen Kirchenmusik für ihre geistliche Musik. Vor der Preisverleihung werden Werke von Sofia Gubaidulina aufgeführt, unter anderem der „Sonnengesang“ für Violoncello, Kammerchor und Schlagzeug (1997). Auch im Radio ist das Festival für Europäische Kirchenmusik zu hören. SWR 2 überträgt sieben Festival-Konzerte.

DT/sei

Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra im Vatikan

„Für Gott soll man nicht mit der Stimme, sondern mit dem Herzen singen“, hat der heilige Hieronymus einst geschrieben. Das will die gemeinnützige Stiftung „Fondazione pro Musica e Arte Sacra“ unterstützen. Zum Beispiel mit dem „Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra“ vom 18. bis zum 19. November in Roms Patriarchalbasiliken, das schon von Papst Benedikt XVI. besucht wurde, als dieser noch als Kardinal in Rom wirkte. Das Festival erlebt in diesem Jahr seine neunte Auflage und steht im Zeichen des Haydn-Jahres. Begleitet wird das Festival von den Wiener Philharmonikern, die mit den Solisten Ildiko Raimondi und Herbert Lippert Werke von Mozart und Haydn zur Aufführung bringen. Konzerte geben daneben die Camerata Salzburg mit dem Chor des Salzburger Doms, die Hadyns sogenannte Paukenmesse singen. Zudem ist der Chor des „King's College Cambridge“ zu hören. DT/sei

Oberstdorfer Musiksommer mit Gipfelkonzert auf 2 000 Meter

Der Oberstdorfer Musiksommer vom 31. Juli bis 20. August wirbt mit „Konzertanten Variationen“ um Besucher. Höhepunkt soll ein Gipfelkonzert in 2 000 Meter Höhe sein. Die Internationalen Meisterkurse dauern vom 2. bis 13. August. Insgesamt sind nach den Angaben der Veranstalter 40 Konzerte und zwölf Meisterkurse an elf Spielorten geplant.

Der Musiksommer widmet sich in erster Linie dem Gedenken an Joseph Haydn und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das L‘Orfeo Bläserensemble folgt den Spuren Haydns von Paris nach London und stellt dessen Harmoniemusik vor. Junge Zuhörer sollen mit „Papa Haydns kleine Tierschau“ angezogen werden. Den Weg der Kammermusikgattung „Klavierquartett“ von Haydn bis Beethoven beschreibt das Ensemble NeoBarock.

Felix Mendelssohn-Bartholdys „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ steht in zwei Varianten auf dem Programm. Als Streichquartett mit Lesung ist sie in Oberstdorf und Isny zu hören. Als Orchesterfassung spielt sie die Orchester-Akademie der Internationalen Meisterkurse. Das Interregionale Sinfonieorchester, dirigiert von Hermann Bäumer, intoniert das Konzert für Alphorn und Orchester von Daniel Schnyder und die Alpensinfonie von Richard Strauss.

„Wort und Musik“-Konzerte ergänzen den Musiksommer in Oberstdorf. Die Sopranistin Ulrike Sonntag, der Schauspieler Walter Sittler und der Pianist Götz Payer geben den „Sommernachtstraum im Zauberwald“. Der Schauspieler Martin Theuer und der Percussionist Klaus Dreher widmen sich dem Dramolett „Schiller for one“.

Aufwärts geht es bei den „Serenaden in 2 000 Meter Höhe“. Auf dem Nebelhorn spielt die munich brass connection „klassisch-bayerisch-unwiderstehlich“. Beim Open air Galakonzert auf der Kanzelwand zeigt das sonic. art Saxophonquartett sein preisgekröntes Können, während am Schanzenturm die Teilnehmer der Brass-Akademie konzertieren. DT/sei

Festival an der Unstrut für Liebhaber mittelalterlicher Musik

Liebhaber mittelalterlicher Musik ist das Festival „montalbâne“ vom 19. bis 21. Juni auf Schloss Neuenburg und St. Marien Freyurg/Unstrut zu empfehlen. Wer selbst singt und sich in den Techniken dieser Epoche weiterbilden möchte, kann einen Workshop zu mittelalterlichen und traditionellen Gesangstechniken mit Beáta Palya und Maria Jonas vom 17. bis 19. Juni auf Schloss Goseck besuchen. „Modale Klangwelten“ nennt sich der Workshop, der den Teilnehmern zeigen will, was alte Lieder vom Balkan mit Gesängen der Hildegard von Bingen gemeinsam haben.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts unterhielt Landgraf Hermann I. von Thüringen einen der prächtigsten Musenhöfe seiner Zeit. Klangvolle Namen wie Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschenbach begründeten seinen über die Jahrhunderte strahlenden Ruhm. Fast aus mythischer Ferne bezeugen Sagen wie die vom Sängerkrieg oder Tannhäuser den kulturellen Reichtum Mitteldeutschlands. In dieser Tradition sieht sich das Festival „montalbâne“.

Künstler aus aller Welt kommen in die romanische Stadtkirche Freyburg und auf die landgräfliche Neuenburg, um Minnesang und Trompetenklang, jahrhundertealte Lieder aus Italien und Ungarn, Polyphonien aus den romanischen Kirchen Aquitaniens und der Gotik-Kathedrale Notre Dame in Paris zu vergegenwärtigen. Auch ein Festgottesdienst in der Stadtkirche St. Marien steht auf dem Programm. DT/sei

„Das Buch mit sieben Siegeln“ in Ottobeuren: Die Apokalypse

„Das Buch mit sieben Siegeln“ von Franz Schmidt, das das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Manfred Honeck einstudiert hat, prägt ein spätromantisches Konzertwochenende in Ottobeuren. Aufgeführt wird das Oratorium am Sonntag, 21. Juni, 15. Uhr, in der Basilika Ottobeuren.

Der österreichische Komponist Franz Schmidt schuf „Das Buch mit sieben Siegeln“ in den Jahren 1935 bis 1937. Es mag schon eine gewisse (persönliche) Endzeitstimmung in der Luft gelegen haben, als sich Schmidt 1935 – bereits von Krankheit schwer gezeichnet – an die Vertonung dieses gewaltigen Stoffes machte. Mit Ausnahme einiger notwendiger Textkonzentrationen hielt er sich genauestens an die Geheime Offenbarung des Johannes. In höchster Kompositions- und Instrumentationskunst lässt Franz Schmidt die Schrecken und Wunder der sieben Siegel vor den Ohren des Zuhörers entstehen. Dabei berücksichtigt er bewusst musikalische Traditionen, indem er beispielsweise auf Bachs Passionsmusiken ebenso zurückgreift wie auf die Oratorien Joseph Haydns oder die großen Requiem-Vertonungen des 19. Jahrhunderts. Das von den Wiener Symphonikern unter Oswald Kabasta am 15. Juni 1938 uraufgeführte Werk gilt als eines der großartigsten Oratorien der Spätromantik. Nicht zuletzt der ungewöhnlich hohe Schwierigkeitsgrad des Werkes verhinderte lange Zeit weitere Aufführungen. Erst in den letzten Jahren erlebte das Stück eine Renaissance, die sich in zahlreichen Aufführungen und Einspielungen niederschlug.

Zu einem gewaltigen musikalischen Gipfel wurde die bisher einzige Aufführung in der Ottobeurer Basilika anlässlich der „Deutsch-Österreichischen Begegnung“ am 5. Juli 1983.

Zuvor öffnet am Freitag, 19. Juni, 19.30 Uhr, die Ausstellung „Bilder und Skulpturen“ von Thomas Wellner aus Darmstadt im Kursaal Ottobeurens. Das Kammerorchester Solistes Européens aus Luxemburg, widmet sich am Samstag, 20. Juni, 19.30 Uhr, im Kaisersaal der Benediktinerabtei den Komponisten François Devienne, Johann Stamitz, Antonio Vivaldi und Joseph Haydn. DT/sei

Justus Franz & Junge Weltelite in Bad Wörishofen

Justus Franz & Junge Weltelite: Der Nachwuchsförderung unter der Leitung eines prominenten Namens und der Kunst gleichermaßen ist das „Festival der Nationen 2009“ in der Kurstadt Bad Wörishofen vom 25. September bis 3. Oktober verpflichtet. Justus Frantz, unterstützt von seiner „Philharmonie der Nationen“, hat hier in den vergangenen Jahren Solisten gefördert, die den Sprung zu einer internationalen Karriere geschafft haben.

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr Konzerte mit Musik von Joseph Haydn. So heißt etwa eine Veranstaltung „Klassik für alle – auf den Spuren von Joseph Haydn“. Weitere Konzerte beschäftigen sich mit Händel, Mozart, Smetana, Berg, Britten und Rimsky-Korsakoff. „Classic for Kids“ – so heißt ein eigener Workshop für Kinder. Ein weiterer Prominenter ist Götz Alsmann. Er spielt mit seiner Band das Programm „Engel und Teufel.“ Das Festival endet mit der Vergabe des „Prix Young Artist of the Year 2009“. DT/sei

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