Uelzen

Ein Papst zum Katholisch-werden

Warum ich im Pontifikat des heiligen Johannes Paul II. konvertierte.

Papst Johannes Paul II. in Köln
Der Einzug von Papst Johannes Paul II. in das Köln-Müngersdorfer Stadion im «Papamobil». Foto: Roland Scheidemann (dpa)

Als Papst Johannes Paul 1978 sein Pontifikat antrat, war es in den 70er Jahren in unserer Bundesrepublik-West nicht im mindesten gelungen, die Folgen der 68er Revolte mit deren Programm Abschaffung der Autoritäten, Schwächung der Familie und Entfesselung der Sexualität zu stoppen. Immer mehr Scheidungen, immer mehr Kriminalität, eine antiautoritäre Schul- und Bildungspolitik, immer mehr vergötzter Sex beherrschten die Szene. Die Kirchen begannen sich zu leeren. Eine liberalistische Mainstream-Presse sorgte in zäher Einseitigkeit für eine Dominanz unbekümmerter Selfmademan-Mentalität.

Für wache Christen in diesem Land – mit welcher Einstellung auch immer – wurden deshalb die Aktivitäten des polnischen Papstes Johannes Paul zunehmend beachtenswert. Er gab Lehrschreiben auf Lehrschreiben in die Öffentlichkeit und setzte sich mit Nachdruck für die gesellschaftliche Rückkehr zu christlichen Grundstrukturen ein. Ja, er mischte sich in seinem Land, das unter der  kommunistischen Diktatur ächzte, in die Politik derart ein, dass er der Regierung einen so wirksamen Hinweis gab, dass sich nun in seiner Heimat geradezu eine marianische Wende zu entfalten begann.

Längst gegen Glaubensschwund tätig

In dieser Situation fanden die aufrüttelnden Zurufe des polnischen Papstes auch hierzulande immer mehr Aufmerksamkeit. Da war nun endlich – auch von der Kirche her – ein aktives Stemmen gegen den Verlust der christlichen Grundlage unserer Kultur und damit gegen die Gefährdung der europäischen Zukunft. Als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (damals noch evangelisch-lutherisch) wurde ich, die ich längst öffentlich gegen den Glaubensschwund und gegen die Zerstörung der Strukturen tätig geworden war, oft eingeladen zu Veranstaltungen und Messen, sogar von katholischen Gemeinden – besonders von denen, die dem Papsttum in Festigkeit gehorsam waren. Dadurch hatte ich immer mehr Zuneigung zu der mir bis dahin fremden katholischen Glaubenspraxis bekommen. Zunehmend mehr wurde ich erfüllt und befriedet von einer Form, die in den Lehrschreiben des Papstes so deutlich zum Ausdruck kamen. Sein Handeln schöpfte unmittelbar aus der wahren, aber immerhin auch mystischen Quelle: aus Jesus Christus und seiner Verbindung mit der Gemeinde. So wurde für mich das Schrifttum von Johannes Paul zu einer wunderbaren Erfüllung. Dadurch wurde ich immer aufgeschlossener für das Wesen der katholischen Kirche, mit ihrer Eucharistie vor allem. Und dann schloss mich dieser Papst vor allem mit seinem Lehrschreiben „Redemptoris Mater“ auf für die Erkenntnis, dass die Marienverehrung große Bedeutung ganz besonders für unsere Zeit hat; denn jedenfalls in den evangelischen Bereichen hier im Norden wurde die Marienverehrung aktiv bekämpft, nachdem seit dem 19. Jahrhundert hier ein Vakuum entstanden war. Die biblischen Aussagen über Maria wurden in den Predigten der evangelischen Kirche grundsätzlich ausgeblendet.

„Die Christgläubigen bemühen sich,
richten ihre Augen auf Maria,
die als Urbild der Tugenden voranleuchtet.“

So kann sich Glaube kraftvoll entfalten

Erschreckt hatte ich entdeckt, dass für meine besorgt gewonnenen Einsichten in der Praxis über den Verlust der Jungfräulichkeit bei vielen Mädchen der jungen Generation hier ein Vorbild fehlte, was insgesamt auch mithilfe der Antibabypille bereits zum Geburtenschwund beigetragen hatte. Dadurch hatte es mich – gleichlaufend mit dem Ärger über die heidnischen Aktivitäten in der evangelischen Kirche bei uns im Norden – nun geradezu fasziniert, mit dem Reichtum der katholischen Tradition durch Papst Johannes Paul, immer im Kontext mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, vertraut gemacht zu werden. So ausgerichtet las ich im März 1987 sein Lehrschreiben „Redemptoris Mater“ – über Maria gleich mehrere Male. Ich geriet darüber in wachsende Begeisterung, ja, ja, ja, diesen Balken unseres Glaubens benötigen wir heute dringend gegen ein Abdriften in die Beliebigkeit und Glaubenslosigkeit!

Johannes Paul bringt es zum Ausdruck, wie sich Glauben neu kraftvoll entfalten kann. Denn diese gläubige junge jüdische Frau erhielt vom Herrn einen so ungewöhnlichen Auftrag, der ihr zunächst gänzlich unverständlich sein musste. Doch sie besiegte ihr Erstaunen darüber mit dem absoluten Vertrauen zu ihrem himmlischen Vater, dem Allmächtigen. Dieser Entschluss eines freiwilligen, absoluten Gehorsams, dieses uneingeschränkte JA zu ihrem Gott, dem Taktgeber ihres jungen Lebens, das war doch der Pfeiler, der es ihr möglich machte, ihr unendlich schweres Schicksal zu bestehen. Für mich war es die Aussage von Johannes Paul, dass diese mit Vernunft und Liebe dargestellte Bedeutung des gesamten Weges der heiligen Himmelskönigin für uns alle eine Glaubensvertiefung hervorrufen könnte, die eine Sanierung bewirken würde.

Johannes Paul schreibt zum Beispiel in der Einleitung: „Es geht hierbei nicht nur um die Lebensgeschichte der jungfräulichen Mutter, um ihren persönlichen Glaubensweg und um den ,besseren Teil‘, den sie im Heilsgeschehen hat, sondern auch um die Geschichte des gesamten Gottesvolkes...“ Und weiter: Maria „weist auf die innere Geschichte hin, sozusagen auf die Geschichte der Seelen. Das ist aber auch die Geschichte der Menschen, die auf dieser Erde der Vergänglichkeit unterworfen und von der geschichtlichen Dimension umfasst sind.“ Und weiter: „Die Christgläubigen bemühen sich, richten ihre Augen auf Maria, die als Urbild der Tugenden voranleuchtet.“

Seine Klarheit im Glauben leuchtet bis heute

Ohne Wenn und Aber, mit fröhlicher Zustimmung durch unseren hiesigen Gemeindepfarrer, wurde ich in einem feierlichen Akt am 17. Juli 1987 in die katholische Kirche aufgenommen. Bis heute hat mich in den folgenden 33 Jahren die Gottesmutter Maria tröstend begleitet und zu umfriedeter Gelassenheit geführt – trotz des entfesselten, unbußfertigen Unglaubens in unserer Republik. Auch heute wirkt die Glaubensklarheit von Johannes Paul befruchtend in die Gemeinden hinein. Auch heute gilt für uns das, was er in seiner Enzyklika über Maria schreibt. Auch heute lohnt es, sich mit den Worten von Johannes Paul in seiner Enzyklika „Redemptoris Mater“ ermutigen zu lassen.
So schreibt er: „Man kann daher sagen, dass die Frau durch den Blick auf Maria dort das Geheimnis entdeckt, wie sie ihr Frausein würdig leben und ihre wahre Entfaltung bewirken kann. Im Licht Marias erblickt die Kirche auf dem Antlitz der Frau den Glanz einer Schönheit, die die höchsten Gefühle widerspiegelt, deren das menschliche Herz fähig ist: die vorbehaltlose Hingabe der Liebe; eine Kraft, die größte Schmerzen zu ertragen vermag; grenzenlose Treue und unermüdlicher Einsatz; die Fähigkeit, tiefe Einsichten mit Worten des Trostes und der Ermutigung zu verbinden.“

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