„Der Ort strahlt einfach Ruhe aus“

Das Bildungs- und Exerzitienhaus Maria an der Sonne in Schmerlenbach feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen

Berthold Uphoff (53) ist Theologe und Pädagoge. Seit 1990 ist er im Tagungszentrum Schmerlenbach der Diözese Würzburg tätig, seit 2001 als leitender Rektor. Das bis letztes Jahr unter dem Namen Bildungs- und Exerzitienhaus Maria an der Sonne bekannte Haus ist für 40 Menschen Arbeits- und Ausbildungsstätte. Das bei Aschaffenburg gelegene Zentrum feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sprach Johannes Zang mit dessen Rektor.

In Deutschland bieten über hundert katholische Bildungshäuser und -werke Kurse und Seminare an.

Wie unterscheidet sich Schmerlenbach von anderen Einrichtungen?

Schmerlenbach unterscheidet sich einmal durch seine Tradition: Es ist ja eine ehemalige Klosteranlage, die 1218 gegründet wurde und fast 600 Jahre bestand. Die ganze Anlage atmet dieses historische Flair. Zum Zweiten sind wir mitten im Grünen eingebettet und viele, die zu uns kommen, schätzen die Lage des Hauses sehr. Der Ort strahlt einfach Ruhe aus. Man findet hier neben dem Tagungsbetrieb Erholung und Entspannung.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei Ihren Veranstaltungen?

Religiös-theologische Bildung, spirituelle Bildung und der Bereich Fort- und Weiterbildung von Ehrenamtlichen im kirchlichen Bereich. Bei der theologischen Bildung spielen Bibeltheologie und interreligiöse Bildung und Dialog eine besondere Rolle. Das sind zwei Schwerpunkte, wo sich Schmerlenbach von anderen Häusern abhebt. Natürlich haben wir auch ein breites Spektrum kreativer Angebote, aber die prägen nicht so sehr das spezifische Profil unseres Hauses.

Blickt man auf Ihr Halbjahresprogramm 2010 mit seinen 42 Angeboten, fallen etliche Holzschnitz-, Kalligrafie-, Qi Gong- und Yogakurse sowie Seminare zur Gesprächsführung auf. Finden diese Kurse mehr Zuspruch als die eindeutig spirituellen Angebote?

Das kann man so nicht sagen. Etwa ein Drittel unserer Teilnehmer sind im theologisch-biblischen sowie spirituellen Bereich; ein Drittel kommt aus dem Bereich Lebensbildung wie Fasten- oder Yogakurse, wo wir Kursleiterinnen und Kursleiter haben, die das ganz bewusst von einer christlichen Perspektive aus angehen. In letzter Zeit koppeln wir immer mehr diese kreativen Kurse mit religiösen Inhalten. Da greifen wir auf, was die benediktinische Spiritualität ausmacht, ora et labora. Wir sind im Moment in der Planung, einen Kurs Korbflechten mit Exerzitienangebot zu koppeln, etwas Handwerkliches zu arbeiten, und sich gleichzeitig auf sein Leben zu besinnen.

Welches sind die beliebtesten Kurse?

Das ist schwer zu sagen. Alles im Bereich Lebensfragen oder Gesundheit wie Yoga- oder Fastenkurse sind eigentlich Selbstläufer. Bei den Veranstaltungen, die wir selber machen, ist die Auslastung gut bis sehr gut.

Wie würden Sie den Auftrag Ihres Hauses benennen?

Wir haben dieses Jahr 25-jähriges Bestehen unseres Hauses. Das Motto dieses Jubiläumsjahres ist Bildung und Gastlichkeit. Wir haben ein eigenes Bildungsangebot, sind aber auch eine Einrichtung, die viele Gäste aufnimmt, die das Haus als Tagungshaus nutzen. Schmerlenbach ist ursprünglich eine benediktinische Gründung gewesen und Gastlichkeit ist etwas, was die benediktinische Tradition und Spiritualität sehr prägt. Da fühlen wir uns auch ein Stück in dieser benediktinischen Tradition. Ansonsten haben wir das Motto, das sehr offen formuliert ist, ein Zitat von Buber: Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Das Haus soll dazu dienen, dass Leute nicht nur anderen Menschen begegnen, sondern anderen Ideen und Vorstellungen, sich ein Stück mit Anderem auseinandersetzen, auch inhaltlich. Letztlich möchten wir mit den spirituellen Angeboten unseres Hauses auch eine spirituelle geistliche Begegnung ermöglichen, letztlich die Begegnung mit Gott. Von daher spielt der Begriff Begegnung für uns eine ganz, ganz große Rolle. Daher kommt die Motivation, diesen Schwerpunkt interreligiöser Dialog bei uns deutlicher in den Vordergrund zu heben.

Woher kommen die Teilnehmer der Kurse und Seminare?

Ich muss es schätzen: Mit Sicherheit kommen zwei Drittel, wenn nicht drei Viertel aus der Diözese Würzburg. Da wir eine Randlage haben, sind viele der Teilnehmer aus Hessen, das heißt Diözese Mainz. Es sind höchstens 20 Prozent, die von weiter her kommen. Wir haben immer wieder einen Kalligraphie-Kurs, das ist was ganz Spezielles, da werden im Übrigen auch alte religiöse Texte, auch Gebete, geschrieben, da kommen Leute aus Norddeutschland. Wir haben über viele Jahre Ikonenkurse gehabt, da kamen Teilnehmer aus Holland.

Wenn Sie die externen Gruppen, Pfarrgemeinderäte, Leitungen caritativer Einrichtungen, Vereine und Firmen dazurechnen, wieviele Gäste empfangen Sie im Jahr?

Es sind zwischen 12 000 und 13 000 Gäste, die pro Jahr hierher kommen. Davon sind etwa zehn Prozent Teilnehmer aus dem nichtkirchlichen Bereich. Da sind wir ganz offen.

Wird es eine Jubiläumsfeier geben?

Es gibt mehrere Veranstaltungen in diesem Jubiläumsjahr. Seit vielen Jahren gibt es in der Fastenzeit die Reihe Große Gestalten des christlichen Glaubens und da haben wir uns dieses Jahr bewusst Benedikt von Nursia genommen, Bernhard von Clairvaux, Norbert von Xanten und den Hl. Dominikus. Es wird eine Veranstaltung mit Weihbischof Boom über das Thema Pilgern geben, weil wir auch ein Wallfahrtsort sind – Aufbrechen, um anzukommen, Lebensweg als Pilgerweg. Die zentrale Jubiläumsveranstaltung ist am 9. Oktober: ein Pontifikalamt mit Bischof Friedhelm und anschließend ein Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Hauses.

Was wünschen Sie sich zum Jubiläum?

Ich wünsche mir, dass im Jubiläumsjahr noch mehr Leute als bisher auf unser Haus, auf unsere Angebote aufmerksam werden, und noch mehr entdecken, dass Schmerlenbach nach wie vor von Klosterzeiten bis heute ein Ort der Besinnung, der Begegnung ist – und dass dies noch mehr ausstrahlt weit über unsere Diözese hinaus.