Auf Don Boscos Spuren

Salesianische Jugendbewegung erlebt Tage der Begegnung in Barcelona Von Peter Rinderer SDB

Die Herz-Jesu-Kirche auf dem Tibidabo. Foto: Archiv
Die Herz-Jesu-Kirche auf dem Tibidabo. Foto: Archiv

Don Bosco hat in der spanischen Hafenstadt Barcelona auf den ersten Blick unscheinbare, aber doch tiefe Spuren hinterlassen. Während der „Tage der Begegnung“, zu denen die spanischen Bistümer unmittelbar vor dem Papstbesuch in Madrid eingeladen haben, stoßen tausende junge Menschen auf den italienischen Heiligen und sein Erbe.

Der italienische Priester Johannes Bosco (1815–1888) gründete 1846 das erste Oratorium in Turin-Valdocco für benachteiligte Jugendliche. Als sein Werk wuchs, rief er die salesianische Kongregation ins Leben. Ab 1863 wurden weitere Werke in Italien eröffnet und 1875 sandte Don Bosco die ersten Missionare nach Argentinien. In dieser Zeit wuchs sein Bekanntheitsgrad in ganz Europa und viele Bischöfe und Wohltäter baten die Salesianer, die Jugend in ihren Diözesen zu unterstützen. Nach Spanien kamen die Salesianer 1881 auf Bitten des Erzbischofs von Sevilla, Joaquín Lluch y Garriga.

Kurze Zeit später erhielten die Patres den Ruf nach Barcelona. Die wohlhabende Witwe Dorotea de Chopitea (1816–1891) war schon seit geraumer Zeit im Briefkontakt mit Don Bosco. Sie gilt bis heute als Barcelonas „Mutter der Armen“. Ihr größter Wunsch war, dass sich Salesianer in der Stadt niederließen. Don Bosco nahm das Angebot an und so konnte 1884 ein Berufsausbildungszentrum im Stadtteil Sarria eröffnet werden. Auf mehrfachen Wunsch kam Don Bosco von 8. April bis 6. Mai 1886 persönlich nach Barcelona. Von diesem Aufenthalt berichtete nicht nur sein Sekretär Don Carlo Viglietti mit vielen Einzelheiten, sondern auch die Tageszeitungen schrieben ausführlich über den Besuch des berühmten italienischen Priesters, der die Massen in Bewegung setzte.

Den höchsten Berg der Stadt verschenkt

Don Bosco empfing Persönlichkeiten aus Kirche und Staat, aber auch einfache Bürger, doch am liebsten traf er sich mit den Jugendlichen und hörte ihnen zu. Es wurde von mehreren besonderen Gnaden und Wunder berichtet, die auf die Fürsprache Mariens – von Don Bosco als Helferin der Christen verehrt – geschehen waren. In der Kirche „Nuestra Senora de Belén“ gab er vor tausenden Gläubigen eine Konferenz. Als der Pfarrer sich bedanken wollte, stammelte er von Emotionen überwältigt: „Wir haben hier unter uns einen Heiligen.“

Am 3. Mai 1886 bereitete die Familie Martí-Codolar ein Fest für Don Bosco, zu dem auch viele Persönlichkeiten der Stadt und sogar die Jugendlichen eingeladen waren. An diesem Nachmittag entstand eine der bekanntesten Fotografien mit Don Bosco, der mit einem Trappistenabt in der Mitte saß und von vielen Salesianern, Wohltätern und Jugendlichen umringt wurde. Es ist ein Bild der Seligen und Heiligen. Neben dem heiligen Johannes Bosco beugt sich der selige Michael Rúa zu ihm vor und der selige José Calasanz Marqués, der – hier noch als 14-jähriger Junge – später als Salesianer in Kuba, Peru und Spanien wirkte und in der spanischen Revolution ermordet wurde. Darüber hinaus sind Dona Dorotea, deren Seligsprechungsverfahren vor dem Abschluss steht und Abt Candide Albalat y Puigcerver von Sainte-Marie-du-Désert zu sehen, der als einer der Väter des Trappistenordens gilt.

Am 5. Mai – einen Tag vor seiner Abreise aus Barcelona – ging Don Bosco in die Basilika „De la Merced“, um der Jungfrau Maria für ihre Gnaden und ihren Schutz zu danken. Einige Herren kamen, um ihm den höchsten Berg Barcelonas, genannt „Tibidabo“, zu schenken. Sie baten ihn, er möge dort eine Wallfahrtskapelle zu Ehren des Herzens Jesu errichten. Don Bosco antwortete darauf gerührt: „Ich danke euch. Als ich von Turin wegfuhr, hörte ich eine innere Stimme, die nicht aufhörte zu sagen: Tibi dabo (lat.: ich werde dir geben). Ja, mit eurer Hilfe wird sich auf diesem Berg nicht nur eine Wallfahrtskapelle, sondern eine majestätische Kirche zu Ehren des Herzens Jesu erheben.“ Noch im gleichen Monat wurde mit dem Bau einer Klause an der Spitze des Berges begonnen.

Es sollte jedoch noch Jahre dauern bis zum endgültigen Einlösen des Versprechens Don Boscos, doch seine geistlichen Söhne taten es. Der Erzbischof von Barcelona, Kardinal Casanas, legte 1902 den Grundstein. Die ersten Salesianer kamen 1912 mit der Errichtung eines kanonischen Ordenshauses auf den Berg und setzten den Kirchenbau fort. Durch den spanischen Bürgerkrieg gebremst und teilweise zerstört, wurde die heutige Kirche 1961 geweiht.

Ewige Anbetung seit 1966 ohne Unterbrechung

Die Krypta ist geprägt durch die romanisch-byzantinischen Bögen. Der weiße Stein drückt Reinheit aus, wird dann aber überhöht durch eine sieben Meter hohe und fünf Tonnen schwere Herz-Jesu-Statue mit offenen Armen. Es ist eine Verschmelzung aus der Natur (Berg), der Mühe des Menschen (Gotteshaus) und dem Gottmensch (Statue) in geordneter Gestuftheit zu Gott Vater, dem unsterblichen und unsichtbaren König.

Die Tibidabo-Kirche ist wie ein großer Sockel für die große Herz-Jesu-Statue, die Christus als die Liebe versinnbildlicht. Und noch ein wichtiges Detail: Die Gesichtszüge wurden vom Turiner Grabtuch genommen und wirken edel und freundlich. Nach der Fertigstellung 1961 wurde die Kirche zur Basilika Minor erhoben. Vom Berg Tibidabo genießt man eine wunderbare Sicht auf die Millionenstadt Barcelona. Bei Nacht ist die Herz-Jesu-Kirche in ein von weither sichtbares Licht gehüllt. Eine Besonderheit dieses Gotteshauses ist die ewige Anbetung, die es seit 1966 ohne Unterbrechung gibt.

In der Stadt Barcelona gibt es heute neun Gemeinschaften der Salesianer Don Boscos mit neunzig Mitbrüdern. Sie arbeiten in Schulen, Pfarren, Oratorien und in der sozialen Kinder- und Jugendarbeit. Für das Weltjugendtreffen wurde Vieles in Bewegung gesetzt. Es ist der große Wunsch, dass durch diese weltweite Zusammenkunft die Jugendlichen vor Ort in ihrem Glauben gestärkt werden. Pater Rosendo Soler, zuständig für die salesianische Jugendpastoral in Spanien, unterstreicht: „Wir Salesianer setzen alle unsere Kräfte dafür ein. Bei diesem großen Jugendtreffen, zu dem der Papst einlädt, werden Räume geschaffen, wo Jugendliche ihren Glauben ausdrücken können.“

Die Salesianer in Barcelona werden 900 Jugendliche aus Europa, Südamerika und Asien in ihren Häusern aufnehmen und sie zu Don Boscos Orten in der Stadt führen. Die Salesianische Jugendbewegung aus Österreich genießt die „Tage der Begegnung“ in der katalanischen Hauptstadt. Pater Siegfried Kettner bestätigt: „Beim Weltjugendtreffen spüren die jungen Leute: Wer glaubt, ist nicht allein! Es ist kein kurzfristiges Abenteuer, sondern oft ein wichtiger Schritt hin zu einer Lebensentscheidung.“