Achtung: Ethisches Investment ist machbar, Herr Nachbar!

Aber: Wer sein Geld heute „nachhaltig“ oder „ethisch verantwortlich“ investieren möchte, benötigt vor allem eines: Orientierung. Von Carl-Heinz Pierk

Frankfurt/Main spät abends
Frankfurt bei Nacht. Kirche und Banken investieren ihr Vermögen – idealerweise nach ethischen und nachhaltigen Kriterien. Foto: dpa
Frankfurt/Main spät abends
Frankfurt bei Nacht. Kirche und Banken investieren ihr Vermögen – idealerweise nach ethischen und nachhaltigen Kriterien... Foto: dpa

Nachhaltiger Tourismus, nachhaltiges Management – es gibt heute kaum noch einen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Bereich, der auf das Etikett „nachhaltig“ verzichten möchte. Dabei ist der Begriff der Nachhaltigkeit älter als allgemein angenommen.

Ursprünglich stammt die Idee der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Die Forstwirte erkannten, dass sie dem Wald jährlich nur die Menge Holz entnehmen dürfen, die im gleichen Zeitraum nachwachsen kann. Was im Wald sehr einleuchtend ist, gilt genauso in anderen Lebensbereichen. Nur derjenige, der keinen Raubbau betreibt, kann langfristig Gewinne erzielen und den Beschäftigten eine sichere Zukunft geben. Wasser, Boden, Luft, Bodenschätze – das alles sind Ressourcen, die der Menschheit in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen. Wer nachhaltig wirtschaftet, muss also stets die Umwelt, das Klima und andere überlebenswichtige Faktoren bei der täglichen Arbeit im Blick haben.

Wer sein Geld „nachhaltig“ oder „ethisch verantwortlich“ investieren möchte, benötigt Orientierung. Dazu haben das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die Deutsche Bischofskonferenz 2015 eine Orientierungshilfe unter dem Titel „Ethisch-nachhaltig investieren“ veröffentlicht. Auf Seite 13 der Orientierungshilfe heißt es: „Unter ethisch-nachhaltigem Investment werden Vermögensanlagen verstanden, bei denen durch eine Nachhaltigkeitsbewertung von Emittenten anhand sozialer, ökologischer und Governance-Kriterien eine ethische Wertorientierung zur Geltung gebracht wird. Die Begriffskombination von ethisch und nachhaltig verdeutlicht, dass die Nachhaltigkeitskriterien ihre Begründung in ethischen Wertvorstellungen finden. (...) Kirchliche Vermögensträger wissen sich einer christlichen Wertorientierung verpflichtet, aus der heraus sie ihre ethisch-nachhaltigen Anlagekriterien begründen.“

Die Orientierungshilfe soll die Finanzverantwortlichen in den kirchlichen Einrichtungen dabei unterstützen, ihre Gelder unter Berücksichtigung ethischer Kriterien anzulegen. Sie soll zur Diskussion über diese Kriterien anregen und praktische Hinweise zur Umsetzung einer ethisch orientierten Anlagepolitik geben. Ethische Maßstäbe sind demzufolge insbesondere der Schutz des menschlichen Lebens, die Einhaltung und Förderung der Menschenrechte, die Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern und die Bewahrung der natürlichen Umwelt. Besonders mit den Kirchenbanken würden erfahrene Finanzdienstleister bereitstehen, um das Vermögen kirchlicher Einrichtungen nach ethischen Kriterien auszurichten. Diese bedienten sich der Analysen fachkundiger „Research-Agenturen“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hob bei der Präsentation hervor, dass auch die Kirche eine Akteurin sei, die vom wirtschaftlichen Handeln nicht ausgenommen sei: „Ethisch-nachhaltig zu investieren ist insbesondere im Umgang mit ihrem Vermögen eine Aufgabe der Kirche. Deshalb müssen wir uns auch fragen lassen, wie die Kirche mit ihren finanziellen Ressourcen umgeht, wie kirchliche Einrichtungen mit ihrem Kapital operieren und wie ethisch gewirtschaftet werden kann. Hier sind die Vorgaben der verschiedenen Einrichtungen so unterschiedlich wie die Einrichtungen selbst“, so Kardinal Marx. „Allen kirchlichen Einrichtungen gemeinsam sollte das

Interesse sein, ihre Investments an christlichen Wertvorstellungen zu orientieren. Es geht ihnen dann nicht nur darum, mit dem angelegten Kapital und den erwirtschafteten Zinsen die Zwecke der eigenen Einrichtungen zu erfüllen und so Gutes für die Menschen und die Schöpfung zu tun. Es muss ihnen ebenso um die direkten und indirekten Auswirkungen ihrer Investition auf die Umwelt und auf andere Menschen, besonders auf die Armen, gehen.“ Die Deutsche Bischofskonferenz und das ZdK verstehen die neue Orientierungshilfe als wirksames Instrument, „um diejenigen zu bestätigen, die schon jetzt im Bereich des ethisch-nachhaltigen Investments aktiv sind, und jene anzuspornen, die sich mit dieser Materie noch nicht genügend auseinandergesetzt haben.“

Klaus Gabriel, Sozial- und Wirtschaftsethiker und Geschäftsführer des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC), einem Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage in Frankfurt, definiert eine ethische Geldanlage so: „Bei der ethischen Geldanlage geht es vor allem darum, dass sich die Investierenden, also jene, die ihr Geld anlegen müssen, darüber bewusst werden, was ihre Verantwortung in Bezug auf die Geldanlage konkret ist, welche moralischen Werthaltungen ihnen wichtig sind und wie sie diese in ihre Geldanlage integrieren wollen. Für uns bei CRIC ist eine Geldanlage im engeren Sinne dann als ,ethisch‘ zu bezeichnen, wenn es einen Primat der Ethik gibt, wenn also bestimmte moralische Standards gelten, die auch dann gelten, wenn man dabei auf Renditemöglichkeiten verzichten muss. Hier muss man zwischen den Möglichkeiten unterscheiden, die unterschiedliche Investorentypen haben: Als privater Investor bin ich insbesondere meinem eigenen Gewissen gegenüber verantwortlich und da kann ich zum Beispiel auf Rendite gänzlich verzichten.“

Die Zahl der privaten Anleger wächst, die bei ihrer Anlage-Entscheidung nicht allein auf die Rendite schauen, sondern zusätzlich Wert darauf legen, dass mit dem investierten Geld nachhaltig gewirtschaftet wird. Vor allem kirchliche Banken haben einen Ethikfilter über die Weiterveranlagung aller Gelder gelegt. Dies bedeutet, dass bei jeder Investition bestimmte Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt werden müssen. In einem Leitfaden für ethisch-nachhaltige Geldanlage in der evangelischen Kirche heißt es dazu: „Verantwortlicher Umgang mit dem anvertrauten Geld bedeutet, es unter Beachtung des sogenannten ,Magischen Dreiecks‘ in Abwägung der drei ökonomischen Ziele Sicherheit, Liquidität und Rendite anzulegen und sich zugleich mit den Wirkungen der Geldanlagen auf andere auseinanderzusetzen, indem die nicht-ökonomischen Ziele Ethik/Nachhaltigkeit berücksichtigt werden. Daher gilt: Geldanlagen sind nach ökonomischen Grundsätzen vorzunehmen. Zugleich ist die Auseinandersetzung mit den Wirkungen der Geldanlage auf Umwelt, Mitwelt und Nachwelt unverzichtbar. Darum sollen Geldanlagen unter Berücksichtigung unserer christlichen Werte auch sozialverträglich, ökologisch und generationengerecht erfolgen.“