Kommentar: Führungslos in der Euro-Krise

Die Eurokrise ist weiter virulent. Sie verbirgt sich nur und hat eine Reihe weiterer Monster angefüttert. Von Richard Schütze

Still ruht der See. Kein Wässerchen kräuselt sich. Doch unter der Oberfläche lauern sie. Bereit, ihre Opfer in Stücke zu reißen. Die Eurokrise ist weiter virulent. Sie verbirgt sich nur und hat eine Reihe weiterer Monster angefüttert. 950 Milliarden Euro haben allein die Banken der Eurozone an faulen Krediten aufgehäuft. Vorwiegend in den Südländern wie Italien und Griechenland. 30 Milliarden Euro pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) Monat für Monat in die Märkte, um Staatsschulden aufzukaufen.

Geld ist massenhaft vorhanden; es kostet nichts, bringt aber auch nichts. Wo es aber keine Zinsen mehr gibt, werden die Sparer sukzessive enteignet. Noch könnten die haftenden Gläubiger, allen voran Deutschland, die Reißleine ziehen und aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) aussteigen. Ein Ende mit Schrecken. Doch die Politik schaut zu, wie neben der Staatsschulden nun auch eine Immobilienblase heranwächst.

Das Kapital puscht die Börsen. Doch die Jugend im Süden findet weiter keine Arbeit; jeder zweite bis dritte ist ohne Job und Zukunft. Steigt Italien nach den Parlamentswahlen im März aus dem Euro aus, droht ein finanzielles Blutbad. Frankreichs charismatischer Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wollen den ESM gar in einen Europäischen Währungsfonds überführen und damit die Banken- und Haftungsunion unumkehrbar machen.

Der Bundestag soll mit Zweidrittelmehrheit sich selbst einer künftigen Mitsprache berauben, die Reißleine zerreißen. Kanzlerin Angela Merkel führt nicht mehr. Einziger Lichtblick: Bundesbankpräsident Jens Weidmann könnte EZB-Präsident werden. Ein Stabilitätsanker.

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