Mönchengladbach

Kolumne: Nervöse Märkte

Nicht zur die Corona-Pademie, auch die bevorstehende Wahl in den Vereinigten Staaten machen die Märkte nervös.

Marco Bonacker
Der Autor ist kommissarischer Leiter der Abteilung Erwachsenenbildung im Bistum Fulda. Foto: Privat

An den Börsen wird die Zukunft gehandelt. Mit Blick auf die sportliche Bewertung von Unternehmen wie Tesla oder zahlreiche kleinere Firmen im Kontext des Wasserstoffbooms kann dieses Axiom schnell bestätigt werden. Die aktuellen Fundamentaldaten jedenfalls rechtfertigen die hohen Kurse kaum. Investiert wird vor allem in ein Versprechen in die Zukunft. Doch zugleich ist die Börse immer auch an tagesaktuelle Entwicklungen gekoppelt: Zuletzt sorgte der positive Corona-Test von Donald Trump für Kurskapriolen. Die Börsen sind extrem reaktionsschnell, wenn es darum geht, aktuelle politische oder gesellschaftliche Entwicklungen zu deuten.

In den nächsten Monaten schauen die Märkte gespannt auf die US-Wahl, von deren Ausgang ein großer Einfluss auf die internationalen Investitionsströme zu erwarten ist. Damit verbunden ist der schwelende Handelsstreit mit China und die damit einhergehende Gefahr einer Deglobalisierung. Vor allem aber ist es die weiterhin akute Corona-Pandemie, deren Verlauf entscheidend zur Entwicklung der Marktsituation beiträgt. Insgesamt ergibt sich ein sehr volatiles und anfälliges Szenario, das viele Investoren verunsichert. Der durch die Corona-Krise ausgelöste Börseneinbruch im März war ein besonders krasses Beispiel von Marktmechanismen unter den Bedingungen von Unsicherheit und Schock. Die Mechanismen des Herdentriebs verstärkten bestimmte Interpretationen zur Marktlage, die dann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. So wie die Hausse die Hausse nährt, dreht sich die Abwärtsspirale ebenso dynamisch nach unten und alle verkaufen, weil alle verkaufen. Es brauchte schon gute Nerven, um nicht vom Strom mitgerissen zu werden. 

Sozialethische Grundsätze der Vermögensbildung

Zugleich war die Erholung ebenso schnell wie euphorisch. Viele Werte hatten fast wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht, als schließlich doch eine zähe Seitwärtsbewegung begann. Viele schauen nun mit Spannung auf die Entwicklungen im Herbst. Als Privatanleger ist man gut beraten, wenn man weder nur auf scheinbar zukunftsträchtige Einzeltitel baut, noch die Tagespolitik und noch weniger den Herdentrieb als Grundlage seiner Investitionsentscheidung heranzieht. Grundstock jedes Depots sollten langfristige und breit diversifizierte Titel sein, die untereinander nicht zu stark korrelieren. Dementsprechend sollten verschiedene Assetklassen vertreten sein: Aktien, Rohstoffe, Anleihen. 

Im Blick sollten auch Small- und Mid-Caps sein, um in Aktien wirklich breit aufgestellt zu sein. Um diese breite und langfristige Strategie kostengünstig realisieren zu können, bieten sich insbesondere ETF-Lösungen an, die eine nur geringe Total-Expense-Ratio aufweisen. Berücksichtigt man die wichtigsten Grundsätze des Investierens, kann man selbst im Krisen-Jahr 2020 die sozialethischen Grundsätze stark machen, die mit der Vermögensbildung klassischerweise einhergehen: Neben der Einkommens- und Sicherungsfunktion sowie der Integrationsfunktion ist es vor allem die Freiheitsfunktion, die Privateigentum zum entscheidenden Faktor einer freien, innovativen, zukunftsfähigen und krisenfesten Gesellschaft machen.

Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach.

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