Mönchengladbach

Kolumne: Konsum trotz Lockdown?

Der aktuelle Lockdown sollte uns dazu anregen, einmal mehr über unser Konsumverhalten und die Grenzen wirtschaftlichen Wachstums nachzudenken.

Ikea setzt auf online
„Onlineshop für dich geöffnet“ steht auf einem Plakat an der Ikea-Filiale in Schöneberg. Im Lockdown entwickelt der Handel neue Knzepte wie das „click & collect". Foto: Paul Zinken (dpa)

Not macht erfinderisch. Wieviel Wahrheit in diesem Sprichwort steckt, zeigte sich in den vergangenen Tagen mit Blick auf den Einzelhandel. Der Lockdown, infolge dessen ab Mitte Dezember die allermeisten Geschäfte schließen mussten, forderte die Branche heraus. Um das bereits verlorene Weihnachtsgeschäft zumindest etwas zu retten, reagierten viele Einzelhändler schnell und passten sich etwa mit „Click and Collect“- Services den veränderten Umständen an.

Kolumne: Konsum trotz  Lockdown?
Der Autor ist Leiter des Arbeitsbereiches Erwachsenen- und Familienbildung im Bischöflichen Generalvikariat Trier. Foto: Privat

„Kreative“ Schlupflöcher

In besonderer, aber wie sich zeigte, ungeschickter Weise stach die Geschäftsführerin der Parfümerie-Filialkette Douglas, Tina Müller, in ihrer Kreativität hervor. Um kurz vor Weihnachten den Einkauf in einigen der rund 450 Douglas-Filialen in Deutschland zu ermöglichen, deklarierte Müller diese kurzerhand zur Drogerie. Schließlich sei die Bezeichnung „Drogerie“ nicht rechtlich spezifiziert. Und wie in jeder Drogerie würden ja auch bei Douglas Körperpflege- und Hygieneprodukte zum Verkauf angeboten. Ein kluger, geschäftstüchtiger Schachzug. Immerhin gehören hierzulande Parfüms und Kosmetikartikel zu den beliebtesten Geschenken unter den Christbäumen. Nach deutlicher Kritik an diesem Plan zog die Douglas-Geschäftsführung denselben zurück und kündigte an, im Rahmen des Lockdowns fortan alle Filialen geschlossen zu halten.

Ohne Frage: Der Lockdown trifft die Branche hart und ist besonders für jene, die nicht großen Handelsketten angehören, existenzbedrohend. Dass in dieser Situation Einzelhändler die Schlupflöcher teils unscharfer Lockdown-Vorgaben in manch einem Bundesland nutzen und mit Blick auf das Infektionsgeschehen mitunter riskante Alternativen suchen, um ihre Ware an die Frau und den Mann zu bringen, mag aus wirtschaftlicher Sicht daher verständlich sein.

Sinnvoller Lockdown

 

Aber der „harte Lockdown“ hatte und hat einen Sinn: Die Reduzierung physischer Kontakte auf ein Minimum, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen, Menschen (auch die Beschäftigen im Einzelhandel!) vor einer mitunter lebensbedrohlichen Infektion zu schützen, das Personal in den Krankenhäusern zu entlasten und Menschen das Feiern der Weihnacht, wenn auch nur im allerkleinsten Kreis der Familie, zu ermöglichen.

Wenn nun wirtschaftliche Interessen über dieses Anliegen gestellt werden, gefährdet dies den erhofften Erfolg und ein baldiges Ende des Lockdowns.

Daher sollte uns der gegenwärtige Lockdown durchaus dazu anregen, einmal mehr über unser Konsumverhalten und die Grenzen wirtschaftlichen Wachstums nachzudenken.

Zuwendung zu den Menschen

Nicht der Konsum, nicht eine Fülle von Geschenken und nicht die finanziellen Einnahmen sind es, die unsere Lebensqualität steigern, sondern die Solidarität untereinander und die Sorge füreinander. Weihnachten ist das Fest der aufmerksamen Zuwendung Gottes zum Menschen. Wir sind alle eingeladen, diese Zuwendung auch einander spüren zu lassen. Das wäre mehr wert als jedes noch schnell besorgte materielle Geschenk.

Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle in Mönchengladbach.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.