Mönchengladbach

Kolumne: Gottes Investment

Gott hat ein Recht auf reichen Gewinn und auf unsere Mitarbeit an seinem Werk der Erlösung.
Peter Schallenberg
Foto: KNA | Der Autor ist Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ).Die Kolumne erscheint in Kooperation mit der KSZ.

In wenigen Tagen ist Weihnachten: Gott wird Mensch, nimmt menschliche Gestalt an. Manche Kirchenväter und Theologen erklären auch so: Er kleidet sich in menschliche Gestalt, oder: Gott bekleidet sich mit der Menschheit. „Bekleiden“ heißt in lateinischer Sprache: „investire“, meint also: ein „vestigium“ (Gewand, Bekleidung) anlegen. Von daher kommt kurioserweise der englische Begriff „investment“: eine Geldanlage tätigen; Geld anlegen, damit es sich vermehrt oder produktiv wird, Rendite letztlich abwirft.

Gott erwartet Rendite

Wer investiert, der hofft auf ein gutes Endergebnis, auf Gewinn, auf reichen Ertrag, auf Profit. Der Christ denkt natürlich unwillkürlich an das Gleichnis von den Talenten im Evangelium: Ein König geht außer Landes und hinterlässt seinen drei Dienern unterschiedliche Geldmengen, „Talente“ genannt: fünf und zwei und eins. Zwei der Diener verdoppeln die Zahl der Talente, der dritte vergräbt aus Angst vor dem strengen König das Talent und gibt es unbeschadet bei der Rückkehr des Königs diesem zurück.

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Was ist passiert? Nichts, weder Gewinn noch Verlust. Man könnte meinen, der König sei leidlich zufrieden, jedenfalls nicht erbost. Weit gefehlt: Der ängstliche Diener wird streng gescholten und ihm das verbliebene und ängstlich aufbewahrte Talent auch noch weggenommen. Und die Moral von der Geschicht'? Gott fordert Rechenschaft über unsere Talente und unsere Lebensführung, er will Gewinn von uns und erwartet Rendite. Er will unsere Mühe, nicht einfach unbeschädigte Rückerstattung unseres Lebens am Ende der Lebenszeit; er will Vermehrung seiner Gaben, die er in uns und unser Leben investiert hat. Er gibt sich Mühe mit uns, damit wir uns umgekehrt auch Mühe geben!

Rendite trägt den Namen „Liebe“

In Betlehem in der Krippe beginnt Gottes großes Investment. Es ist bei Licht besehen schon Gottes vierter „Versuch“ , nach Adam, Noah und Abraham. Man könnte es auch „impact investing“ oder nachhaltiges und ethisches Investment nennen: Gott bekleidet sich mit der Menschheit, um in jeden Menschen von Stund an zu investieren und reichen Gewinn an guten Werken und Rendite der Liebe zu erlangen. Seit Bethlehem stehen wir in Gottes besonderem Dienst und sind ihm Rechenschaft über unser Leben und unsere Talente und Fähigkeiten schuldig. Es ist nicht egal, wie wir leben und wirtschaften.

Gott wurde Mensch, damit wir Mitarbeiter Gottes seien. Gott hat ein Recht auf reichen Gewinn und auf unsere Mitarbeit an seinem Werk der Erlösung. Und diese Mitarbeit und diese Rendite trägt den Namen „Liebe“. Gott bekleidet sich mit der Menschheit im Leben eines jeden Menschen, um seine göttliche Liebe zu entfalten und die Welt trippelschrittchenweise zu verwandeln.

Das ist theologisches „impact investment“, Investment also mit nachhaltiger und guter Wirkung: So leben und arbeiten und wirtschaften und lieben, dass Gott auf seine Kosten kommt, dass sich sein Investment in den Menschen seit Bethlehem lohnt, dass er und seine Liebe sich immer weiter ausbreiten können in dieser Welt – vor der Zielgeraden zur Ewigkeit. Und es kommt alles darauf an, dass jeder von uns Gottes Investment in den Menschen nicht Lügen straft, sondern mit reicher Rendite belohnt. Was könnte seit dem allerersten Weihnachtsfest lohnenswerter sein?

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