Kardinal Marx kritisiert Arbeitsmarktreform

München (DT/KNA) Die Pläne der Bundesregierung zur Arbeitsmarktreform stoßen auf heftigen Widerstand der katholischen Kirche. Der Vorsitzende der Sozialkommission der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte am Mittwoch in München, die Vorschläge führten im Effekt dazu, rund 500 000 der 1,4 Millionen langzeitarbeitslosen Menschen „schlicht abzuschreiben“. Dies sei mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbar. Der Erzbischof äußerte sich anlässlich eines bundesweiten Aktionstags von Caritas und der katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft Integration durch Arbeit (BAG IDA). Beide Organisationen veranstalteten am Mittwoch in Beschäftigungsbetrieben der BAG IDA in 30 Städten die Initiative „Bin langzeitarbeitslos – will arbeiten“, um auf das Anliegen aufmerksam zu machen. Dazu luden sie Betroffene und Politiker ein. Caritas-Generalsekretär Georg Cremer beklagte in Berlin, der Kabinettsentwurf gehe „an der Realität vorbei“. Hans-Jürgen Marcus, Vorsitzender der BAG IDA, warnte vor Kürzungen. „Langzeitarbeitslose Menschen und ihre Familien bleiben dann sich selbst überlassen und haben keine Perspektive mehr. Auch arbeitsmarktferne junge Menschen erhalten keine zweite Chance.“ Gerade für Langzeitarbeitslose seien soziale Kontakte und eine klare Tagesstruktur wichtige Hilfen zum Wiedereinstieg in Arbeit. Nach Ansicht von Marx droht vielen Integrationsbetrieben und Beschäftigungsprojekten bei den neuen Regelungen das Aus. „Wer hier einspart, wer Förderung reduziert und damit Vermittlungschancen unnötig einschränkt und so Teilhabe verhindert, der handelt sozial ungerecht und volkswirtschaftlich unvernünftig“, so Marx. „Kein Mensch ist überflüssig, jeder wird gebraucht“, betonte Marx. Auch jene, deren Arbeit aus Sicht des Marktes vielleicht nicht „produktiv“ sei, hätten ein Recht auf eine sinnvolle, öffentlich geförderte Beschäftigung. Die Reform sehe stattdessen eine „bloße Alimentierung“ vor.

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