Der Geldbeutel bleibt geöffnet

Trotz Finanzkrise wird weiter gespendet wie bisher – Doch die Kirchen registrieren eine rückläufige Entwicklung

Die Zahlen sind unterschiedlich, der Trend scheint dennoch eindeutig: Glaubt man den alljährlich im Dezember veröffentlichten großen Umfragen zur Spendenbereitschaft der Deutschen, so hat die Finanz- und Wirtschaftskrise den Bundesbürgern das Portemonnaie noch nicht verschlossen. Dabei verweisen die Spendenexperten darauf, dass auch in den vergangenen zwei Jahrzehnten Konjunkturkrisen keine erkennbare Auswirkungen auf die Gebefreudigkeit gehabt haben.

Nach dem in dieser Woche veröffentlichten „Spendenmonitor“ von TNS Infratest haben zwischen Oktober 2007 und Oktober 2008 rund 27 Millionen Bundesbürger Privatspenden im Wert von rund 2,8 Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen gegeben. Zwar sank die durchschnittliche Pro-Kopf-Spende von 108 Euro auf aktuell 102 Euro. Da sich jedoch gleichzeitig die Zahl der aktiven Spender auf 42 Prozent der über 14-Jährigen erhöhte, blieb die Gesamtspendensumme im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf gleichem Niveau. Anfang Dezember hatte das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin sogar von einem deutlichen Spendenplus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr berichtet. Das DZI berief sich dabei auf Informationen der 30 einnahmestärksten Organisationen, die mit dem DZI-Spenden-Siegel ausgestattet sind.

Die gesamten Gaben für soziale Zwecke bezifferten die Berliner Wissenschaftler im Rahmen dieser Studie auf 2,45 Milliarden Euro. Wenn man auch Spenden für andere gemeinnützige Ziele wie Kultur, Umwelt-, Natur- und Tierschutz berücksichtige, betrage das Volumen zwischen drei und fünf Milliarden Euro pro Jahr, hieß es. Glaubt man dem TNS-„Spendenmonitor“, so wächst Deutschland auch auf dem Spendenmarkt weiter zusammen. Zwar blieben die Westdeutschen mit 43 Prozent auch 2008 gebefreudiger. In den östlichen Bundesländern stieg der Anteil der freiwilligen Geber jedoch von 32 Prozent auf 37 Prozent deutlich an. Das ist die geringste Differenz zwischen Ost und West seit der Flutkatastrophe von 2002, als in den alten wie den neuen Bundesländern 47 Prozent der über 14-Jährigen ihr Portemonnaie für einen guten Zweck öffneten.

„Die Schere in der Spendenbereitschaft beginnt sich wieder zu schließen“, stellte Projektleiter Jan Borcherding fest. Nach wie vor bleiben Frauen mit einer Quote von 44 Prozent freigiebiger als Männer, bei denen nur 40 Prozent das Portemonnaie für einen guten Zweck zückten. Bei den Altersgruppen liegen die über 65-Jährigen mit einer Spenderquote von 61 Prozent an der Spitze. Starke Zuwächse gab es bei den 20- bis 29-Jährigen, bei denen 29 Prozent spendeten, und den 30- bis 49-Jährigen, bei denen 40 Prozent Geld für einen guten Zweck gaben. Dagegen erwiesen sich die 14- bis 19-Jährigen mit einer Quote von 12 Prozent weniger freigiebig als in den Jahren zuvor.

Laut „Spendenmonitor“ konzentrieren die Bundesbürger ihre Geldspende auf immer weniger Gebiete. Die Quote für „Sofort- und Nothilfe“ ist nach den Angaben der Spendenexperten weiter rückläufig. Ebenso hat auch die „Behindertenhilfe“ einen Rückgang zu verzeichnen, bleibt aber mit 29 Prozent an der Spitze, gefolgt von der Kinder- und Jugendhilfe mit 27 Prozent und dem Bereich „Wohlfahrt/Soziales“ mit 21 Prozent. Die beiden letzteren konnten sich über einen Zuwachs freuen. Eine seit drei Jahren rückläufige Entwicklung müssen auch die Kirchen registrieren: Nur noch jeder fünfte Befragte erklärte, er habe auch für kirchliche Zwecke gespendet.

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